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Teilfamilien
 
Geschrieben von onedaydie am Samstag, 12. November 2005

Wissenswertes das AEs betrifft

Teilfamilien sind keine deutlich abgrenzbare Familienform -
vielmehr sind große Unterschiede zwischen einzelnen Formen von
Einelternfamilien festzustellen. Zum einen lässt sich zwischen
Teilfamilien mit minderjährigen Kindern differenzieren, die von ihren
Müttern versorgt werden, und solchen mit einem allein stehenden Vater.
Zum anderen lassen sich verschiedene Formen nach der Art des
Zustandekommens unterscheiden: Allein stehende Eltern waren entweder
nie verheiratet, leben von ihrem Ehegatten getrennt bzw. sind von ihm
geschieden oder sind verwitwet. Auch macht es einen Unterschied, ob in
Teilfamilien ein Kind, zwei Kinder oder drei und mehr Kinder unter 18
Jahren zu versorgen sind.

Ferner muss man zwischen Teilfamilien differenzieren, die auf Dauer
bestehen, und solchen, die nach mehr oder minder kurzer Zeit in eine
Zweitfamilie überführt werden. Generell ist festzustellen, dass
geschiedene oder verwitwete Väter häufiger und schneller wieder
heiraten als allein stehende Mütter. Allerdings nimmt generell die
Tendenz zur Wiederheirat ab.

In diesem Artikel wird eingegangen auf die

Wirtschaftliche Situation

Teilfamilien unterscheiden sich sehr hinsichtlich ihrer Einkommenssituation:
  • Sie sind deutlich schlechter gestellt als vollständige Familien.
  • Einelternfamilien unterscheiden sich stark hinsichtlich des Einkommens.
  • Allein stehende Väter verfügen in der Regel über ein höheres Einkommen als allein stehende Mütter.
  • Verwitwete sind zumeist materiell etwas besser gestellt als geschiedene oder ledige Alleinerziehende.
    Selbstverständlich
    ist die Einkommenssituation gewöhnlich schlechter, wenn der Elternteil
    keine Berufsausbildung hat (besonders häufig bei allein stehenden
    Müttern), nach einer längeren Zeit der Berufsunterbrechung in die
    Arbeitswelt zurückkehrt (dies betrifft vor allem getrennt lebende,
    geschiedene oder verwitwete Mütter), keine Stelle findet, wegen der
    Betreuung von Kleinkindern nicht erwerbstätig sein kann oder besonders
    viele Kinder zu versorgen hat. So beziehen viele allein stehende Mütter
    und Väter Sozialhilfe.

    Bei vielen Alleinerziehenden mit Kindern
    unter 18 Jahren spielen Unterhaltszahlungen des getrennt lebenden bzw.
    geschiedenen Ehegatten oder von Angehörigen die entscheidende Rolle.
    Oft treten Probleme durch verspätete oder unvollständige Zahlungen auf.
    Viele Väter entziehen sich auch der Verpflichtung, (Kindes-) Unterhalt
    zu zahlen.

    Es ist offensichtlich, dass die schlechte
    Einkommenssituation vieler Teilfamilien zu Einschränkungen bei
    Ernährung, Kleidung, Freizeitaktivitäten und Urlaubsplanung führt.
    Geplante Anschaffungen müssen zurückgestellt und Ersparnisse
    aufgebraucht werden. Oft kommt es zu finanziellen Engpässen am
    Monatsende oder zur Aufnahme von Schulden. Viele Teilfamilien wohnen
    sehr beengt in schlecht ausgestatteten Wohnungen. Die Mietbelastung ist
    hoch, negative Erfahrungen mit Vermietern sind häufig. Es ist nicht
    verwunderlich, dass die Einkommenssituation direkte Auswirkungen auf
    das Wohlbefinden allein stehender Mütter zeitigt. So sind sie
    beispielsweise häufiger depressiv.


Berufstätige und nicht erwerbstätige Alleinerziehende

Die
Lebenssituation allein stehender Elternteile ist stark dadurch geprägt,
ob sie (ganztags) erwerbstätig sind oder nicht. Üben sie keinen Beruf
aus, haben sie weniger finanzielle, soziale und persönliche Freiräume
als erwerbstätige Alleinerziehende. So leiden diese Eltern häufiger
unter wirtschaftlicher Not, Einsamkeit und Mangel an Selbstbewusstsein,
aber auch unter sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung - vor allem,
wenn sie von Sozialhilfe leben. Letzteres gilt besonders für
Hausmänner. Dementsprechend sind nichterwerbstätige Alleinerziehende
mit ihrer Situation weniger zufrieden als berufstätige und sehen mehr
Nachteile.

