Hauptmenü

Buchtipps
Endlich Oma


Details...



Die Media-Markt-Lüge
 
Geschrieben von sylvie am Sonntag, 16. Januar 2005

Verbraucherinformationen "Immer weiter feste sparen", "Beste Marken, beste Preise", "Geiz ist geil", "Weit & breit das geilste Notebook“, "Kaufen, Marsch, Marsch!" – mit solchen Ohrwurm-Slogans wollen uns die Elektromärkte in ihre Megastores locken.
Sind wir also "nicht blöd", wenn wir wie die Lemminge zu Media Markt, Saturn & Co. laufen und kaufen?
Bekommen wir dort wirklich den besten Preis?

Nur selten sind die Produkte, die Media Markt und Saturn anbieten, günstiger. Obwohl es natürlich auch Schnäppchen gibt, unbenommen.

"Media Markt" und "Saturn" abgemahnt

Verbraucherzentrale kritisiert Werbekampagne

Mit einer gigantischen Werbekampagne feuerten Media Markt und Saturn ihre Rabattaktionen zum Jahresbeginn 2005 an. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat dabei jedoch deutlich erhöhte Preise entdeckt.

Die zum selben Konzern, der Metro Group, gehörenden Unternehmen hatten sich Anfang letzter Woche mit den Reizworten "Keine Mehrwertsteuer" und "Einkaufspreis" scheinbar eine Preisschlacht über die Werbung geliefert.

Nach Egbert Groote, Referatsleiter und Jurist beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, ist es "laut Wettbewerbsrecht unzulässig, mit besonderen Preisherabsetzungen zu werben, wenn tatsächlich keine oder nur unerhebliche Preissenkungen stattgefunden haben".

Das scheint nun gerade bei Media Markt der Fall gewesen zu sein. Dem Anschein nach hatten, das Silvesterwochenende ausnutzend, einige Märkte von Freitag auf Montag die Preise so weit erhöht, dass mit den beworbenen 16 Prozent Rabatt fast wieder der ursprüngliche Preis zustande kam. Der Verband listet in einer Pressemitteilung fünf Fälle detailliert auf, insgesamt will man über 30 Beschwerden erhalten haben.

So soll in Paderborn noch am 26. Dezember 2004 eine Digitalkamera für 289,- Euro per Sonntagszeitung beworben worden sein. Am 3. Januar 2005 war diese Kamera mit 349,- Euro ausgezeichnet - was mit dem "Rabatt" einen Preis von 293,16 Euro ergibt und damit sogar teurer als das erste Angebot ist.

Weitere Beispiele:
Media Markt Homburg: Ein Kunde hat am 28.12.2004 einen digitalen Camcorder (Canon MV 690) für 299 Euro gekauft. Am 3.1.2005 war dieser Camcorder mit 349 Euro ausgezeichnet. Am 29.12.2004 wurde ein DVD-Brenner für 111 Euro angeboten. Der Kunde stellte den Kauf wegen der Werbeaktion für den 3.1.2005 zurück. An diesem Tage wurde der DVD-Brenner für 129 Euro abzüglich Preisnachlass angeboten!

Media Markt Berlin-Gropiusstadt: Ein Kunde hat sich am 31.12.2004 über den Preis des Miele Staubsaugers S 4210 informiert. Er betrug 169 Euro. Er entschloss sich der Kunde zum Kauf des Staubsaugers. Im Markt stellte er am 3.1.2005 jedoch fest, dass der Staubsauger mit nunmehr 189 Euro ausgezeichnet war.

Mehrere Fälle wurden der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gemeldet.

