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Wenn Alleinerziehende einen neuen Partner suchen ...
 
Geschrieben von onedaydie am Donnerstag, 03. Februar 2005

Wissenswertes das AEs betrifft ... haben Sie es oft doppelt schwer. Den Kindern einen neuen Partner vorstellen, ist manchmal für die Eltern gar nicht so einfach. Viele Kinder reagieren mit Eifersucht, Verlustangst und sogar Schulproblemen.

„service: familie“ hat mit der Psychotherapeutin für Kinder und Jugendpsychotherapie Hiltrud Hertrampf über die Probleme von Alleinerziehenden gesprochen. Hier die häufigsten Fragen und Antworten:
Wie erkläre ich meinem Kind, dass ich eine/n neue/n Freund/in habe?

Bevor ich zu der praktischen Frage komme, möchte ich etwas zu den Voraussetzungen sagen für eine neue Partnerschaft, bei der Kinder aus einer früheren Beziehung mit im Spiel sind. Voraussetzung für eine neue Beziehung ist eine gute Trennung, die möglichst kinderverträglich sein sollte. Erst wenn das Paar in der Lage ist, trotz Trennung Eltern zu bleiben - das heißt, wenn Raum für die beiden leiblichen Eltern bleiben kann - kann es auch Raum für neue Partner geben.

Sie müssen sich darüber im klaren sein: Der alte Partner nimmt sie als Vater oder Mutter auf jeden Fall in der neuen Beziehungs- oder Familienkonstellation einen Platz ein, auch wenn er vielleicht physisch nicht anwesend sein sollte, auf jeden Fall aber im Erleben der Kinder. Das Kind sollte Möglichkeiten bekommen, über den Vater zu sprechen, über die Wochenendbesuche, aber auch darüber eventuell zu schweigen.

Noch besser ist es, wenn es im Rahmen einer guten Trennung auch möglich ist, mit den Kindern relativ sachlich und altersadäquat über die Trennungsgründe zu sprechen. Das Kind macht dann die Erfahrung, dass es in Beziehungen Krisen gibt, aber auch dass man daraus wieder herauskommt.

Wenn also die Trennungsgeschichte soweit einigermaßen gelungen ist, dass das Kind nicht Angst haben muss, es wird ihm der andere Elternteil weggenommen, ist es gut möglich, dem Kind zu erklären, dass man jemanden kennengelernt hat, in den man sich verliebt hat. Die konkreten Umstände, wie ich es meinem Kind sage, treten dann eher in den Hintergrund.


Erzähle ich den Kindern gleich von meinem Verhältnis oder warte ich erst mal ab?

Nach meiner Erfahrung in der Arbeit mit Familien ist es nicht sinnvoll, bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt über den Freund oder die Freundin zu sprechen. Vor allem wenn ich mir selbst meiner Gefühle nicht sehr sicher bin oder es bei meinem neuen Freund so erlebe, sollte ich den Kindern die damit verbundene Aufregung, die ein neuer Mensch in Mutters oder Vaters Leben zwangläufig mit sich bringt, nicht zumuten.

Ich habe hier Beispiele erlebt, da mussten sich die Kinder halbjährlich auf neue Beziehungen einstellen, das hat nicht nur dazu geführt, dass die Kinder immer wieder neu mit Trennungserfahrungen konfrontiert waren. Auch das Verhältnis zur Mutter hat sehr gelitten, die Verunsicherung in Beziehungen hat sich auch auf die Beziehung zur Mutter ausgewirkt.

Sinnvoll ist es, sich selbst und der jungen Beziehung ein bisschen Zeit zu geben und damit zumindest einen kleinen Freiraum, die Erfahrung einer gemeinsamen Vorgeschichte ohne Kinder fehlt in der neuen Beziehung ohnehin.

Wie sollte das erste Treffen ablaufen?

Wie führe ich sie/ihn in den Alltag ein? Möglichst informell und locker. Je nach Alter des Kindes würde ich auf jeden Fall zu einer Aktivität raten, die Spaß macht: ein Picknick, Kino bei Älteren oder auch ein Konzert.

Auch hier kann ich nach meiner Erfahrung nur zu einem bedächtigeren Vorgehen raten. Ich glaube selbst einem erwachsenen Kind würde eine solche Möglichkeit des Kennenlernens besser tun, als plötzlich am Frühstückstisch einem Fremden gegenüber zu sitzen.

