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eine verspätete Nikolausgeschichte
 
Geschrieben von NINA83 am Donnerstag, 16. Dezember 2004

Märchen und schöne Geschichten Träume werden wahr....eine Nikolausgeschichte...®Nora Jane Winter

Dezember, wie in den letzten Jahren bedeutet das nur Stress.
Es ist der 3.Dezember , Luisa sitzt am Abend wieder mal vor ihrem PC und schlägt sich so den Abend um die Ohren. Mittlerweile sind mehrere mehr oder weniger bekannte Namen im Raum anwesend.
Luisa vergisst, wie es wirklich um sie steht.
Hinter ihr auf der Couch liegt ein Mann, den sie geheiratet hat, obwohl sie ihn nicht liebte.
Sie hatte einfach vor den Jahren den Glauben an die Liebe verloren und heiratete, aus Symphatie. Heute weiss sie jedoch, das es die Liebe sicherlich irgendwo gibt, aber an eine wirkliche Chance glaubt sie nicht.
Lieber einfach so weiterleben. als alleine. Sie streiten nicht mal miteinander, so das die Ehe auszuhalten ist. Es geht ihr materiell gesehen gut, nur die Gefühle, die hat sie schon seit Jahren vergraben.
Ihr grösstes Glück ist ihr kleiner Sohn, der aus dieser Ehe entstanden ist, in einer Ehe in der nur ein Nebeneinanderherleben möglich ist.
Doch im Grund weiss Luisa, das sie schon fast alleine lebt, denn ihr Mann kommt abends von der Arbeit und wie ein Ritual geht der Fernseher an und das war´s.
Etliche Gespräche, Versuche und Tricks änderten nie etwas an der Situation, so das Luisa, die Unterhaltung, die sie sucht, im Internet findet und wenn es auch nur geschriebene Worte sind.
Ihre Gedanken kreisen in ihrem Kopf..wäre es wirklich besser alleine ? Auch wenn viele sie nicht verstehen, weiss sie, das es für sie nicht einfacher wäre, weil sie Angst hat, Angst vorm Alleinesein, Angst vor dem kleinsten Geräusch. Wenn sie sich so auch nirgendwo ankuscheln kann, ihre Gefühle zeigen kann, so weiß sie doch, sie ist nicht allein.
Ihre Freundinnen können es nicht verstehen, das sie immer noch bei ihm ist, wo sie doch soviel vermisst, aber sie kann einfach nicht anders und wird durchhalten....
Der Chat geht weiter, immer mehr Leute betreten den Raum. Luisa ist witzig, unterhält sich mit den "Bekannten" die in Wirklichkeit Fremde sind, denn keiner hat ein Gesicht.
Aber es tut gut, zu wissen, hier bin ich nicht alleine, hier kann ich lustig sein, einfach das Gefühl unter Freunden zu sein, das ist es, was sie braucht.
Viele hat sie in den letzten Jahren kommen und gehen sehen, einige haben ihr Glück im Internet gefunden, andere haben es plötzlich "draussen" entdeckt, doch sie glaubt nicht, das es für sie zu finden ist, denn wer mag sich schon mit einer Frau in solch einer Situation einlassen ?
Sicher ist sie es selber schuld, aber wer sieht schon weiter ? Dann lieber auf stur schalten und keine Nähe zulassen, denn ist man verheiratet, ist man für viele gleich ein rotes Tuch, sie merkt, wenn die Männer die "Tugend" Sturheit vorschieben und das Herz verschliessen.
Doch diese Samstag Nacht ist anders. Da ist jemand, der ihr Herz berührt hat, er schreibt die Worte, die sie denkt, er hört die Musik, die sie hört, doch er ist "stur", wie sie es sich gedacht hatte und doch ist da ihr Gefühl, das Herz, das leise klopft, die Hoffnung, die sich wie wärmende Flüssigkeit ergiesst, aber Luisa lässt sich nichts anmerken.
Zu gross ist die Angst, das sie die Freundschaft, oder was auch immer sie fühlt, sie weiss es ja selber nichtmal, verlieren könnte.
Jedesmal, wenn er ihr was schreibt, schlägt ihr Herz bis zum Hals, doch die Angst, sich zu offenbaren ist so gross, weil es sein kann, das er dann aus ihrem Internet-Leben verschwinden könnte, aus Angst vor dem was kommen kann.
