Quelle: eltern.de
Bei der Partnersuche geht es eigentlich nur um eines: dass sich zwei Menschen finden und verlieben. Doch was, wenn dabei noch ein dritter oder vierter im Spiel ist?
"Eine Frau mit Kind - das tut sich doch niemand an!" - "Als allein erziehender Single mit Kind kann man sein Liebesleben erst mal vergessen - zumindest bis der Nachwuchs volljährig ist." Sätze wie diese hat jeder schon einmal gehört. Ausgesprochen werden sie nicht selten von den Alleinerziehenden selbst.
Nach den Erfahrungen von Parship-Psychologin Nicole Schiller brauchen Alleinerziehende auf Partnersuche weniger praktische Tipps als vielmehr Zuspruch und Motivation. Vor allem jüngere Mütter resignierten ihrer Ansicht nach zu schnell: "Statt ihre Familiensituation als Manko zu begreifen, sollten sie lieber selbstbewusst und offensiv damit umgehen", erklärt Schiller.
Minderwertigkeitskomplexe seien schon deshalb fehl am Platz, weil es genügend Menschen gebe, die gezielt gerade nach einem Partner mit Kind suchten - entweder, weil sie selbst Kinder haben und sich Verständnis für ihre Situation erhoffen, oder weil sie Kinderlosen weniger soziale Kompetenzen zuschreiben.
"Alleinerziehende sind alles andere als 'Kandidaten zweiter Klasse'", meint Schiller. Letztlich, so die Psychologin, laufe hier - wie bei allen anderen auch - alles auf die Binsenweisheit hinaus: Zu jedem Topf gibt es auch den passenden Deckel!
Trotzdem fangen für viele Väter und Mütter auf Online-Partnersuche die Probleme schon bei der Selbstbeschreibung an: Wie stelle ich meine Familiensituation dar, ohne gleich einen Großteil der möglichen Interessenten zu vergraulen?
Sicher gibt es dabei auch ein Zuviel an Offenheit: Aussagen wie "Wir suchen einen neuen Papa!" oder "Nachdem sich meine Frau aus dem Staub gemacht hat, suche ich eine neue Mutter für meine Kinder" mögen zwar der Wahrheit entsprechen, überfahren das Gegenüber aber leicht mit überzogenen Ansprüchen.
Nicole Schiller rät deshalb, sich zunächst einmal selbst zu befragen: Was will ich eigentlich - einen Ersatzvater beziehungsweise eine Ersatzmutter für meine Kinder oder einen Partner?
In den meisten Fällen, so Schiller, kommt dabei heraus, dass einfach ein Partner gesucht wird, der die eigenen Lebensumstände akzeptiert - nicht etwa jemand, der auch gleich Verantwortung dafür übernimmt.
Die Psychologin empfiehlt deshalb, einfach Gefühle oder schlicht seinen Alltag zu beschreiben: "Meine Kinder sind für mich das Wichtigste!", "Die Wochenenden verbringe ich oft mit meiner 13-jährigen Tochter." Das macht dem Leser klar, worauf er sich einlassen würde ohne ihm allerdings das Gefühl zu vermitteln, demnächst Adoptionspapiere unterschreiben zu müssen.
Mindestens genauso wichtig wie die richtige Ansprache möglicher Partner ist es, den eigenen Nachwuchs auf die neue Situation vorzubereiten.
Es empfiehlt sich, gerade etwas ältere, verständigere Kinder schon in der Phase der Partnersuche mit einzubeziehen: Sie sollten zumindest wissen, dass ihre Mama oder ihr Papa sich nach einem neuen Partner umsieht. Wird das Ganze später tatsächlich real, ist so schon eine Menge Konfliktpotenzial verpufft und es fällt dem Nachwuchs schwerer, Eifersuchtsgefühle auf den neuen Partner zu lenken.
Generell gilt: Je kürzer die Trennung vom anderen Elternteil zurückliegt, desto mehr Fingerspitzengefühl ist gefragt. Schließlich provozieren solche Offenbarungen geradezu den kindlichen Widerspruch: "Ich habe doch schon einen Vater, einen anderen brauche ich nicht!"
Zudem werden besonders von kleineren Kindern Veränderungen ihrer Welt oftmals als bedrohlich empfunden - bedeuten sie doch, dass der jeweilige Elternteil vielleicht weniger Zeit für sie haben wird oder sie schlicht nicht mehr im Mittelpunkt stehen.
Versuchen Sie deshalb nicht, einen neuen Partner oder auch nur die Idee der Partnersuche anzupreisen. Erwarten Sie auch nicht, dass Ihr Kind begeistert davon ist. Machen Sie aber klar, wie wichtig es Ihnen ist, einen Partner zu finden - und dass das keinesfalls die Liebe zu Ihrem Kind einschränken wird und Sie in Zukunft auch nicht weniger Zeit mit ihm verbringen werden.
Haben Sie einen neuen Partner gefunden, stellt sich irgendwann die Frage: Wann und wie stelle ich ihn meinen Kindern vor?
Dafür gibt es natürlich keine festen Regeln. Spätestens, wenn Sie das Gefühl haben, dass sich aus dem Flirt eine ernste und langfristige Beziehung entwickelt, ist es auch Zeit, die Kinder mit einzubeziehen.
Falls Ihr neuer Partner kein gesteigertes Interesse an Ihren Kindern zeigt: Erzwingen Sie nichts. Warten Sie erst einmal ab und gestehen Sie ihm oder ihr ruhig etwas Zeit zu, sich an die Situation zu gewöhnen.
Für das erste Treffen empfehlen Experten dann "neutralen Boden" - eine Eisdiele, ein Schwimmbad oder Museum -, damit niemand sich als Eindringling fühlen muss. Auch wenn der oder die Neue nicht sofort mit Ihrem Kind warm wird: Haben Sie einfach Geduld und machen Sie mit sanfter Konsequenz deutlich, wie wichtig Ihnen ein friedlicher und freundschaftlicher Umgang miteinander ist.
Schließlich wird irgendwann auch Ihr Kind feststellen: Glückliche Eltern sind allemal besser als unzufriedene.