Allein stehende Mütter üben zumeist untergeordnete
und wenig attraktive Tätigkeiten aus. Meist müssen sie ganztags
erwerbstätig sein, da Teilzeitarbeit - die sie vorziehen würden - zu
schlecht bezahlt ist. Dies gilt weniger für allein stehende Väter. Sie
fühlen sich aber oft in ihren Aufstiegschancen benachteiligt, weil sie
wegen der Kinder Überstunden ablehnen müssen, weniger mobil sind und
nicht an Fortbildungskursen u. Ä. teilnehmen können.

Alle
erwerbstätigen Alleinerziehenden sehen sich aber mit dem Problem
konfrontiert, wie die Versorgung ihrer Kinder während ihrer
berufsbedingten Abwesenheit sichergestellt werden kann. Insbesondere
mangelt es an Einrichtungen zur Betreuung von Kindern unter drei
Jahren, aber auch die Öffnungszeiten der Kindergärten und die
Unterrichtszeit von Grundschüler/innen lassen sich nicht mit einer
Ganztagsbeschäftigung in Einklang bringen. So leiden Teilfamilien
besonders stark unter den schlechten gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Besonders
große Probleme (auch mit dem Arbeitgeber) entstehen, wenn die Kinder
oder der Elternteil selbst erkranken, oder dadurch, dass Schulferien
sehr viel länger als die Urlaubsansprüche Berufstätiger sind. Selbst
wenn Kinder Alleinerziehender bevorzugt in Krippen, Kindergärten und
Horten aufgenommen werden, bleiben oft Betreuungslücken. So sind allein
stehende Eltern auf die Hilfe von Verwandten, Freunden, Babysittern
usw. angewiesen - wobei die Väter aufgrund ihrer besseren
Einkommenssituation eher Tagesmütter oder andere, mit ihnen nicht
verwandte Betreuungspersonen einschalten. Manche Mütter müssen die
Unterstützung Verwandter bei der Kinderbetreuung mit Dienstleistungen
abgelten. Schulkinder bleiben oft unbeaufsichtigt zu Hause.

Berufstätige
Alleinerziehende wenden in der Regel weniger Zeit für die Hausarbeit
auf als verheiratete erwerbstätige Mütter. Auch gönnen sie sich mehr
Freizeit. So ist die Belastung durch Beruf, Haushalt und
Kindererziehung in der Regel nicht größer als diejenige erwerbstätiger
verheirateter Mütter. Jedoch können erstere ihre Situation subjektiv
negativer erleben: Sie fühlen sich manchmal überfordert. weil sie alle
Entscheidungen allein fällen müssen oder sich manchen Anforderungen
nicht gewachsen fühlen (z.B. bei Aufgaben, die früher vom Ehepartner
erfüllt wurden oder die nicht mit ihren Rollenleitbildern
übereinstimmen). Andere setzen sich die "Normalfamilie" als Maßstab und
erleben somit ihre Situation als defizitär.

Auf das Wohlbefinden
Alleinerziehender wirkt sich positiv aus, wenn sie eine Identität als
Teilfamilie entwickeln und diese als eine "normale" Familienform
betrachten. Viele erleben, dass es ihnen besser als in der Ehe geht,
dass sie neue Erfahrungen machen, mehr Möglichkeiten zur
Selbstentfaltung haben, nicht mehr auf einen Partner Rücksicht nehmen
müssen, unabhängiger und selbständiger sind. So entwickeln sie ein
positives Selbstbild und gewinnen an Selbstbewusstsein. Viele allein
stehende Eltern erreichen diesen Gefühlszustand jedoch nicht.


Partnerbeziehungen

Allein
stehende Eltern erleben oft negative Gefühle, die aus den Umständen des
Partnerverlustes resultieren. So trauern manche noch um ihren
verstorbenen Ehegatten oder die gescheiterte Ehe, was sich auch in
psychosomatischen Störungen, Depressionen oder Suchtkrankheit äußern
kann. Gleichzeitig werden viele mit der Trauer und den Ängsten ihrer
Kinder konfrontiert, was bei ihnen oft Erziehungsunsicherheiten und
Schuldgefühle hervorruft. Auch die Beziehung zum getrennt lebenden oder
geschiedenen Partner kann als belastend erlebt werden. Vor allem dessen
Wiederheirat kann zum plötzlichen Hervorbrechen von Depressionen, Wut
und Angst führen.