Liebe ? Was ist Liebe fragt sie sich oft, wenn sie nachdenkt. Ihre Antwort weiss sie ganz genau, denn Liebe ist nicht nur ihr Traum, einfach Geben, glücklich machen, miteinander Freude teilen, lachen. Albern sein und still geniessen... tausend Gedanken hat sie dazu, wird sie jemals glücklich sein ?
An schlafen ist in dieser Samstag nacht nicht zu denken, solange er da ist, will sie einfach nicht schlafen gehen. Zu gut tun ihr die geschriebenen Worte, sie sitzt am PC und ihre Augen saugen die Worte auf, die im Chat geschrieben stehen.
An manchen Tagen telt sie mit ihm, merkt aber, das er oft versucht, Gesprächen aus den Weg zu gehen, ihre Emails blieben unbeantwortet, immer schrieb er, er hat keine Zeit zum Antworten, aber wird es nachholen, doch sie weiss, das die Antwort niemals kommen wird.
Mit diesen Gedanken sitzt sie an diesem Abend am PC und unterhält sich immer weiter mit ihm, es geht um Belanglosigkeiten, sie versucht mehr aus ihm rauszubekommen. Das was zwischen den Zeilen steht, bildet sie sich sicher nur ein,
da ist ein Gefühl von Harmonie, von Vertrautheit, aber das darf nicht sein, sie will ihn nicht als Freund verlieren. So hält sie alles oberflächlich, denn dann läuft er nicht weg, das wäre zu schlimm für sie.
Das Gefühl jemanden kennenglernt zu haben, der einen versteht, der so denkt, wie man selber, das ist einfach nur unglaublich, aber die Angst, diesen Menschen zu verlieren, bevor sie ihn kennengelernt hat, lastet wie eine Last auf ihrem Herzen.
Wie weit kann sie gehen, ohne das er Angst bekommt, sich verschliesst ?
Diese Gedanken gehen ihr die ganze Nacht noch durch den Kopf. Wie kann sowas passieren, wieso siegt die Angst ?
Am nächsten Tag wacht sie auf und nachdem sie ihre Hausarbeit erledigt hat, macht sie den PC an, vielleicht ist er ja online. Ja, er ist da, aber es kommt kein Tele, wie so oft.
Luisa traut sich nicht, ihm ein Tele zu schicken, kommt sich dumm und aufdringlich vor. Er könnte weglaufen, er könnte auf stur schalten, er könnte sagen: Pass auf, Du bist zwar nett, aber mehr kann und will ich mir nicht vorstellen.
All diese Ängste sind in Luisa.
Wie schön wäre es, sich einfach mal fallenzulassen und zu schreiben, was man denkt, aber Luisa hört auf ihren Kopf und telt ihn nicht an. Sie liest ihre Mails, unterhälst sich mit verschiedenen Leuten, die sie kennt und lenkt sich ab.
Am Nachmittag geht sie mit ihrem Sohn auf den Weihnachtsmarkt, dann zur Nikolausfeier und so denkt sie kaum noch an das Internet.
In der Realität kann man sich so gut einreden, das die ganzen Gefühle nur Schein sind, denn das Internet ist so ein bisschen die Traumwelt und dorthin flüchtet Luisa.
Auch wenn sie eigentlich ein sehr realistischer Mensch ist, die Hoffnung lebt auch in ihr, aber in diesem Fall sollte sie wohl auf den Kopf hören.
Nachdem die Kinder ihre Nikolaussäcke erhielten, fährt Luisa nach Hause, den Abend über spielt sie mit ihrem Sohn, bis es Zeit zum Schlafen gehen ist.
Luisa bringt ihren Sohn ins Bett und wie jeden Abend, sucht sie im Internet Wärme, Gespräche und Unterhaltung.
Den ganzen Abend sieht und hört sie nichts von ihm, aber das ist nichts neues, denn Luisa weiss, wenn sie ihm wieder über den Weg laufen wird, dann wird es wieder so sein, da ist jemand, der genauso denkt wie sie, der gefühlvoll ist und einfach ihre Gedanken klaut.
Aber niemals wird sie aufdringleich sein wollen, denn dann wird er weggehen und sie traurig zurückbleiben.
In dieser Nacht fasst sie sich ein Herz und allen Mut zusammen, sie tippt einfach drauflos:
Auch wenn ich nicht frei bin, bin ich allein.
Akzeptier jedoch auch ein Nein.
Doch ich weiss, das es Dir nicht anders geht,
ich möchte nicht, das noch mehr Zeit vergeht.
Bitte hör mir einfach zu, denn vielleicht denke
