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Chef-Sache - Lügen-Parade
 
Geschrieben von sylvie am Donnerstag, 17. November 2005

Verbraucherinformationen Leere Versprechungen sind vielen Arbeitnehmern bekannt. Chefs bedienen
sich manchmal – von Beschönigungen bis zur handfesten Unwahrheit –
zweckdienlicher Mittel, um ihre Mitarbeiter dorthin zu kriegen, wo sie
es wollen.

Kleine Unwahrheiten machen dem Boss das Leben leichter. Meist ist
der Aufstieg in die Chefetage an der Verwandlung zum Münchhausen in spe
schuld: Wer immer ehrlich ist und Schwächen eingesteht, kommt selten
voran. Mit den Tipps von Martin Wehrle können Sie die Lügen Ihres Chefs
enttarnen und die Schwindeleien für Ihre Zwecke nutzen.

Lüge Nr. 1: Offenheit

Sie
wissen etwas Vertrauliches über einen Kollegen, das Ihren Boss zwar
nichts angeht, aber interessiert? Nach dem Motto "Sprechen Sie offen –
ich behalt's für mich!" spielt der Chef Ihnen den vertrauensvollen
Gesprächspartner vor. Dabei versteckt sich hier die erste Chef-Lüge.

Die Absicht:
Ihre Lippen sollen geöffnet, Ihre Skrupel zerstreut werden. Vielleicht
will Ihr Chef Auskünfte über einen Mitarbeiter, mit dem er
arbeitsrechtlichen Ärger hat. Durch das Schweigeversprechen scheinen
Sie auf der sicheren Seite.

Die Wahrheit: Ein Chef wird
dafür bezahlt, dass er Schaden von der Firma abwendet. Glauben Sie
tatsächlich, er behielte es "für sich", wenn Sie ihm einen Griff in die
Firmenkasse gestehen? Sogar ein privates Geständnis, etwa dass Sie
alkoholkrank sind, kann dienstliche Auswirkungen für Sie haben.

Gegenstrategie:
Verraten Sie Ihrem Chef nichts, was Ihnen oder anderen schaden könnte –
sofern Sie das nicht wollen. Als Antwort ist "Ich kann Ihnen da nicht
helfen" genau richtig.

Lüge Nr. 2: Privat telefonieren

Ihr
Vorgesetzter ist locker drauf. Im Büro haben Sie quasi Narrenfreiheit.
Er selber sagt: "Mal privat telefonieren oder früher gehen – das stört
mich nicht!" Doch Vorsicht! Hinter dieser toleranten Haltung verbirgt
sich die zweite Lüge.

Die Absicht: Ihr Chef möchte nicht
als Aufpasser gelten – schließlich sollen Sie für ihn durchs Feuer
gehen, wenn’s mal eng wird. Außerdem: Führt ein offener Käfig nicht oft
dazu, dass der Vogel von seiner Freiheit gar keinen Gebrauch macht?

Die Wahrheit:
Kein Chef sieht es gern, wenn seine Mitarbeiter private Schwätzchen am
Telefon halten oder vor Feierabend aus der Firma spazieren. Er fürchtet
Kettenreaktionen, besonders im Großraumbüro.
Gegenstrategie:
Sie dürfen alles während der Arbeitszeit – nur sich nicht dabei
erwischen lassen! Private Gespräche und Frühabgänge sollten die
Ausnahme bleiben, wenn Sie auf eine Karriere spekulieren.

Lüge Nr. 3: Gehaltserhöhung

Genau
mit der Karriere hapert es aber. Auf eine Gehaltserhöhung warten Sie
schon länger. Ausweichend antwortet Ihr Chef: „Ich würde Ihr Gehalt ja
erhöhen – aber das Geld fehlt...“ Damit wären wir bei Chef-Lüge Nummer
drei angelangt.

Die Absicht: Sie sollen den Chef als
Ihren Förderer betrachten, dem leider die Hände gebunden sind. So legen
Sie sich doppelt ins Zeug – und werden nach dem Aufschwung mit der
nächsten Phrase vertröstet.

