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Zahnersatz - schönes Lächeln wird teuer!
 
Geschrieben von Sternschnuppi am Freitag, 01. Juli 2005

Nachrichten und Aktuelles Urlaub oder Zähne? Ab dem 1. Juli eine berechtigte Frage für viele Deutsche, denn für Zahnersatz müssen gesetzlich Versicherte dann noch mehr zuzahlen. Die nächste Stufe der Gesundheitsreform tritt in Kraft.

Ein kräftiger Ansporn, künftig noch mehr Sorgfalt bei der Zahnpflege walten zu lassen: Ab Freitag nächster Woche müssen Kassenpatienten mehr für den Zahnersatz bezahlen.
Die neueste Stufe der Gesundheitsreform sieht vor, dass für Zahnersatz und die "gestiegenen Kosten der Krankenversicherer" Sonderbeiträge fällig sind. Draufzahlen müssen vom 1. Juli an alle Mitglieder der gesetzlichen Kassen - Arbeitnehmer wie Rentner. 0,9 Prozent vom Bruttoeinkommen sind dann fällig. Bislang steuerte der Arbeitgeber immer noch die Hälfte bei - jetzt muss er keinen Cent mehr dazubezahlen.
Zwar müssen per Gesetz auch die Kassen ihre Beiträge um 0,9 Prozent senken - doch unterm Strich bleibt für die Versicherten eine deutliche Mehrbelastung von 0,45 Prozent ihres Bruttoeinkommens. Bei 1000 Euro Bruttoverdienst sind das immerhin 4,50 Euro. Bundesgesundheitsministern Ulla Schmidt (SPD) setzt darauf, dass die Kassen ihre Beiträge um mehr als die festgelegten 0,9 Prozent senken. Doch eine Umfrage der "Bild am Sonntag" ergab, dass die wenigsten Kassen dies wirklich vorhaben.

Die erhöhten Beiträge zum 1. Juli ohne Zuschuss des Arbeitgebers sind umso ärgerlicher, da durch die zu Jahresbeginn eingeführten Festbeiträge für Zahnersatz die Kosten ohnehin schon stark gestiegen sind. Zwar hatten Kassen und Gesetzgeber angekündigt, dass die Neuregelung für die Patienten kostenneutral umgesetzt wird. Doch eine Auswertung der AOK Bayern ergab ein anderes Bild: Seit Einführung der Festbeträge zum 1. Januar müssen Patienten zum Beispiel für Brücken und Kronen bis zu 98 Prozent mehr bezahlen.

Wie der "Stern" berichtet, liegen die Gründe für die drastisch gestiegenen Kosten in "Tricksereien" von Zahnärzten und Krankenkassen. Diese bieten für die festen Zuschüsse immer weniger an. Die Regelleistungen wurden derart runtergefahren, dass für frühere Standards heute extra nach der teuren Privat-Gebührenordnung draufgezahlt werden muss. Beispiel Kronen: Früher zahlten die Kassen bereitwillig für die modernen Teleskopkronen. Seit dem 1. Januar aber ist nach Informationen des "Stern" nur noch die veraltete Modellgussprothese Standard. Die hat wegen ihrer Sichtbarkeit und den negativen Folgen für die noch gesunden Zähne den Beinamen "Schweinehaken" bekommen. Wer darauf verzichten will, muss für eine modernere Prothese extra zahlen.

Teurer Zahnersatz, gestiegene Zuzahlung - ein funktionierendes und ansehnliches "Esszimmer" scheint immer mehr zum Luxus zu werden.

Anders als zunächst geplant hat die Bundesregierung darauf verzichtet, die private Versicherung des Zahnersatzes zur Pflicht zu machen. Eine Zusatzversicherung ist daher kein Muss, kann sich aber für den lohnen, der mehr erwartet als die üblichen Kassenleistungen - und Bedenken ob der entsprechenden Kosten hat.

Experten-Rat
So kommen die Experten der Zeitschrift "Finanztest" zu dem Schluss, dass Zahnzusatzversicherungen durch die Neuregelungen "alles in allem nicht wichtiger" geworden sind. Die meisten Versicherungen decken 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten ab. Zusammen mit den Leistungen der Kasse sind so 80 bis 90 Prozent der Zahnarztrechnung abgedeckt.

