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die einsame eiche
 
Geschrieben von mueckenjuwel am Dienstag, 06. Juli 2004

Schöne Geschichten zum Nachdenken wie lange stehe ich nun schon in diesem wunderschönen garten, mit den rosenhecken und den wildwuchernden blumen? an meinen baumringen könnte man es erkennen ..., aber wer macht sich schon die mühe sie zu zählen, nur damit ich erfahre, wie alt ich bin?`
der aufziehende wind blies die gedanken der eiche davon und brachte ihre noch volle blätterpracht zum rauschen. sie wechselte ein paar worte mit ihm und ließ das eine und andere blatt mit ihm ziehen.
`einsamkeit bin ich gewohnt! des öfteren besucht mich ein vögelchen, verweilt jedoch nicht lang und fliegt davon!
wie mag es wohl dort draußen sein? ich werde es nie erfahren!` dachte sie.


den garten umzäunte ein hohe mauer, welche sie nicht überblicken konnte.
plötzlich vernahm sie ein piepsig, leises stimmchen und schaute umher. wo kam sie nur her, so kindlich, zart und fein?
„hier unten bin ich!“
„wo, hier unten? wer bist du?“ ,fragte die eiche nun.
„du kannst mich kaum sehen ... und ich weiß nicht, wie man mich nennt!“, erwiderte das stimmchen nun traurig, „ein rankengewächs oder ähnliches.“
die eiche wurde durch den erneut aufbrausenden wind geschüttelt und sortierte ihr blätterlaub, bevor sie sich wieder der stimme zuwand.
„bist du noch da?“
„ja“, gab das stimmchen zur antwort, „aber ich kann mich hier unten, frei herumliegend, kaum halten. der wind scheint mich davonpusten zu wollen. dabei habe ich doch niemanden mehr und möchte nicht mehr durch die lüfte schweben.“
„komm zu mir“, gab die eiche dem stimmchen zu verstehen, „und halte dich an meinem stamme fest.“
das rankengewächs berichtete der eiche, wo es herkam, dass es seine eltern verloren habe und sich schrecklich einsam fühle.
„ja“, sagte die eiche, „einsamkeit ist mir ein begriff, obwohl ich einige gäste zu besuch bekomme!“
das gewächs fühlte sich in der nähe der eiche sehr wohl und bat um aufenthalt bei ihr. sei es erwachsen, würde es gerne hinter die mauern schauen, um die welt zu erkundschaften.
die eiche überlegt kurz und willigte ein.

tag um tag erzählte die eiche dem gewächs ihre erfahrungen und ihre lebensgeschichte. es hörte aufmerksam zu und konnte gar nicht genug bekommen.
es vergingen tage, wochen, monate und einige jahre, bis der eiche die geschichten ausgingen und sie müde vom erzählen wurde.
„ich glaube, deine zeit ist gekommen, kleines gewächs!“, sagte die eiche. „du bist nun erwachsen und kannst davonziehen! du brauchst mich nicht mehr. ich habe dich beschützt und dich gelehrt. mehr kann ich nicht für dich tun.“
„ich möchte aber nicht von dir gehen! ich bin dir so nah und ich habe dich gern!“
die hängenden blätter des gewächses stimmten die eiche vorerst um.

eine elster gesellte sich auf einen der Äste und unterhielt sich mit der eiche.
„eiche? eiche, warum verstehe ich die sprache zwischen der elster und dir nicht?“, fragte das gewächs neugierig.
„blumen, bäume, tiere und menschen ... sie alle sprechen unterschiedliche sprachen. obwohl sich alle untereinander fremd sind, können sie trotzdem miteinander kommunizieren! man muss sich nicht immer nur mit der gleicher gattung unterhalten. auch da kann es zu schwierigkeiten kommen, obwohl man die gleiche sprache spricht!“, antwortete die eiche matt und wandte sich wieder der elster zu.
„liebe eiche! ich komme dich des öfteren besuchen und mir fällt auf, dass du tag für tag schlechter aussiehst!“, zwitscherte die elster.
ihre blätter hingen trostlos an den Ästen und seit ein paar jahren wollten kaum neue sprießen.
„ich weiß!“, sagte die eiche traurig, „ich habe kaum luft zum atmen und ich fühle mich erschöpft!“
bevor sich die elster in die lüfte erhob, krähte sie: „lasse dich nicht erdrücken, liebe eiche! jeder benötigt freiraum!“

die eiche schaute an sich herunter ... und da wurde es ihr schlagartig klar! das gewächs erdrückte sie und nahm ihr die luft zum atmen. es war nicht mehr das kleine, hilflose gewächs – es wucherte an ihr hoch und besetzte jeden millimeter ihres stammes.
schwach sagte sie: „du musst gehen! du machst mich mit deiner liebe zu mir kaputt!“
leicht zornig erwidert das gewächs: „ich bleibe!“
die eiche war zu kraftlos, um handeln zu können.
sie sah, wie das gewächs gedeihte und hoffte auf fremde hilfe.

eines tages vernahm sie menschenstimmen.
„schau dir mal den baum an! ob er noch zu retten ist?“
die eiche blickte auf und bemerkte, wie das gewächs zu zittern begann.
„wenn wir das komische gestrüpp entfernen, könnte er sich noch erholen!“
„eiche, was machen die jetzt mit uns?“, fragte das gewächs voller angst.
„sie befreien mich von dir! du hast mich mit deiner nähe fast zu tode erdrückt. du hättest gehen sollen, als ich es dir sagte – es wäre uns beiden einiges erspart geblieben! mach es gut und danke für die zeit mit dir.“
die menschen begannen, das `unkraut` abzureißen.
sie legte ihre blätter an, um das wimmern und schreien des gewächses nicht in voller grausamkeit wahrnehmen zu müssen.
sie brauchte viel zeit, um sich zu erholen.

einige jahre später vernahm sie eine wimmernde stimme ... und stellte sich stumm.


(gefunden im net)
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