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Frauen sorgen oft zu spät und zu wenig vor
 
Geschrieben von onedaydie am Donnerstag, 01. März 2007

Märchen und schöne Geschichten

Es war am Rande irgendeines Handwerkkongresses. Und eigentlich ging es um  .........


Steuern. Aber dann sprach ein Referent die Lebenssituation sogenannter mitarbeitender Ehefrauen im Alter an - und ein Raunen ging durch den Saal. Sie konnte spüren, erinnert sich Brigitte Kreisinger, Präsidentin der baden-württembergischen Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH), wie die Frauen um sie herum die Luft anhielten. „Wir haben uns angesehen und wußten sofort: Das Thema betrifft uns alle - aber wie genau, das hätte wohl keine in diesem Moment sagen können.“


Frauen und Altersvorsorge - ein schwieriges Kapitel, weiß auch Helma Sick. Seit fast 20 Jahren berät Sick in München Frauen in puncto Geldanlage und Rente. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Finanzfachfrauen, die seit 1988 spezifische Beratungen für Frauen anbieten. An ihrem Arbeitsalltag hat sich in dieser Zeit jedoch wenig geändert. „Die Frauen, die zu mir kommen“, berichtet sie, „geben zumeist offen zu, daß sie von dem Thema keine Ahnung haben.“ Und schlimmer noch: Viele haben nicht einmal eine vage Vorstellung davon, wie viel - oder wenig - Geld ihnen im Alter zur Verfügung steht (siehe auch: Interview mit einer Finanzberaterin für Frauen).


Frauen legen nur 45 Euro im Monat zurück


Verstehen kann Sick das nicht. Denn Altersarmut in Deutschland ist auch heute noch vor allem weiblich. Im Jahr 2004 erhielten Frauen in Deutschland im Schnitt 520 Euro aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Männer hingegen 982 Euro. Auch bei den betrieblichen Zusatzrenten und privaten Absicherungen sieht es nicht besser aus. Bei der Allianz Leben beispielsweise, einem der drei größten Anbieter privater Altersvorsorge, lauten auch im Jahr 2006 63 Prozent der von Betrieben abgeschlossenen Versicherungen auf Männer. Bei den privaten Verträgen, sagt Sprecher Timo Scheil, sei die Differenz zwar etwas geringer, aber auch da sei sie noch sehr deutlich. 42 Prozent aller Frauen haben überhaupt keine Vorsorge fürs Alter getroffen, weist eine Studie der Kölner Psychonomics AG auf.


Doch immerhin: Frauen, die zu Sick oder ihren Kolleginnen kommen, sehen Handlungsbedarf. Ergab noch im Jahr 2002 eine in Zusammenarbeit mit Infratest durchgeführte Studie des Finanzdienstleisters Delta Lloyd, daß 60 Prozent aller Frauen hinsichtlich ihrer Altersvorsorge eher sorglos in die Zukunft blicken, so zeichnete drei Jahre später eine von der Zeitschrift „Freundin“ in Auftrag gegebene Emnid-Studie ein deutlich anderes Bild. Demnach ist finanzielle Absicherung im Alter für über 65 Prozent der 1.000 befragten Frauen zwischen 20 und 60 Jahren das Top-Thema. Allein - an der Umsetzung mangelt es.


Während Männer im Mittel monatlich 61 Euro fürs Alter zurücklegen, waren es laut Psychonomics-Kundenmonitor bei den Frauen nur 45 Euro. Das sei viel zuwenig, um die gesetzlichen Rente ausreichend aufzubessern, betont Svea Kuschel, eine Finanzberaterin für Frauen, die wie Sick in München ansässig ist. Denn um beispielsweise mit 60 Jahren eine lebenslange Zusatzrente von 1.000 Euro im Monat beziehen zu können, benötigt „frau“ einen angesparten Betrag von rund 220.000 Euro. Dies würde schon bei 40 Beitragsjahren eine monatliche Rate von 140 Euro voraussetzen. Kaum eine Frau, so Kuschel, bekommt aber so viele Ansparjahre zusammen. Denn zum einen setzen sich gerade Frauen ungern mit dem Alter auseinander - und fangen darum oft zu spät mit dem Sparen an. Zum anderen haben viele jahrelang kein eigenes Einkommen, weil sie sich daheim um die Kinder kümmern.


