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Frauen im Gesundheitssystem benachteiligt?!
 
Geschrieben von Oceanseve72 am Dienstag, 02. August 2005

Nachrichten und Aktuelles

Quelle: Brigitte.de

Fehler im System

Immer weniger Deutsche gehen zum Arzt, weil sie Praxisgebühren und Medikamenten-Zuzahlungen scheuen. Besonders Frauen sind benachteiligt - und daran wird sich in Zukunft wohl kaum etwas ändern.


Ihre Gesundheit ist für die meisten Deutschen teurer geworden. Seit 1. Juli zahlen die Arbeitnehmer 0,45 Prozent ihres Bruttolohns mehr in ihre Krankenkasse ein. Das ist eine weitere Erhöhung der finanziellen Belastungen für die Versicherten, die seit dem 1. Januar 2004 wegen Praxisgebühr und Zuzahlungen zu Medikamenten und vielen ärztlichen Leistungen für ihre Gesundheit häufiger und oft tiefer in die Tasche greifen müssen als zuvor.

Die Konsequenz: Immer mehr Menschen sparen an ihrer Gesundheit. Fast 80 Prozent aller Deutschen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie zum Thema, haben eine oder sogar mehrere Sparmaßnahmen ergriffen, um höhere Kosten zu vermeiden, wenn sie krank werden. Und weniger als ein Drittel der Deutschen geht beim ersten Unwohlsein zum Arzt (1998: 56 Prozent). Jeder vierte verschiebt laut "Health Care Monitoring 2005"-Bericht einen "eigentlich sinnvollen" Arztbesuch, oder unterlässt ihn ganz - wegen der Praxisgebühr.

Besonders Frauen sparen an ihrer Gesundheit. Sie greifen häufiger zu Hausmitteln und verzichten eher auf Medikamente, wenn sie krank sind, als vor der Reform. Gerade Frauen aber werden vom Gesundheitssystem benachteiligt, wie Dr. Ursula Sottong erläutert, Vorsitzende des Arbeitskreises Frauengesundheit (AKF): "Frauen werden oft unter- oder fehlversorgt, dabei sind vor allem sie es, die das System durch ihre Pflegearbeit zu Hause entlasten." Ihrer Ansicht nach ist das Kernproblem der Gesundheitspolitik dabei nicht ein Mangel an Geld, sondern eine falsche Verteilungspolitik. "Es wird nicht gefragt, welche Leistungen wir brauchen, wie sie erbracht werden und was sie kosten sollen, sondern es wird geschaut, wie viel Geld da ist und wie man es ausgeben kann - das halte ich für einen grundsätzlich falschen Ansatz", sagt die Medizinerin. So gebe es kaum geschlechtsspezifische Angebote, obwohl Männer und Frauen unterschiedlich versorgt werden müssten. Dass seit Einführung der Praxisgebühr überproportional viele Frauen auf medizinische Leistungen verzichten, erklärt Sottong mit deren Verantwortungsgefühl: "Erst kommen die Kinder, der Mann und die Oma. Frauen verzichten eher auf Gesundheitsleistungen, wenn das Geld knapp ist."

Hausmittel können zwar oft helfen - über eine wirksame medizinische Versorgung entscheiden kann aber nur ein Arzt. Ursula Sottong schätzt die größer werdende Hemmschwelle von Frauen, bei Beschwerden zum Arzt zu gehen, als "Riesenproblem" ein: "Eine ältere Frau, der zwei Tage lang schlecht ist, hat möglicherweise einen Herzinfarkt erlitten. Der Bedarf kann einfach nicht selbst eingeschätzt werden", warnt die Medizinerin.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Annette Widmann-Mauz, sieht das ganz anders. Sie glaubt, dass die Praxisgebühr "positive Steuerungseffekte" hat. Besondere Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen seien für Frauen ohnehin umsonst - dieses Angebot werde von den Frauen zu wenig genutzt, sagt die CDU-Politikerin. Zwar räumt sie ein, dass eine Finanzierungsreform "besonders die Schwächeren trifft, also auch Frauen". Widmann-Mauz verspricht sich jedoch von einem stärkeren Wettbewerb unter den Krankenkassen und deren Bonusprogrammen "Chancen für Frauen, die sich gesundheitsbewusst verhalten".

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