So staunte ein Kunde, als er am 3. Januar 2005 eine Digitalkamera erwerben wollte, die er am 29. Dezember im gleichen Markt noch 70,- Euro günstiger ausgezeichnet (299,- statt nunmehr 369,- Euro) gesehen hatte. Der Kunde hatte bei seinem ersten Besuch am 29. Dezember 2004 ein Foto von dem Angebot gemacht und sprach darauf mit einem Verkäufer, der sich zum gleichen Thema bereits mit einem anderen Kunden unterhielt.
Der Verkäufer behauptete zunächst, die Preise wären normal, der Preis vom 29. Dezember wäre ein Vorweihnachtssonderpreis. Als der Verkäufer jedoch das Foto sah, bat er die beiden Kunden zur Seite und erklärte, die Kunden hätten ja dann vielleicht doch Recht.

Daraufhin erhielten die Kunden die Digitalkamera für 299,- Euro abzüglich 16 Prozent Rabatt. Der Verkäufer bat die Kunden, dies nicht weiter publik zu machen.

Dies deckt sich mit einer Beobachtung, die Golem.de am Montag in München machen konnte. An diesem Tag der Media-Markt-Aktion gaben auch in den Saturn-Märkten die Verkäufer mit der Bitte um Verschwiegenheit 16 Prozent Rabatt - aber natürlich nicht auf die zum angeblichen "Einkaufspreis" beworbenen Produkte.

Dazu sollen nach der Werbeaussage auch alle "CDs, DVDs und Games" (also Computer- und Videospiele) gehören. Insgesamt wurden diese nach einer neuen Preisliste ohne eigene Auszeichung auf den Produkten 20 Prozent billiger verkauft.
Dass ausgerechnet Medien bei Saturn günstiger sind, erklärt die Metro Group in ihrer Ausrichtung der Marke Saturn selbst: "Dabei sticht vor allem das große CD-Angebot mit ca. 60.000 Titeln hervor."

Es geht also offenbar darum, die Positionierung der Marken selbst zu stärken. Der Kunde soll glauben, bei MediaMarkt sei ständig alles günstig, Saturn dagegen der übliche Verdächtige für billige Medien und einzelne Aktionsware.

Dies kritisiert auch der Verband der Verbraucherzentralen:

"Allein durch fortwährende Almosen holen die Unternehmen die Ausgaben für ihre millionenschwere Werbung sicher nicht rein".

Oft, so der Verband weiter, gehe es den Handelsriesen um den Ausbau von Marktanteilen. Mehr Marktanteil bedeute gleichzeitig auch mehr Preismacht. Leidtragende sind vor allem die Klein- und Mittelständler. Am Ende könne sich weniger Wettbewerb auch zu Lasten der Verbraucher auswirken. Mit Sorge sieht der Verband die Gefahr eines ausschließlichen Preiswettbewerbs und fordert die Wiederbelebung des Wettbewerbs um Qualität und Service.

Trotz dieser doch recht durchsichtigen Kampagnen wurde das Angebot von den Kunden offenbar gut angenommen. Auch zur Mittagszeit und am Abend waren die Märkte in München und Berlin gut gefüllt, bei Saturn in bester Lage der Münchner Fußgängerzone bildeten sich Schlangen von gut 40 Metern Länge an den Kassen, in einem Münchner Media Markt wurden die Kunden wegen Überfüllung nur einzeln eingelassen. Auch im Saturn am Berliner Alexanderplatz musste man vor dem Laden anstehen, um hereinzukommen. Die Wartezeiten an den Kassen betrugen bis zu zweieinhalb Stunden.

Die Verkäufer unterhielten sich fröhlich über Zustände, die "besser als Weihnachten" seien.

