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Vaterschaftstest: mehr als nur legal oder illegal
 
Geschrieben von ae am Freitag, 04. März 2005

Nachrichten und Aktuelles (Eisenach/Köln) - Über die Rechtmäßigkeit von einem heimlich gemachten Vaterschaftstest ist in den vergangenen Wochen viel diskutiert worden. Nachdem der Bundesgerichtshof mit einem Urteil vom 12. Januar heimliche Vaterschaftstests als unzulässige Beweismittel einstufte, steht noch die Gesetzesinitiative von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries aus.




Zypries will heimliche Vaterschaftstest unter Strafe stellen lassen. Doch ob legal oder nicht, ob mit oder ohne Zustimmung der Partnerin: Vaterschaftstests können erlösende Ergebnisse bringen und vor jahrelangen begründeten oder unbegründeten Zweifeln bewahren. Sie können aber auch Beziehungen und Familien zerstören. Und am Ende des Prozesses kann auch die Erkenntnis stehen, dass die Zweifel besser zu ertragen waren als die spätere Gewissheit.


«Als erstes sollte das Thema mit der Partnerin besprochen und nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden», empfiehlt Prof. Friedebert Kröger allen Männern, die an ihrer Vaterschaft zweifeln. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) in Köln versteht allerdings auch die Beweggründe von Männern, die ihre Partnerin nicht einweihen mögen. «Heimlichkeit ist ein Zeichen von Hilflosigkeit oder von Misstrauen». Auch das Motiv, die Partnerin nicht mit den eigenen Ängsten belasten zu wollen, sei nicht von der Hand zu weisen.


Dennoch lohne sich ein Gespräch. Es könne auch zu dem Ergebnis führen, dass der Mann auf einen Vaterschaftstest verzichtet - weil die Partnerin ihn überzeugt hat oder weil er feststellt, dass ihm sein Familienleben wichtiger ist als die biologische Vaterschaft.


Entscheidet sich ein Mann oder auch das Paar gemeinsam für den Test, müssen die Konsequenzen gut bedacht werden. Die Beziehung der Partner untereinander und die Beziehung des Mannes zum Kind kann belastet werden. Im Fall einer Trennung drohen Streitigkeiten um Unterhaltspflichten, möglicherweise sogar der Kampf darum, das Kind überhaupt noch sehen zu dürfen. «Die Betroffenen können oft gar nicht einschätzen, welche Lawine losgetreten wird, wenn das Ergebnis einmal schwarz auf weiß vorliegt», warnt Therapeut Kröger.


Im Labor biotix in Potsdam werden 85 Prozent aller Tests von Männern in Auftrag gegeben. «Bei etwa einem Drittel davon ist die Partnerin beteiligt», sagt Geschäftsführer Thomas Krahn. «Viele Frauen sagen "Mach Deinen Test und lass mich da raus".» Andere unterschrieben den Antrag oder steuerten sogar eigenes Genmaterial bei. «Aus technischer Sicht verbessert dies natürlich die Analyse.»


Bei biotix bestätigen vier von fünf Tests die Vaterschaft. «Dann sind die Männer unglaublich stolz», sagt Krahn. Therapeut Kröger warnt vor der vermeintlichen Sicherheit: «Wenn die Zweifel an der Vaterschaft in einer Beziehungsstörung begründet waren, dann ist diese mit dem Testergebnis nicht ausgeräumt.»


Stellt sich heraus, dass der Partner nicht der biologische Vater ist, dann ist das erst der Anfang einer Reihe von Problemen. «Die meisten Männer sind zunächst unheimlich geschockt, wenn sie ein negatives Testergebnis erfahren. Und sie fühlen sich allein gelassen», erläutert Biotechnologe Krahn.


Hat ein Mann den Test heimlich durchgeführt, muss er entscheiden, ob er nun mit seiner Partnerin spricht. «Das ist wie bei einem Seitensprung. Pauschale Antworten gibt es nicht», sagt Prof. Kröger. «Auf jeden Fall heißt das Darüber-Sprechen nicht zwangsläufig das Ende der Beziehung.» Es gebe auch die Chance für neue Entwicklungen.


Auch das Verhältnis zum Kind kann belastet werden. Nach den Erfahrungen von Rüdiger Meyer-Spelbrink, Geschäftsführer der Selbsthilfeorganisation Väteraufbruch für Kinder (VAfK) in Eisenach, entwickeln aber nur wenige Männer negative Gefühle. «Für viele Väter ändert ein solches Testergebnis nichts an ihrer Liebe zu einem Kind, das sie über Jahre hinweg groß gezogen haben».


Für die Kinder selbst spiele die biologische Vaterschaft keine Rolle, betont Prof. Inge Seiffge-Krenke vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. «Für sie ist entscheidend, dass der Mann die soziale Vaterrolle übernimmt, sie groß zieht und mit ihnen Schlitten fährt.» Schwierigkeiten entstünden erst durch das Verhalten der Eltern, im Extremfall die Trennung.


Auf keinen Fall darf die Erkenntnis, dass der soziale nicht der biologische Vater ist, vor dem Kind verheimlicht werden. «Es ist fatal, wenn ein Kind so etwas von anderen oder durch einen Zufall erfährt», warnt Beate Schwarz, Psychologin und Scheidungsexpertin an der Universität in Konstanz. «Die Eltern sollten mit dem Kind sprechen, sobald sie sich darüber im Klaren sind, wie sie mit dem Testergebnis umgehen - nicht früher, aber auch nicht später.» Ob dieses Gespräch von beiden Eltern gemeinsam oder getrennt geführt wird, hänge vorrangig vom Verhältnis der Partner zueinander ab. Wichtig sei, dass altersgerechte Erklärungen gegeben würden.


Doch auch durch eine einfühlsame Aufklärung des Kindes ist das Thema nicht einfach erledigt. «Bei adoptierten Kindern hat sich gezeigt, dass spätestens im Jugendalter die Frage nach den leiblichen Eltern gestellt wird», erläutert Schwarz. Dann komme möglicherweise der leibliche Vater ins Spiel, und das Beziehungsgeflecht könne wieder komplizierter werden.

gpa/mgs
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