Doch wenn ein Patient beispielsweise statt einer Füllung ein Inlay haben will, so bekommt er von der Kasse nur die Kosten der Amalganfüllung ersetzt. Die Differenz hat der Patient selbst zu tragen. Auch hier übernimmt die Zusatzversicherung in der Regel 20 bis 30 Prozent der Kosten.

Prüfen und vergleichen
Vor Abschluss einer Zusatzversicherung ist also genau zu prüfen, welche Leistungen man wirklich braucht und welche Kosten dadurch entstehen könnten. Für eine reine Zahn-Zusatzversicherung muss ein 33-jähriger Mann in etwa 10 bis 20 Euro monatlich bezahlen. Es gibt aber auch schon Versicherungen für ca. 5 Euro.
Alternativ bieten viele Versicherer Kombi-Pakete an, die auch Kosten für Heilpraktiker und Brillen mit abdecken. Hier sind Monatsbeiträge zwischen 15 und 35 Euro für einen 33-Jährigen die Regel.

Die Gesundheitsministerin und die Krankenkassen setzen auf den "mündigen Patienten", der vor einer umfangreichen Zahnarztbehandlung selber auf die Kosten schaut. Wie beim Autokauf gilt es also, mehrere Angebote einzuholen und zu vergleichen. Doch wer rennt schon gerne von Zahnarzt zu Zahnarzt?

Wer nicht gleich einen Kleinkredit für seine Zahnbehandlung aufnehmen will, könnte vielleicht auch im Internet fündig werden. Denn auf www.2te-zahnarztmeinung.de unterbieten sich Zahnärzte gegenseitig.

Wie eBay - nur umgekehrt
Wie funktioniert diese Seite? Im Grunde ist es wie eine Auktion auf eBay - nur umgekehrt. Patienten müssen sich registrieren und stellen (gegen eine geringe Gebühr) ihren Heil- und Kostenplan für eine anstehende Zahnbehandlung ein. Angeschlossene Zahnärzte - mittlerweile sollen es mehr als 200 sein - begutachten den Plan und geben gegebenenfalls ein Gebot ab, das unter dem ursprünglich anvisierten Preis liegt.

Alles läuft anonym ab - Patienten wie Zahnärzte treten unter Pseudonymen auf. Wenn der Kostenplan im Internet veröffentlicht ist, können die Patienten nur noch abwarten. Mit etwas Glück trudeln billigere Angebote ein. Laut Betreiber Holger Lehmann lassen sich 30 - 35 Prozent einsparen - bei hohen privaten Anteilen sogar noch deutlich mehr.

Aktuelle Rechenbeispiele: Ein Mann aus Berlin hat von seinem Zahnarzt einen Kostenvoranschlag für eine Krone über 854 Euro bekommen. Ein erstes Angebot von der "Südberlinerzahnfee" über 780 Euro wird von "Doktorguenstig" unterboten - er verlangt für die Krone nur 450 Euro.

Kritik der Kammern
Die Zahnärztekammern wettern natürlich gegen diese Art des "Türkischen Basars". Die Internet-Seite sei "außerordentlich bedenklich" und geeignet, "dem Ansehen des Berufsstandes Schaden zuzufügen." Da sich auch die Zahnärzte an Gebührensätze halten müssten, sei es zweifelhaft, wie die Kosten regulär weiter gedrückt werden könnten. Kritiker vermuten, dass die "Discount-Zahnärzte" ungefragt billigen Zahnersatz aus dem Ausland verwenden würden.

Das Risiko, bei einem Kurpfuscher zu landen, ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Zudem fällt negativ auf, dass zwar eine Gebühr (bis zu 7,50 Euro) anfällt, es aber keine Gewähr gibt, dass der Patient wirklich ein besseres Angebot erhält. Immerhin: Wie bei eBay können Bewertungen abgegeben werden. Schlechte Arbeit kann sich also ein Zahnarzt nicht leisten, ohne seinen Ruf zu ruinieren. Für denjenigen, der aufgrund eines verpfuschten Gebisses eine negative Bewertung abgeben musste, sicherlich ein schwacher Trost.

Die gestiegenen Kosten für Zahnersatz

Zahnersatz insgesamt

Durchschnittliche Kosten 2004: 1.167 Euro
Durchschnittliche Kosten 2005: 1.324 Euro
Preisanstieg: 14 Prozent


davon vom Patienten selber zu zahlen:
2004: 498 Euro (43 Prozent)
2005: 823 Euro (62 Prozent)
Mehrausgaben: 65 Prozent

Quelle: AOK Bayern / "Stern"
Foto: dpa

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