Die Probleme beginnen mit der Scheidung


Gerade verheiratete Frauen, sagt Kuschel, gingen oft geradezu fahrlässig mit ihrer eigenständigen Alterssicherung um. Sie geben die Verantwortung an ihren Partner ab. So stimmten in einer Umfrage nur 30 Prozent der alleinstehen Frauen zwischen 18 und 59 Jahren der Aussage zu, genügend Vorsorge fürs Alter getroffen zu haben. Bei den verheirateten Frauen waren es 51 Prozent - doch wurden von ihnen auch die Policen als Sicherheit betrachtet, die eigentlich auf den Mann abgeschlossen sind.


Das ist eine Betrachtungsweise, die vor allem von männlichen Finanzexperten unterstützt wird. Betrachte man das Familieneinkommen, sagt zum Beispiel Bernd Katzenstein, Sprecher des von der Deutschen Bank getragenen Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), seien verheiratete Frauen tatsächlich relativ gut abgesichert. Kuschel hält das hingegen für einen Irrglauben: Denn jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden, in Großstädten sogar jede zweite. Dann hat die Frau zwar Anspruch auf die Hälfte des in der Ehe angesammelten Deckungskapitals. „Aber nur der Mann kommt in den Genuß einer lebenslangen steuerbegünstigten Rente“, sagt sie.


„Blondes Mädchen findet vermögenden Mann“


Bei einer Versicherungsform liegen die Frauen im Jahr 2006 allerdings vorn: bei der Riester-Rente. Um die Zuschüsse des Staates kassieren zu können, erläutert Jörg Schorr, Leiter „Vorsorge und Versicherungen“ bei der Hypo-Vereinsbank, müssen Frauen zumindest den gesetzlichen Mindestbeitrag einzahlen. Aber das sei nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Acht Prozent des Bruttoeinkommens oder mindestens 250 bis 300 Euro monatlich müßten gespart werden, um den gewohnten Standard im Alter halten zu können, sagt Schorr.


Die Gründe, warum gerade Frauen sich mit dem Thema Altersvorsorge so schwer tun, sind vielfältig. Zum einen seien sie schlicht historisch begründet, sagt Beraterin Sick. Noch bis 1953 ging Vermögen der Frau bei der Heirat automatisch in den Besitz des Mannes über, noch bis 1977 konnten Ehefrauen in Deutschland nur mit Zustimmung ihres Mannes arbeiten und nicht einmal eigenständig ein Konto eröffnen. Die Folge: Bis heute hätten viele Frauen sich noch nicht von der Vorstellung gelöst, daß irgendwann ein Prinz komme, der alle Geldprobleme löse, bedauert Sick. Gerade in jüngster Zeit werde diese Vorstellung wieder genährt, hat sie beobachtet, frei nach dem Motto: „Mädchen, blond, jung und lieb, findet Mann, älter, beruflich erfolgreich und vermögend.“


Ökofonds sind bei Frauen beliebt


Oft sind es auch emotionale Gründe, die Frauen in Geldfragen mental blockieren. Beraterinnen wie Birgit Prange in Kiel oder Ulrike Müller in Bremen bieten daher neben der reinen Finanzberatung noch ein vorgeschaltetes Finanz-„Coaching“ an. In bis zu zehn Sitzungen wird dann wenig über Geld, aber um so mehr über die Gefühle gesprochen, die damit verbunden sind. Bei Schulden beispielsweise geht es oft nicht darum, daß „frau“ die wirtschaftlichen Zwänge nicht versteht, sondern daß sie Schuldgefühle oder Scham überwinden muß. Und auch Erbschaften werden von Frauen mitunter nur deswegen nicht richtig zur eigenen Altersvorsorge eingesetzt, weil es noch ungelöste Konflikte mit dem Erblasser gibt.


In herkömmlichen Anlagegesprächen bei Banken oder mit Versicherungsvertretern, sagt Expertin Prange, ginge es zumeist nur um Rendite. Anders als Männer, weiß Prange, sehen Frauen Geldgeschäfte aber nicht abstrakt, sondern wollen einen Bezug zu ihrer Situation oder dem Sinn der Geldanlage herstellen. Auch aus diesem Grund sind bei Frauen gerade Ökofonds beliebt.


Auch wenn Gefühle in Beratungsgesprächen mit Frauen eine große Rolle spielten, betonen alle Finanzfachfrauen, bedeute dies nicht, daß es am Ende nicht doch ganz konkret um Zahlen gehe. Vier Fragen sind es, die dann beantwortet werden müssen: Wie gut ist die Absicherung in der gesetzlichen Rente? Wie lange will und kann „frau“ noch zahlen? Wie gesund ist sie? Und wieviel Geld muß sie im Alter zur Verfügung haben? Für viele ihrer Kundinnen sei das wirklich ein Aha-Erlebnis, berichtet Sick. „Oft auch ein Schock“, sagt Kuschel. Aber meistens auch heilsam.

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