Auch diese Rabattaktion der Media-Markt-Schwesterfirma Saturn traf auf Skepsis bei Verbraucherschützern. Die Handelskette, die den inzwischen viel kritisierten Slogan „Geiz ist geil“ bekannt gemacht hatte, warb damit, Artikel zum Einkaufspreis abzugeben.
Christian Fronczak vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) sagte, der Verband gehe Hinweisen nach, wonach Saturn viele Preise unmittelbar vor der Aktion angehoben habe. „Viele Verbraucher haben uns versichert, dass zahlreiche Preise kurze Zeit vor der Aktion niedriger gewesen seien.“ Der Verband prüfe eine Abmahnung gegen Saturn. „Im Übrigen sind Einkaufspreise ein gut gehütetes Geheimnis der Handelsunternehmen. Jeder kann behaupten, dieser oder jener Preis sei sein Einkaufspreis.“
Bereits im Sommer hatte Media Markt den Zorn von Verbraucherschützern und Abmahnvereinen auf sich gezogen. Bei einem Sieg der Fußball-Nationalelf bei der Europameisterschaft hatte das Unternehmen den Käufern von Fernsehgeräten die Rückerstattung des Kaufpreises versprochen. Die Aktion war vom Hamburger Verein für lauteren Wettbewerb erfolgreich abgemahnt worden. Das Landgericht Hamburg stufte die Aktion als Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz ein. Beim Media Markt waren während der Aktion vier Mal so viele Geräte verkauft worden als gewöhnlich.
Die gesamte Elektronik-Sparte von Metro hat im vergangenen Jahr allein in Deutschland 30 neue Märkte eröffnet. Im dritten Quartal war der Umsatz der Sparte, zu der auch Saturn gehört, trotz der Konjunkturflaute um 13,6 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro gestiegen. Die Ketten wollten das Expansionstempo 2005 im In- und Ausland beibehalten, sagte der Sprecher.

10.01.2005
Auf Anfrage zu einer Stellungnahme eines Preisvergleichs von www.fehlkonstruiert.de und dem Vorwurf der "systematischen Preishochzeichnung" bekam fehlkonstruiert.de von Media Markt folgende Information:

"1. Es gibt in Deutschland derzeit 197 Media Märkte. Jeder von ihnen führt ein Sortiment zwischen 30.000 und 40.000 Produkten. Ich kann also bei insgesamt sechs bis acht Millionen Produkten nicht gänzlich ausschließen, dass es im Einzelfall zu Fehlern gekommen ist. Grundsätzlich aber versichere ich Ihnen: Es hat im Vorfeld der Aktion "Heute zahlt Deutschland keine Mehrwertsteuer" vom 3. Januar keine systematische Preishochzeichnung gegeben.

2. Ihr Preisvergleich ist zu wenig transparent, als dass ich ihm im Detail kommentieren könnte. Grundsätzlich gilt: Media Markt bietet den günstigsten Preis aller stationären Händler vor Ort. Mit anderen Worten: Sie können selbstverständlich den Facheinzelhändler in Buxtehude nicht mit dem Media Markt in München vergleichen, da in dessen Preise die teuerere Miete, das teuerere Personal und die teuereren Steuern einfließen. Und: Wir wollen uns mit dem stationären Handel vergleichen, der wie wir ein Ladengeschäft betreibt, Menschen qualifiziert und beschäftigt, ausbildet, Steuern an seine Kommune abführt und Fachberatung für die vorführ- und damit testbereiten Produkte bietet. Nicht vergleichen wollen wir uns dagegen mit der sterilen Welt der Onlineshops, die nicht selten in Punkte Preistransparenz und Verfügbarkeit der Waren erhebliche Schwächen aufweisen."

Da gewinnt doch der Slogan aus Media Markts letzter Werbekampagne mit Oliver Pocher "Lass dich nicht verar***..." ganz neue Bedeutung.

Quellen: www.golem.de ; www.pcwelt.de ; www.faz.de; www.fehlkonstruiert.de ; www.vzbv.de
Login
Benutzername:

Passwort:



Einstellungen



Artikel Bewertung
Ergebnis: 5
Stimmen: 1


Bitte nimm Dir die Zeit und bewerte diesen Artikel:
Excellent
Sehr gut
Gut
Okay
Schlecht


Verwandte Links

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema Verbraucherinformationen:


die letzten 5 Artikel

Artikel-Archiv

Die Artikel sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren, alles andere © 2003 - 2008 by Alleinerziehend.info