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Glückliche Scheidungskinder
 
Geschrieben von onedaydie am Samstag, 28. Mai 2005

Wissenswertes das AEs betrifft
Wie Kinder eine Trennung der Eltern gut überstehen können
von  Gerlinde Unverzagt
 

Pauls Stimmung ist heute lila-orange. Der Siebenjährige mit den dunklen Locken hält zwei farbige Stimmungskärtchen in der Hand. Auf der einen steht "ängstlich" und auf der anderen "zerrissen". Mit traurigen Augen schaut er in die Runde. Sieben Kinder und zwei Betreuer treffen sich hier jeden Montagnachmittag. Jede Sitzung der Scheidungskindergruppe beginnt ..................

mit einer Gefühlsrunde. Jedes Kind nimmt sich zwei farbige beschriftete Kärtchen, die seine heutige Stimmung am ehesten beschreiben. "Ein guter Einstieg für die Kinder," klärt die Kindertherapeutin, die die Gruppe betreut. "Was ist denn passiert?", fragt sie Paul, dessen Unterlippe augenblicklich zu zittern beginnt. Seine Eltern haben sich am Sonntag wieder einmal gestritten. Papa hatte Karten fürs Puppentheater gekauft, für nächsten Montag, als Überraschung - und als Paul freudestrahlend seiner Mutter davon erzählt, greift sie sofort zum Telefon und macht Pauls Vater zur Schnecke. "Das war nicht abgesprochen!", hat sie geschrien und außerdem "Besuchstag ist Mittwoch und nicht Montag!"

Als Paar getrennt, als Eltern gemeinsam

Für die Eltern ist die Entscheidung, sich zu trennen, in der Regel der einzig richtige Schritt, um eine zerrüttete Beziehung zu beenden. Für die Kinder aber ist die Trennung der Eltern immer ein dramatisches Ereignis, das sie aufwühlt und belastet. Doch das Vorurteil, dass Scheidungskinder mit schlechteren Startbedingungen ins Leben gehen, stimmt trotzdem nicht. Auf das Wie kommt es an: Eine rücksichtsvolle, pragmatisch gestaltete Trennung kann den Kindern zeigen, wie man schwierige Lebenslagen mit Augenmaß, Mitgefühl und angemessenem Verhalten meistert. "Als Paar getrennt, als Eltern gemeinsam" heißt die Parole, denn wenn es den Eltern gelingt, auch nach der Trennung verlässlich für ihr Kind da zu sein, ist für das Kind viel gewonnen.
Folgende "do´s & dont´s" haben Zwölfjährige aus einer Scheidungskindergruppe für getrennte und geschiedene Eltern aufgeschrieben.

Was Eltern auf keinen Fall tun sollten:
  • Verbieten Sie Ihren Kindern nicht die Gefühle!
  • Schimpfen Sie nicht bei jeder Kleinigkeit!
  • Hetzen Sie niemals das Kind gegen den anderen Elternteil auf!
  • Machen Sie keine Versprechen, die Sie nicht halten können!
  • Machen Sie nicht durch ewiges Streiten Ihrem Kind das Leben schwer!
  • Versuchen Sie Ihrem Kind nicht zu zeigen, dass Sie Ihre Frau oder Ihren Mann nicht mehr leiden können!


       Was Eltern tun können:
  • Scheidungskinder sind sehr empfindlich, darum müssen Sie Ihr Kind ein bißchen in Schutz
  • nehmen und so wenig wie möglich anschreien.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, dass es sich ruhig ausweinen kann!
  • Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie sich getrennt haben! Aber erklären Sie es so, dass es keine Schuldgefühle bekommt!
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind!
Nicht das Ereignis allein birgt Gefahren für die kindliche Entwicklung, im Gegenteil: Lange schwelende Konflikte, die verleugnet werden, wirken auf ein Kind viel bedrohlicher als ein offen ausgesprochenes Problem. "Papa geht, weil ich schlimm war," denkt manches Kind, wenn die Familie in die Brüche geht. Denn Kinder beziehen alles auf sich; sie halten sich für den Nabel der Welt. Eltern, die sich trennen, müssen ihrem Kind klarmachen, dass es selbst keine Schuld hat. "Die Scheidung ist für alle schlimm. Aber du bist nicht schuld daran. Wir sind froh, dass wir verheiratet waren und dich bekommen haben. Und das bleibt auch so."

Das Kind darf nicht zum Zankapfel werden

Gewiefte Sechsjährige wollen es manchmal ganz genau wissen. "Hat Mama den anderen Mann jetzt lieber als dich?" fragen sie rundheraus. Es ist zwar alles andere als einfach, aber kein anständiger Weg führt daran vorbei: Ziehen Sie das Kind nicht mit hinein. Ersparen Sie ihm Details. Es reicht aus, in einfachen Worten zu erklären, dass Mama und Papa nicht mehr zusammenleben wollen, aber dass sie beide das Kind genauso lieb haben wie vorher. Und umgekehrt: Ein Kind muss beide Eltern lieben dürfen. "Dein Vater, der Mistkerl, soll bleiben, wo der Pfeffer wächst," - das mag ja durchaus berechtigt sein. Für ein kleines Kind jedoch, das sich als Kind beider Eltern empfindet, ist es eine große Kränkung, wenn ein Elternteil über den anderen herzieht.
Ob Kinder zu Gewinnern oder Verlierern einer Scheidung werden, hängt unmittelbar mit dem Verhalten ihrer Eltern zusammen - vor, während und noch lange Zeit nach der Trennung. Die besten Erfahrungen machen Kinder, deren Eltern ihr Wohl nicht aus den Augen verlieren, auch wenn jeder mitunter etwas anderes darunter versteht. Die schlechtesten Erfahrungen jedoch machen Kinder, die sich tagtäglich als Zankapfel ihrer Eltern erleben.
So wie es Paul mit seinen Eltern dauernd erlebt. Die sechs anderen Kinder der Scheidungsgruppe sind sehr still, als Paul erzählt. Kaum ist er fertig, sprudeln einige geradezu über. Die achtjährige Laura nickt eifrig: "Meine sind auch oft so," sagt sie. "Sie streiten wegen jeder Kleinigkeit. Der kleine Lukas neben ihr winkt ab: "Ich gehe dann immer sofort in mein Zimmer, damit ich von dem Krach nichts mitkriege."
Die Kinder sammeln noch andere Ideen, was man tun kann. Paul sieht ein wenig erleichtert aus. "Du kannst deinen Eltern ruhig sagen, dass du sauer auf sie bist, wenn sie so blöde streiten," rät Marie. "Das vergessen die nämlich sonst!"

Den Bedürfnissen der Kinder entgegenkommen

Die Ehe, aber nicht die Familie aufzulösen, das ist ein echtes Kunststück. Doch es gibt Hilfen: Trennungsberatungsstellen helfen zerstrittenen Eltern, die Wogen soweit zu glätten, dass sie ihr Kind wieder in den Blick bekommen - denn das gerät im Rosenkrieg zuerst aus den Augen. Informationen zu Scheidungskindergruppen, die erfahrene Kindertherapeuten leiten, können Eltern oder Verwandte beim örtlichen Jugendamt erhalten. Diese können für Kinder, deren Eltern sich in den Querelen der Trennung verrannt haben, eine große Erleichterung bedeuten. Was Kinder sich von ihren getrennten Eltern wünschen, ist viel - und oft nicht zu leisten, wenn Trennungsschmerz und Wut einen zu überwältigen scheinen. Aber versuchen sollte man es auf jeden Fall.


Quelle: www..mobile-familienmagazin.de
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