Für das Wohlbefinden allein stehender
Elternteile ist ferner von Bedeutung, ob sie Unterstützung und soziale
Kontakte in ihrem Netzwerk finden. Viele haben ein intensiveres und
befriedigenderes Sozialleben als während der Ehe. Von großer Bedeutung
für das Wohlbefinden ist ihr Verhalten hinsichtlich der Partnersuche.
Manche allein stehende Elternteile genießen das Leben als Single, ihre
Freiheit und Unabhängigkeit. Sie gehen nur lockere sexuelle Beziehungen
ein - oder überhaupt keine: Dann finden sie Befriedigung im
Zusammensein mit Freunden und Bekannten, in Vereinen und Clubs, bei
verschiedenen Freizeitaktivitäten. Andere Alleinerziehende bleiben
jedoch allein, weil sie Angst vor neuen Beziehungen haben oder noch um
die alte trauern.

Frauen sehen oft wenig Möglichkeiten,
geeignete Partner zu finden: Sie wollen aufgrund negativer
Umweltreaktionen abends nicht allein ausgehen und erleben es auch im
Urlaub als schwierig, Kontakte zu knüpfen. Wenn Alleinstehende lange
verheiratet waren oder bereits älter sind, fällt es ihnen oft schwer,
das Flirten erneut zu lernen und sich dabei wohl zu fühlen. Ferner
werden häufig die Kinder als Hindernis erlebt - insbesondere wenn sie
noch klein sind und abends nicht allein gelassen werden können. Nur
selten wird aber berichtet, dass ihre Existenz potentielle Partner
abschreckt. Viel häufiger ist, dass dies ohne Bedeutung ist. Bei
intensiveren Beziehungen kann es aber oft Probleme geben. So reagieren
manche Kinder mit offener Ablehnung, mit Aggressivität oder mit dem
Versuch, den neuen Partner zu einem Ersatzelternteil zu machen. Erleben
Alleinstehende Schwierigkeiten bei der Partnersuche, so fühlen sie sich
oft einsam, unzufrieden und sexuell unbefriedigt.


Eltern-Kind-Beziehung

Allein
stehende Eltern sind mehr oder minder allein für die Familienerziehung
ihrer Kinder zuständig - und können dabei durchaus erfolgreich sein.
Zum einen lastet auch in anderen Familienformen die
Erziehungsverantwortung größtenteils auf einem Elternteil. Zum anderen
kann eine Person leichter einen einheitlichen Erziehungsstil
praktizieren. Außerdem entfallen im Trennungsfall die in
Scheidungsfamilien so häufigen Auseinandersetzungen zwischen den
Ehepartnern über die "richtige" Erziehung der Kinder. Gelingt es allein
stehenden Eltern, eine positive Identität als Alleinerziehende zu
entwickeln und ihre erzieherischen Fähigkeiten zu entfalten, bieten sie
ihrem Kindern gute Entwicklungsbedingungen.

Die alleinige
Erziehungsverantwortung kann jedoch auch zum Problem werden. So fehlt
es bei problematischen Erziehungsstilen an einem Korrektiv durch den
zweiten Elternteil, erhaltenAlleinerziehende weniger Feedback über ihr
Verhalten und erfahren weniger Unterstützung in Konflikten mit ihren
Kindern. Auch bedeutet das Fehlen des gegengeschlechtlichen Partners
eine gewisse Ungleichgewichtigkeit in der Erziehung. So sind viele
Betroffene überzeugt, dass ein allein erziehender Elternteil nicht
allen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden kann.

In manchen
Teilfamilien kommt es zu einer Überbehütung und Verwöhnung der Kinder.
So haben allein stehende Eltern oft das Gefühl, das Fehlen des zweiten
Elternteils ausgleichen oder das Kind für den erlittenen Verlust und
die damit verbundenen Umstände (Krankheit, Tod, Ehekonflikte, Trennung
usw.) entschädigen zu müssen. Häufig kümmern sie sich auch besonders
intensiv um ihre Kinder und halten sie zu besten Leistungen an, da sie
sich als Alleinerziehende stärker von der Gesellschaft kontrolliert
fühlen, weil sie ihren früheren Partner durch Erziehungserfolge
beeindrucken wollen oder weil sie mit negativen Erwartungen seitens der
Umwelt (z.B. von Lehrern oder Medien) bezüglich der Entwicklung ihrer
Kinder konfrontiert werden. Bei zu hohen Erwartungen an die Kinder oder
sich selbst - oft bedingt durch den Druck der Vater-Mutter-Kind-Norm -
werden aber kleine Entwicklungsprobleme und Schulschwierigkeiten der
Kinder leicht zu großen Problemen aufgebauscht. In anderen Fällen
führen Schuldgefühle und Verwöhnung dazu, dass den Kindern keine
Grenzen gesetzt werden. Dies kann vor allem bei Pubertierenden und
rebellischen Jugendlichen zum Problem werden. Generell sind
Alleinerziehende unter der Klientel von Erziehungsberatungsstellen
überrepräsentiert.