Die Wahrheit: Die Firma hat
natürlich Geld – sonst wäre sie pleite! Frage ist nur: Will sie die
(vielleicht knappen) Mittel in Ihr Gehalt investieren? Oder lieber an
anderer Stelle?

Gegenstrategie: Machen Sie deutlich: Sie
wollen keinem nackten Mann in die Taschen greifen – vielmehr haben Sie
Ihre Leistung ausgebaut und bringen der Firma mehr Geld. Davon wollen
Sie einen fairen Anteil.

Lüge Nr. 4: Teamarbeit

Besonders
im Team haben Sie sich angestrengt. Noch klingen Ihnen die Worte Ihres
Chefs in den Ohren: „Bei mir steigen Teamarbeiter auf!“ Das ist
Chef-Lüge Nummer vier.

Die Absicht: Sie sollen selbstlos
schuften: Erfolge teilen, Konflikte schlichten, andere motivieren,
kurz: einen Teil der Chefarbeit unentgeltlich übernehmen!

Die Wahrheit:
Noch nie ist ein ganzes Team befördert worden – immer einzelne, die aus
der Masse ragen! Weil sie im Team nicht untergehen – sondern auffallen!


Gegenstrategie: Zwingen Sie Ihren Chef, dass er konkret
wird: An welchen Maßstäben will er Ihre Arbeit im Team messen? Wetten,
dass er schnell wieder bei Einzelleistungen ist!

Lüge Nr. 5: Beförderung

Aber
bis jetzt ist noch nichts passiert. Als Sie Ihren Chef auf den
ausstehenden Aufstieg ansprechen, antwortet er nur lapidar: „Es fehlt
die Stelle, um Sie zu befördern.“

Die Absicht: Ihr Chef
tut so, als wollte er Sie (be)fördern. Sein heldenhafter Einsatz
scheitert nur daran, dass eine Stelle fehlt. Ihre Hoffnung bleibt
erhalten, Sie schuften weiter.

Die Wahrheit: Natürlich
könnte Ihr Chef eine neue Stelle für Sie schaffen. Doch warum sollte er
Sie an eine höhere Liga abtreten? Solange Sie ihm zuarbeiten, hat er
den Vorteil!

Gegenstrategie: Sie müssen deutlich
machen, dass Sie unbedingt aufsteigen wollen. Zur Not durch einen
Wechsel. Vor diese (unausgesprochene) Alternative gestellt, steigt die
Chance auf eine Beförderung enorm.

Lüge Nr. 6: Jobwechsel

Allerdings
kann es auch passieren, dass Ihnen Ihr Chef auf einen potentiellen
Wechsel den Spruch „Wenn Sie gehen, ist die Tür für immer zu!
entgegnet.

Die Absicht: Sie sollen das Gefühl haben,
Sie ließen bei einem Wechsel verbrannte Erde zurück. Diese Behauptung
ist vorzüglich geeignet, Sie zu halten. Der egoistische Wunsch Ihres
Chefs kleidet sich in einen sozialen Mantel.

Die Wahrheit:
Exzellente Arbeitnehmer sind Mangelware – Ihnen werde ich die Tür ein
zweites Mal öffnen. Oft sogar eine Hierarchiestufe höher! Entscheidend
ist, wie Sie gehen: Geben Sie früh Bescheid- oder in letzter Sekunde?
Schleichen Sie vom Hof – oder geben Sie eine Abschiedsfeier, in der Sie
die Firma und die Bosse noch einmal hochleben lassen?

Gegenstrategie:
Lassen Sie sich nicht einschüchtern, falls Sie einen Wechsel planen.
Sollte Ihr Herz doch noch an der alten Firma hängen – warum geben Sie
Ihrem Chef nicht eine letzte Chance, Sie mit einem saftigen Angebot zu
halten?

Quelle: AMICA









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