Frankfurt am Main - Im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter
spielt die betriebliche Vorsorge für das Alter eine immer wichtigere
Rolle. Das hat eine gemeinsame Umfrage der US-amerikanischen
Handelskammer in Deutschland und der Investmentfondsgesellschaft
Fidelity ergeben. Für 82 Prozent der befragten 102 deutschen und
amerikanischen Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 25 Millionen bis
250 Millionen Euro sei die betriebliche Vorsorge sogar der
entscheidende Faktor im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte.
"Nachvollziehbare
Rahmenbedingungen, individuelle Wahlmöglichkeiten und renditestarke
Anlagekonzepte sind die Kernelemente, die betriebliche Vorsorgemodelle
für Mitarbeiter attraktiv machen", erklärte jetzt Klaus Mössle,
Geschäftsführer der Fidelity Investment Management GmbH, bei der
Vorstellung der Umfrage in Frankfurt.
Das Rollenverständnis von
Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge sei
im Umbruch. Nach Ansicht der befragten Unternehmen sollten die
Arbeitskräfte immer eigenverantwortlicher über die Schließung der
Rentenlücke durch die betriebliche Alterversorgung entscheiden. Nunmehr
12 Prozent der befragten Gesellschaften sehen der Umfrage zufolge die
betriebliche Altersvorsorge als ihre originäre Aufgabe an. Die übrigen
Unternehmen votieren dagegen für eine veränderte Aufgabenverteilung
zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei der betrieblichen
Altersvorsorge.
Anlageoptionen: Angestellte seien oft überfordert
"Das
ist Ausdruck der sich verändernden unternehmenspolitischen Leitlinien
in den Unternehmen", sagte Reiner Schwinger, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender von Personalberatungsagentur Rauser Towers
Perrin. Früher habe der Fürsorgegedanke im Kruppschen Sinne dominiert,
heute sei die betriebliche Rente ein Geldbestandteil der Vergütung. Für
die Mehrheit (56 Prozent) der befragten Gesellschaften stehe denn auch
fest, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer ihren Teil zu
leisten hätten.
Dabei sehe sich der überwiegende Teil (74
Prozent) als Bereitsteller eines attraktiven Konzepts und einer
ausreichenden Informationsgrundlage, so dass die Arbeitskraft sinnvoll
eine eigenverantwortliche Entscheidung treffen und Chancen und Risiken
der Kapitalanlage übernehmen könne.
Allerdings hat die Umfrage
auch ergeben, dass knapp die Mehrheit der Unternehmen (52 Prozent)
ihren Mitarbeitern in der Breite nicht zutraue, zwischen den
verschiedenen Anlagemöglichkeiten eine angemessene
Ertrags-Risiko-Mischung zu wählen. Nach Ansicht von Mössle müssten sich
beide Seiten bewegen: "Der Arbeitnehmer muss mehr Eigenverantwortung
übernehmen und der Arbeitgeber mehr Informationen bereitstellen."
Am liebsten auslagern
Die
bei dem bisherigen Modell weitgehend übliche Übernahme des
Renditerisikos beispielsweise durch die Garantie einer
Mindestverzinsung sehen laut Umfrage nunmehr 26 Prozent der Unternehmer
als ihre Aufgabe. 80 Prozent der Unternehmen gehen noch einen Schritt
weiter. Ihrer Ansicht nach soll der Arbeitgeber die Administration
eines Vorsorgemodells einschließlich der Mitarbeiterinformation an
externe Anbieter abgeben.
Darin spiegelt sich die Kritik an der
betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland. 80 Prozent der befragten
Unternehmen halten die Vorsorge für zu kompliziert. "In Deutschland
herrscht Vorsorgewildwuchs im Rentensystem, der im Ausland nicht
nachvollziehbar ist", erklärte Dierk Müller, Geschäftsführer der
US-Handelskammer. Es sei an der Zeit, die betriebliche Altersvorsorge
mit praktikablen Lösungen nachhaltiger und besser als bisher zu
vermitteln, sowie mit vereinfachten steuerlichen Regeln für mehr
Klarheit und Akzeptanz bei den Vorsorgenden zu sorgen.
Quelle: gmx
