Niedersachsen entscheidet über neue RechtschreibungHannover - Niedersachsens Landesregierung will heute erneut über die verbindliche Einführung der neuen Rechtschreibregeln entscheiden. Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten angekündigt, die zum 1. August geplante Einführung zu verschieben und an der bisherigen Übergangsregelung festzuhalten.
Mit ihrer Position stehen sie jedoch auch unter den unionsgeführten Bundesländern weitgehend allein. In Niedersachsen regiert eine Koalition aus CDU und FDP.
Die großen Koalitionen in Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein erklärten am Montag, die unstrittigen Teile der neuen Schreibregeln würden wie geplant in Schulen und Behörden verbindlich eingeführt. Auch die CDU-geführten Landesregierungen von Hessen und Hamburg halten daran fest.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gilt seit langem als entschiedener Gegner der Rechtschreibreform. Die "Kernkompetenz" für die Reform müsse von der Kultusministerkonferenz (KMK) an den Rat für deutsche Rechtschreibung übergehen, fordert Wulff. Die Rechtschreibreform sei "von vornherein verkorkst" gewesen, sagte der Regierungschef in Hannover. Der Rat für deutsche Rechtschreibung will die noch strittigen Reformteile bis Sommer 2006 überarbeitet haben.
Lehrer- und Elternvertreter uneins
Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, sagte am Montagabend im ZDF zu einer möglichen Verschiebung: "Ich halte das für Blödsinn." Es gebe inzwischen den fünften Schülerjahrgang, der nach den neuen Regeln unterrichtet werde. Der deutsche Elternverein begrüßte dagegen die Weigerung Bayerns und Nordrhein-Westfalens zur Umsetzung der Reform. Durch das Einsetzen der neuen Regeln erhalte nur eine weitere Version Gültigkeit, die keine Aussicht auf Bestand habe, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.
Die Kultusministerkonferenz hatte kürzlich einstimmig beschlossen, die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform Anfang August verbindlich werden zu lassen. Das bedeutet, dass dann in jenen Bundesländern, die diese Regelung übernehmen, einige frühere Schreibweisen künftig in den Schulen als Fehler bewertet werden. Auch in den Schulen Bayerns und Nordrhein-Westfalens wird die neue Rechtschreibung unterrichtet. Allerdings sollen alte Schreibweisen noch nicht als Fehler angestrichen werden. (md/dpa)
Quelle: AOL