In anderen Fällen werden Kindern
vernachlässigt - beispielsweise wenn dem allein stehenden Elternteil
aufgrund von Vollerwerbstätigkeit die notwendige Zeit fehlt, weil er
sich erschöpft und energielos fühlt, da er die Kinder als Bürde erlebt
oder sich durch sie in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt sieht.
Einige dieser Eltern fühlen sich subjektiv glücklich und führen ein
ausgefülltes Leben, jedoch auf Kosten der Kinder. Andere sind hingegen
unzufrieden, deprimiert und noch voller Wut auf ihren früheren Partner,
trauern um ihn oder bemitleiden sich selbst. Sie sind so mit sich
selbst beschäftigt, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmern können.
Manche Kinder versuchen, ihren allein stehenden Elternteil durch
auffälliges Verhalten von seiner Trauer abzulenken oder ihn auf sich
aufmerksam zu machen. Oft haben sie Angst, ihn durch Suizid zu
verlieren. Sie kümmern sich so intensiv um ihn, dass sie u.U. sogar
Schulphobien entwickeln, um daheim bleiben zu können.

Wenn
allein stehende Eltern trauern und deprimiert sind, wenn sie sich
überfordert fühlen und Trost bei den Kindern suchen, wenn sie ihre
Familie nach außen hin abkapseln, wenn sie einsam sind und ihre Kinder
zu Vertrauten bzw. zentralen Gesprächspartnern machten, kommt es oft zu
Verwicklung und zur Ausbildung symbiotischer Beziehungen. Die Kinder
haben große Macht über den Elternteil, erhalten von ihm viele
Mitbestimmungsrechte, lassen sich oft von ihm nichts sagen und dürfen
manchmal im Elternschlafzimmer (eventuell sogar im selben Bett)
schlafen. Die Enge der Beziehung und die wechselseitige Abhängigkeit
erschwert es jedoch den Kindern, sich von ihren Eltern abzulösen.

Während
Kinder bei Überbehütung oder Symbiosen oft nicht im Haushalt helfen
müssen, wird ihnen in anderen Fällen ein großer Teil der Hausarbeit
übertragen. Sie entwickeln neue Fertigkeiten,
Verantwortungsbereitschaft und eine realistische Einstellung zum Geld,
gewinnen an Selbstbewusstsein und erfahren positive Verstärkung aus dem
Netzwerk. In manchen Fällen - z.B. bei Vernachlässigung oder Krankheit
der Mutter - kommt es zur Parentifizierung eines Kindes. Das heißt, das
Kind übernimmt Elternfunktionen gegenüber seinen Geschwistern, u.U.
auch gegenüber dem Elternteil. Diese Bürde kann für das Kind zu groß
werden, wenn es nicht unterstützt wird und keine Wertschätzung erfährt.
Es kann zur Entfremdung von den Gleichaltrigen sowie zur
Vernachlässigung der Schule und altersgemäßer Aktivitäten kommen.
Parentifizierte Kinder haben viel Macht, können aber auch für
Fehlschläge, Unordnung oder Probleme der Geschwister verantwortlich
gemacht werden (Sündenbock).

Kam es aufgrund von Trennung und
Scheidung zur Entstehung einer Teilfamilie, wirkt oft der
nichtsorgeberechtigte Elternteil noch erzieherisch (dies gilt
vereinzelt auch für Väter nicht ehelicher Kinder). In der Regel nimmt
jedoch der Kontakt in den Jahren nach der Scheidung immer mehr ab. So
ist der Erziehungseinfluss dieser Elternteile zumeist eher gering.
Jedoch können sie in der Phantasie der Kinder durchaus eine große Rolle
spielen und weiterhin als negatives oder positives Vorbild wirken.
Selbst bei mangelndem Kontakt können sich Kinder mit dem nicht
sorgeberechtigten Elternteil identifizieren und Eigenschaften von ihm
übernehmen. Dies führt manchmal zu Kritik und Ablehnung seitens des
sorgeberechtigten Elternteils. Dasselbe gilt für Einzelfälle, in denen
dieser ein Kind mit dem abwesenden Elternteil identifiziert.


