Immer wieder werden Kinder in Chats sexuell belästigt - ohne dass die Eltern etwas davon wissen. Bei Stern TV diskutierte Günther Jauch mit Internet-Expertin Beate Schöning, dem Lycos-Sprecher Kay Oberbeck und betroffenen Kindern.Wie alt bist DU? Wo wohnst Du? Trägst Du einen Slip? Können wir uns treffen? Das sind typische Fragen, mit denen minderjährige Mädchen in Chats konfrontiert werden - weil sich dort zahllose Pädophile tummeln. Die Journalistin Beate Schöning, die dem Missbrauch im Internet seit Jahren nachgeht, demonstriert das häufig, indem sie sich vor Publikum und laufenden Kameras in Chats einloggt und als Mädchen ausgibt. Das tat sie auch bei ihrem Vortrag im nordrheinwestfälischen Schleiden. Die anwesenden Eltern waren entsetzt: "Ich bin geschockt. Ich hab das nicht gewusst", sagt eine Mutter, "Damit habe ich wirklich nicht gerechnet", eine andere.
"zwerg66" - Ermittlungen eingestellt
In der vorangegangen Sendung hatte ein Team von Stern TV einen Chatter gestellt: "zwerg66", einen zweifachen Familienvater, der nacktfotos von sich verschickt und eine vermeintlich 13-Jährige zum Geschlechtsverkehr aufgefordert hatte. DAs Team hatte "zwerg66" in Köln getroffen und mit seinem Verhalten konfrontiert. Die Polizei hatte die Ermittlungen aufgenommen, aber inzwischen wieder eingestellt. Der Grund: Der Lockvogel, auf den "zwerg66" reagierte, war in Wirklichkeit volljährig.
Der Chat mit "zwerg66" hatte auf der Plattform der Firma Lycos stattgefunden. Nun wollte das Stern TV-Team wissen, was Lycos dagegen unternimmt. Kay Oberbeck, der Sprecher des Unternehmens, der bei Stern TV zu Gast war, versicherte, die Chatprotokolle würden über einen Zeitraum von zwölf Monaten hinweg gespeichert und auf Nachfrage der Strafverfolgungsbehörden herausgegeben. Außerdem seien 250 "Navigatoren" im Einsatz, die die Chats kontrollieren würden. Darüber hinaus entwickle das Unternehmen ein automatisches Überwachungsprogramm namens Kryptolog, das Sexgespräche zwischen Erwachsenen und Kindern erkennen könne.
Chats sind nie sicher
Dass es einen 100prozentigen Schutz vor Pädophilen gleichwohl nicht gibt, wies Stern TV mit einem Experiment nach. Kurz vor der Sendung setzte sich ein Team in ein Kölner Internet-Cafe, loggte sich im Lycos-Chat ein und simulierte ein Sexgespräch - Textprobe: "Ich mag kleine Mädchen mit knackigem Po." Gestört wurde das Team dabei nicht.
Beate Schöning, die im Studio zu Gast war, misstraut dnn auch den Sicherungsmaßnahmen der Provider: "Die sind so löchrig wie Schweizer Käse. " Dennoch begrüßte sie es, dass Lycos zumindest versuche, sich des Problems anzunehmen.
Keine Fotos ins Netz!!
Die Kinder, die Stern TV ins Studio geladen hatte, berichteten von ihren eigenen Erlebnissen im Chat: Auch sie wurden sexuell angemacht - und zwar besonders heftig, wenn sie ein Bild von sich ins Netz gestellt hatten. Beate Schöning sagte dazu, dass die Provider - wenn es nach Recht und Gesetz ginge - sich von den Eltern die Genehmigung einholen müssten, solche Fotos zu veröffentlichen. Das geschehe jedoch so gut wie nie.
Auch aus diesem Grund sollten Eltern genau wissen, was ihre Kinder im Internet unternehmen. Acht von zwölf enttarnten pädophilen Chattern, so Schöning auf ihrem Vortrag in Schleiden, seien schon am kommenden Tag unter einem neuen Namen wieder im Netz.
Tipps für Kids und Eltern:
Alles über sicheres Chatten lesen Sie in der PDF-Broschüre von zartbitter.de, die Sie auf Stern.de downloaden können.
Weitere Informationen unter
www.zartbitter.de
www.kindersindtabu.de.
Jugendgefährdende Verstöße im Internet können gemeldet werden unter der Mailadresse hotline@jugendschutz.net
Quelle: stern.de
