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Fragt die Frauen!
 
Geschrieben von onedaydie am Montag, 23. Mai 2005

Nachrichten und Aktuelles Eine nachhaltige Politik für Familien in Deutschland muss auf die unterschiedlichen Lebensentwürfe von Frauen Rücksicht nehmen, die sich insbesondere in den Vereinbarkeitsstrategien von Familie und Beruf unterscheiden. Dann zeigen familienpolitische Maßnahmen Wirkung durch eine höhere Geburtenrate, eine höhere Lebenszufriedenheit und geringere Armutsrisiken. Dies unterstreicht Prof. Dr. Hans Bertram, Familiensoziologe an der Humboldt-Universität Berlin und Vorsitzender der 7. Familienberichtskommission, in einer Handlungsempfehlung für das Bundesfamilienministerium

In dem Gutachten "Nachhaltige Familienpolitik: Zukunftssicherung durch einen Dreiklang von Zeitpolitik, finanzieller Transferpolitik und Infrastrukturpolitik" gibt Prof. Dr. Bertram Empfehlungen für Rahmenbedingungen, die es jungen Erwachsenen ermöglichen, ihr Leben gemeinsam mit Kindern zu planen und zu realisieren. Er hebt hervor, dass sich eine nachhaltige Familienpolitik durch einen Mix aus Infrastrukturpolitik, vor allem den Ausbau der Kinderbetreuung, Zeitpolitik durch eine familienfreundliche Arbeitswelt und neu ausgesteuerte finanzielle Leistungen zur gezielten Unterstützung von Familien auszeichnet. Er bestätigt damit die Familienpolitik der Bundesregierung und die Strategien von Bundesministerin Renate Schmidt.

Zentrale Ergebnisse des Gutachtens

  • Veränderte Lebensumstände verändern den Kinderwunsch: Der Kinderwunsch ist keine statisch feststehende Größe. Er ist abhängig von individuellen Lebensumständen und Zukunftsvorstellungen. Eine nachhaltige Familienpolitik muss sowohl die Entscheidung für das erste Kind erleichtern als auch die Bedingungen für Mehrkindfamilien verbessern.
  • "Fragt die Frauen !" Junge Frauen stellen keine homogene Gruppe dar. Die Reaktionen der Frauen auf familienpolitische Maßnahmen fallen entsprechend ihrer Präferenzen unterschiedlich aus. 60 Prozent der jungen Frauen wünschen sich eine Vereinbarkeit der beiden Lebenswelten Familie und Beruf, ein Viertel ist ausschließlich berufsorientiert, 14 Prozent haushaltsorientiert. Die deutliche Mehrheit der befragten Mütter wünscht ein Modell, dass ihnen die Gestaltung der Erwerbstätigkeit auch in Abhängigkeit vom Lebensalter der Kinder ermöglicht, um auch die Bedürfnisse der Kinder in die Zeitstrukturen des Erwerbslebens mit einbauen zu können. Nachhaltige Familienpolitik muss so angelegt sein, dass sie die unterschiedlichen Lebensvorstellungen und Planungen zur Familiengründung und -erweiterung unterstützt.
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: In den Ländern, in denen die Präferenzen und Lebensvorstellungen der betroffenen Frauen und Männer Teil der Familienpolitik geworden sind, sind auch die Inkompatibilitäten zwischen den beruflichen Anforderungen und den familiären Verpflichtungen geringer geworden. Voraussetzung dafür ist, die Entwicklung von Infrastrukturangeboten im Bereich frühkindlicher Förderung sowie eine neue Zeitpolitik. Das betrifft Unterstützung bei der Karriereplanung oder auch die Verbesserung der Kinderbetreuung, das kann die Flexibilisierung der Arbeitszeitorganisation sein oder Hilfe bei der Jobsuche für den Partner bei erwarteter Mobilität.
  • Elterngeld erleichtert Entscheidung für Kinder: Positive Effekte sind auch durch ein lohnabhängiges Elterngeld wie in Schweden zu erwarten. Denn in einem Modell des Elterngeldes als Lohnersatz wird deutlich, dass die Entscheidung, sich für eine bestimmte Zeit verantwortlich um das eigene Kind zu kümmern, aus gesellschaftlicher Sicht genauso wichtig ist wie der Beruf, der gerade ausgeübt wird.

Eine Familienpolitik, die die traditionelle Konfrontation von Geldtransfers zu Infrastruktur überwindet und als intelligente Mischung aus Zeitoptionen, entwickelten Infrastrukturangeboten und Geldleistungen gestaltet, verspricht die größten Aussichten auf Erfolg.

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