"In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei. ZwischenMehl und Milch macht so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei", das
singt Rolf Zuckowski in seinem Kinderlied. Und Recht hat er.
In der Adventszeit bleiben auch Karrierefrauen nicht von
weihnachtlicher Romantik verschont. In Frauenzeitschriften stolpern sie
über Artikel wie "easy selberbacken" oder "Weihnachtsplätzchen, so
einfach wie noch nie". Und plötzlich hat frau ein anheimelndes Bild vor
Augen, wie sie mit ihren Kindern gemeinsam vor dem offenen Kamin
Plätzchenteig knetet und Kekse aussticht. Im Hintergrund singt Bing
Crosby Weihnachtslieder und ans Fenster klopft der Weihnachtsmann
höchstpersönlich.
Diese Wunschvorstellung veranlasst so manche,
den Traum in die Realität umzusetzen. Die backunerfahrene Frau von
heute druckt sich also ein Plätzchenrezept aus dem Internet aus oder
schnippelt in ihrer Zeitschrift herum. Natürlich wählt sie nicht das
allereinfachste Rezept, wäre doch gelacht - backen kann doch nicht so
schwer sein!
Zu Hause zerrt sie mit sanfter Gewalt die
unmotivierten Kinder vom Fernseher weg und zwingt sie am Küchentisch
zuzusehen, wie Mami in der zehn Quadratmeter kleinen Küche beginnt, den
Kampf Mehl-mit-Butter-und-Ei-vermengen aufzunehmen. Spätestens bei der
Ei-Zugabe ist das erste Malheur passiert: Das Ei flüchtet der Mutter
zwischen den Fingern Richtung Boden und Mami entfleuchen die ersten
Schimpfworte. Das ist natürlich ärgerlich, hat sie doch nur genau so
viele Eier eingekauft, wie laut Rezept benötigt werden. Das positive an
der Geschichte: Die Kinder beginnen sich zu amüsieren. Um ihrer
wachsenden Freude an der weihnachtlichen Bäckerei Ausdruck zu
verleihen, beginnen sie enthusiastisch Mehl zu pusten. Und weil es so
lustig ist, greifen die Kids mit vollen Patschhändchen in den Mehltopf
und werfen es Mutti ins Gesicht. Diese wird nicht nur wegen dem
Mehlstaub im Gesicht blass.
Aber Mama kann sich durchbeißen und
lässt sich die Weihnachtsstimmung nicht verderben. Der Teig ist, selbst
zu ihrer eigenen Überraschung, tatsächlich eine teigähnliche Substanz
geworden. Nun beginnt sie den Teig auszurollen. Wäre sie nun eine
erfahrene Hausfrau, wüsste sie, dass man Mehl unter den Teig geben
muss, damit er nicht anklebt. Aber leider ist sie keine erfahrene
Hausfrau und somit pappt die Pampe am Küchentisch und an ihren Fingern
fest. Sie muss also kurz die Küche und die Kinder verlassen, um sich im
Badezimmer zu reinigen.
Als sie nach fünf Minuten wieder in die
Küche kommt, könnte sie fast wetten, der Teigklumpen wäre größer
gewesen, als sie die Küche verlassen hatte. Egal, tapfer bäckt sie
weiter. Nun kommt nämlich die Hauptattraktion des Plätzchenbackens: das
Ausstechen. Zu Beginn macht es den Kindern auch noch wirklich Spaß.
Aber dieser wehrt nicht lange. Außerdem haben sie nicht verstanden,
dass es so etwas wie "ökonomisches Kekseausstechen" gibt und sie
produzieren Ausschussware hoch drei. Da sich auch noch ständig quengeln
verweist Mutter sie der Küche.
Nun hat die bemühte Frau die
Küche, die mittlerweile einem Schlachtfeld ähnelt, für sich alleine.
Sie legt "X-Mas Hits" ein und schiebt das erste Blech voll stolz in den
Backofen. Während die, mit etwas Phantasie erkennbaren, Zimtsterne im
Rohr vor sich hinbacken macht sich die ambitionierte
Gelegenheitshausfrau ans zweite Blech. Plötzlich guckt ein Kind, das
leicht grün um die Nase ist, durch den Türspalt. "Mami, mir ist soo
schlecht," kann es gerade noch mit der Hand vor dem Mund sagen, bevor
es sich im Vorzimmer übergibt. Die fürsorgliche Mutter verlässt sofort
ihren Küchentisch und beseitigt das Erbrochene - zu ihrer Überraschung
klärt sich jetzt, wo der restliche Teig geblieben ist.
Nachdem
Kind und Boden gereinigt sind, kann sie gerade noch die Küche vor Feuer
retten, denn die Kekse im Rohr verströmen leider keinen Weihnachtsduft,
sondern Brandgeruch. Beim Herausnehmen aus dem Backofen verbrennt sich
die bemitleidenswerte Frau gleich noch die Hand, als sie diese unterm
Wasser kühlt, bleibt die Weihnachts-CD bei "Last Christmas" hängen und
Mutti beginnt zu weinen.
Am nächsten Tag geht sie flotten
Schrittes mit einer tief ins Gesicht gezogenen Mütze in die Konditorei
gegenüber, kauft für viel Geld ein buntes Sortiment aus Mandelmakronen,
kunstvollem Schwarz-Weiß-Gebäck, Baiser-Krönchen und Lebkuchenmännchen
und verkündet stolz bei der Familienfeier: "Ja, dieses Jahr haben die
Kinder und ich mal richtig schön miteinander Kekse gebacken. War gar
nicht so schwierig."
Quelle: GMX

