Bericht aus der BAMS vom 12.11.2006 Titel: Basti (5) hatte schon 5 Väter Dazu das Interwiev mit Hr. Wolfgang Bergmann (58) Kindertherapeut aus Hannover BAMS: Sollten alleinerziehende Frauen aktiv einen Ersatzvater suchen? W.Bergmann: Ja, und zwar sich selbst und den Kindern zuliebe. Alleinerziehende Frauen, aber auch alleinerziehende Männer, wirken ohne Partner oft verloren. Wie alle Menschen. Es fehlt ihnen die Stütze. Kinder dagegen brauchenbeidePole, denweiblichen und den männlichen. Alle Kinder träumen nämlich von Vater und Mutter. Das gilt insbesondere für Jungs. Sie suchen einen Ersatzpapa zum Raufen und Toben. Kommt ein verlässlicher, väterlicher mann in die Familie, ist das für sie wie eine Befreiung. BAMS: Alleinerziehende haben oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihrem Kind immer wieder einen neuen Partner vorstellen. W. Bergmann: Ja, aber viel größer ist das schlechte Gewissen im Vorfeld, weil sie ihrem Kind keinen Vater bieten können, derechte nicht da ist und sie nichts daran ändern können. Das hinterlässt ein starkes Gefühl des Ungenügens, das oft schlimmer empfunden wird als wechselnde Partnerschaften. BAMS: Wie sollte ein neuer Partner dem Kind vorgestellt werden? W. Bergmann: Ganz behutsam. Zunächst sollte die Frau ihn erst einmal ausserhalb von zu Hause kennenlernen und genau prüfen, ob er sich nicht nur als Mann, sondern auch als Vaterersatz überhaupt eignet. Nur dann sollte man ihn nämlich auch den Kindern vorstellen. Diese Verantwortung hat man gegenüber den Kindern.Schließlich sind mit jedem neuen Mann auch Hoffnungen und Erwartungen der Kinder verknüpft, das da vielleicht endlich ein Papa kommt. BAMS: Oft gibt es aber auch Konflikte, wenn die Mutter eine neue Beziehung eingeht. Warum? W. Bergmann: Wenn die Mutter eine fast symbiotische Beziehung mit ihrem Kind eingegangen ist, wird es schwierig. Das Kind denkt dann, der neue Partner drängelt sich dazwischen, deshalb reagiert es eifersüchtig. Wichtig ist, dass die Mutter dann bewußt Zeit mit dem Kind verbringt, das Kind aber auch allein was mit dem neuen partner unternimmt, damit sich auch zwischen den beiden eineBeziehung entwickeln kann. BAMS: Wie prägen wechselnde Partner die Entwicklung der Kinder? W. Bergmann: Jede Trennung ist immer eine Enttäuschung für das Kind. Unbewußt sucht es eine Mitschuld bei sich. Außerdem entwickelt es dadurch ein Misstrauen gegenüber allen menschlichen Beziehungen und Gefühlen, das nicht verlässlich ist im Leben. Viele Kinder haben dann später Bindungsängste. BAMS: Wie sollte man einem Kind die Trennung erklären? W. Bergmann: Kindern kann man nichts vormachen, deshalb sollte man ganz offen mit ihnen reden, natürlich altersgerecht. Letztlich braucht ein Kind in so einem Moment aber mehr Trost als Erklärung. Und das ist ganz wichtig: Hatte das Kind eine gute Beziehung zu dem Mann, sollte man den Kontakt zwischen den beiden nicht abbrechen lassen, dem Kind vielmehr sagen: "Ihr könnt Freunde bleiben".
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