ich, wie Du.
Lauf bitte nicht weg vor mir,
möchte soviel wissen von Dir....
Voller Angst schickte sie die Email ab und ging schlafen. In dieser Nacht fand sie kaum Ruhe, denn sie wusste nicht, ob sie dadurch alles verschlimmert hatte, vielleicht würde er niemals wieder schreiben oder mit ihr reden, aber das Risiko ging sie ein, denn wie sollte sie ihn sonst kennenlernen, wenn sie nicht den Mut fasste ?
Der 06.12. war der Nikolaustag, wie erwartet, hatte er die Email gelesen, aber es gab keine Antwort. Den ganzen Tag wartete sie, aber bis am Abend kam nichts, so das sie enttäuscht den PC ausmachte und leise Tränen in ihr hochstiegen.
Was hatte sie sich denn erhofft ? Das er schrieb, mir geht es genau wie Dir ?
Wie albern muss eine Frau sein, schimpfte sie innerlich mit sich.
Er wird über mich lachen, es nicht verstehen.
Warum hat er vorher nie auf meine Mails geantwortet ?
Weil ich ihn nicht berührt habe, sagte ihr eine innere Stimme.
Doch die Hoffnung wuchs trotzdem und so machte sie den PC wieder an, doch wieder war da nichts.
So verging der Abend und es wurde Zeit, das sie in die Realität zurückfand.
Plötzlich kam eine SMS....ich bin online, möchte mit Dir reden....
Das kann nicht wahr sein, jetzt bekommst Du Deine Abfuhr. Mit zitternden Händen wählte sie sich ein, voller Angst, vor dem was passiert.
In ihrer Buddyliste sah sie ihn, aber sie wagte nicht , ihm zu schreiben.
Plötzlich ging das Tele auf: ICh mag Dich sehr, hab Angst vor mehr, auch mir wurde das Herz gebrochen.
So fing ein Tele an, das Stunden dauerte. Luisa glaubte nicht, das er plötzlich über seine Gefühle redete, ihr sagte, das auch er ein Gefühl hatte.
Mit funkelnden Augen sass sie vor dem PC und glaubte, sie träumte.
Luisa erkannte an diesem Abend, das sie ihn tief in ihr Herz geschlossen hatte, doch war da auch die Angst, das diese Distanz wiederkommen wird, das er sich verschliesst, vor ihr weglaufen könnte.
Luisatraute sich jedoch nicht, ihre Gefühle zu beschreiben, aus lauter Angst, abgewiesen zu werden.
Sie erzählte, das sie am nächsten Tag einen Weihnachtsmarktbummel machen möchte, alles oberflächliche, aus Angst, verletzt zu werden.
Spät in der Nacht, schloss sie das Tele und ging mit den Gedanken ins Bett, das es jemanden gibt, mit dem sie sich blind versteht.
In dieser Nacht kommt der Nikolaus, denkt sie noch, ehe sie sich in ihr Kissen kuschelt.
Natürlich hat der Mann, der sich Ehemann nennt nicht an Nikolaus gedacht.
Als er auf der Arbeit ist und Luisa ihren Sohn zur Schule gebracht hat, macht sie sich für einen schönen Tag zurecht, der nur ihr gehört.
Sie geht zum Weihnachtsmarkt, bummelt hier und da, trifft Bekannte.
Plötzlich, am Glühweinstand, hat sie ein seltsames Gefühl im Bauch, sie dreht sich um und glaubt ihren Augen nicht zu trauen, da steht er und grinst sie an, plötzlich glaubt Luisa wieder an den Weihnachtsmann.
Mit unsicheren Schritten geht sie auf ihn zu, tausend Gedanken im Kopf.
Als sie vor ihm steht, wird ihr klar, das es genau das ist, was sie seit Jahren vermisst, da ist soviel Wärme und Gefühl.
An diesem Abend weiss Luisa, das sie richtig gehandelt hat, als sie ihm die Mail schickte, denn sie weiss nun, das es die innere Stimme gibt und das sie es wert ist, auf sie zu hören.

Innerhalb von 6 Monaten hatte sie sich von ihren Mann getrennt.

In den Jahren, die seitdem vergangen sind, haben beide gelernt, das man manchmal einfach auf sein Gefühl hören sollte und jedes Jahr an Nikolaus,ist der Glühweinstand das erste Ziel....

Was wäre passiert, hätte Luisa sich nicht getraut ???

Manchmal werden Träume wahr und manchmal bleiben sie nur Schäume.
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