Was mache ich, wenn mein Kind eifersüchtig ist?

Dieses Problem stellt sich häufig, vor allem, wenn der alleinerziehende Elternteil schon länger oder lange mit dem Kind oder den Kindern allein gelebt hat. Dann ist das Kind oft nicht nur Kind, sondern auch Partnerersatz. Wenn dann ein neuer Partner kommt, erlebt das Kind auf jeden Fall erst einmal einen Verlust, auch wenn ihm dies auf lange Sicht hin besser tut. Manchmal reagiert auch der Expartner mit Eifersucht, wenn sich eine neue Bindung anbahnt, dies wird dann nicht selten über das Kind ausgetragen.

Ein anderer Punkt ist, dass die Mutter oder der Vater dem Kind gegenüber häufig ein schlechtes Gewissen hat, weil ihm die Trennung zugemutet wurde. Es entsteht dann ein großer Druck auf die Mutter oder den Vater, nicht selten wird sogar die neue Beziehung in Frage gestellt, wenn das Kind den Partner nicht oder nicht gleich akzeptiert und eifersüchtig reagiert.

Auch hier gilt, was ich anfangs gesagt habe, je besser die früherer Trennung von den Eltern akzeptiert und verarbeitet wurde, je schuldfreier sich die Partner fühlen können, umso mehr Freiheiten haben sie im Umgang mit dem Kind in der Zeit danach. Hier hilft nur Zeit und Geduld und Vertrauen in die Stabilität der Beziehungen.

Darf sie/er meine Kinder mit erziehen?

Diese Frage lässt sich ganz kurz beantworten: Ein Kind erziehen kann nur der, der auch eine Beziehung zu dem Kind hat. Aus meiner Arbeit hier kenne ich nicht selten den Fall, dass der alleinerziehende Elternteil sich oft überlastet fühlt und gerne etwas von der Erziehungsverantwortung abgeben möchte. Verständlich, ohne Zweifel. Auch der neue Partner, häufig der Stiefvater fühlt sich je nach seinem Rollenverständnis schnell aufgerufen zu erziehen.

Ohne ein stabiles Beziehungsfundament geht das aber nicht. Wenn ich meine Tochter kritisiere, manchmal auch etwas harscher, dann haben wir aber trotzdem den Boden einer langen und gewachsenen Liebe, dann kann ich mir auch mal etwas mehr erlauben. Das heißt für den neuen Partner zwar nicht, alles zu erdulden, aber ich kann nur zu einer großen Zurückhaltung raten.

Woran merkt merken die Eltern, dass die Kinder den neuen Partner nicht akzeptieren?

Eigentlich müsste man diese Frage umgekehrt formulieren: Woran merken die Eltern, dass die Kinder den neuen Partner akzeptieren? Nach meiner Erfahrung sind Kinder dem Neuen gegenüber lange Zeit äußerst zurückhaltend und abwartend, so dass der Eindruck entstehen könnte, sie akzeptieren den neuen Partner nicht.

Wenn mir dies geschildert wird, bin ich meistens der Meinung, dass dann alles in Ordnung ist; eher, als wenn der Neue sehr schnell als neuer Papa akzeptiert wird. Das würde ich dann sehr genau hinterfragen. Die Akzeptanz zeigt sich meist in kleinen alltäglichen Selbstverständlichkeiten: wenn das Kind von der Schule oder von Freunden erzählt, noch besser als wenn sich vielleicht sogar gemeinsame Interessen finden lassen.

Auch würde ich eine anfängliche Ablehnung, gerade vor dem Hintergrund möglicher Loyalitätskonflikte mit dem getrennten leiblichen Elternteil nicht vorschnell überbewerten. Wenn dieser Zustand anhält, kann oft eine Beratung helfen zu klären, um was es eigentlich geht und ob es wirlich eine tiefgehende Abneigung ist. Eine Beratung kann hier wirklich hilfreich sein, da es doch nur selten gelingt, die Paarbeziehung und die Elternschaft dazu praktisch abzukoppeln.

Autorin: Sabine Tannenberger
Quelle: www.hr-online.de
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