Entwicklung der Kinder

Manche
Kinder bewerten das Leben in einer Teilfamilie durchaus positiv. Sie
erleben eine sehr enge und offene Beziehung zum Elternteil, verbringen
viel Zeit mit ihm und geraten nur selten in Auseinandersetzungen mit
ihm. Jedoch können ihnen auch Individuation und Ablösung schwer fallen.
Andere Kinder sind von vielen Stunden der Trennung und mangelnder
Kontinuität in ihrer Betreuung betroffen. Sie vermissen Wärme,
Zuneigung und einen Vertrauten in ihrem Leben. Oft müssen Kinder aus
finanziellen Gründen auf viele Freizeitaktivitäten verzichten oder
erleben eine Abnahme sozialer Kontakte. Auch die Beziehungen des
Elternteils zu neuen Partnern werden häufig als belastend empfunden.
Sein Sexualverhalten (z.B. große Freizügigkeit) oder die Ablehnung des
anderen Geschlechts können die Übernahme der Geschlechtsrollen durch
die Kinder erschweren. Das gilt auch für den Fall, wenn sie zu
Ersatzpartnern gemacht werden, der abwesende Elternteil fortwährend
schlecht gemacht wird oder es zu keiner adäquaten Kompensation des
Personenverlusts kommt (z.B. durch die Förderung von Kontakten zu
Erwachsenen, die ein anderes Geschlecht als der Elternteil haben).

Nach
dem Verlust eines Elternteils verschlechtern sich häufig die
Schulleistungen. Überdurchschnittlich viele Kinder aus Teilfamilien
müssen eine oder mehrere Klassen wiederholen. Ursachen können darin
liegen, dass allein stehende Eltern niedrigere Leistungserwartungen als
andere Eltern haben, seltener mit dem Besuch und Abschluss
weiterführender Schulen rechnen, weniger Zeit auf die Überprüfung der
Hausaufgaben verwenden und seltener Kontakt zu Lehrern halten. Jedoch
kann sich hier auch die psychische Situation der Kinder auswirken (z.B.
Trauer, Depressivität, Einsamkeit, Beschäftigung mit der Partnersuche
des Elternteils).

Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus
Teilfamilien sind nach epidemiologischen, kriminologischen und
sozialpädagogischen Untersuchungen häufiger verhaltensauffällig,
psychisch gestört, delinquent oder selbstmordgefährdet. Dies gilt vor
allem für Jungen und Kinder geschiedenen Eltern. Auch leben mehr Kinder
aus Teilfamilien als aus vollständigen Familien in Heimen oder
Pflegefamilien. Ursachen können z.B. Vernachlässigung, das Fehlen einer
Autoritätsperson, Unerwünschtheit des Kindes, Stigmatisierung oder die
Zuschreibung von Rollen wie die des Sündenbocks oder Ersatzpartners
sein.


Schlussbemerkung

Generell wirkt es sich auf
<Alleinerziehende und ihre Kinder positiv aus, wenn sie in der
Teilfamilie eine eigenständige Familienform sehen, die ihren
Mitgliedern gute Entwicklungsbedingungen bietet. Dann können sie auch
mit der in unserer Gesellschaft noch häufig vorfindbaren
Diskriminierung und Pathologisierung besser umgehen. Der Kontakt zu
anderen allein stehenden Eltern (Selbsthilfegruppen) erleichtert oft
die Entwicklung einer solchen Einstellung. Auch verlieren
Alleinerziehende dann die Angst, dass ihre Kinder unweigerlich durch
das Leben in einer Teilfamilie benachteiligt und geschädigt werden.
Ihnen wird deutlich, dass sie zu hohe Erwartungen an sich selbst
stellen, nicht sowohl Vater als auch Mutter sein können. Auch dürfen
sie nicht nur an die Kinder denken, sondern auch an die eigene
Weiterentwicklung (Freizeitaktivitäten, Partnersuche usw.).


Autor

Dr. Martin R. Textor ist wissenschaftlicher Angestellter am:
Staatsinstitut für Frühpädagogik
Eckbau Nord
Winzererstraße 9
D - 80797 München
Tel.: 089/99825-1936
Homepage http://people.freenet.de/Textor
Quelle: www.familienhandbuch.de


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