Der Regierungsberater und Ökonom Karl Lauterbach hat die Einführung einer verpflichtenden Ganztags-Vorschule für alle drei-bis sechsjährigen Kinder verlangt."Es gibt keine drei Lebensjahre, die für Intelligenz, Lernfähigkeit und beruflichen Erfolg so wichtig sind wie die Zeit zwischen drei und sechs. Sie sind wichtiger als die 30 Jahre danach", sagte er der "Berliner Zeitung". Der SPD-Berater für den nordrhein-westfälischen Wahlkampf wolle sein Konzept an diesem Donnerstag in Berlin vorstellen.
"Nach der Bürgerversicherung brauchen wir die Bürgerschule", sagte Lauterbach. Auch mit der Aufteilung in Gymnasium, Realschule und Hauptschule wolle er Schluss machen. Ab dem Alter von sechs Jahren sollten alle Kinder eine ganztägige Gemeinschaftsschule besuchen, auf der sie je nach ihrer Begabung unterschiedlich gefördert werden könnten.
"Wir brauchen eine Schule für alle mit hoher Qualität", sagte Lauterbach. Ein wichtiges Anliegen sei dabei, bereits in der Vorschule präventive Gesundheitsversorgung zu betreiben. "Noch nie gab es so viele übergewichtige, rauchende und bewegungsarme Kinder wie jetzt", sagte Lauterbach. "Hier wächst die erste Generation heran, die kränker ist als die ihrer Eltern."
Die Kosten für die Umstellung des Bildungssystems bezifferte der Wissenschaftler auf etwa 20 Milliarden Euro im Jahr. Diese könnten seiner Meinung nach durch Kürzungen bei der Eigenheimzulage, bei den Steinkohle-Subventionen oder auch bei den Mitteln für die Beschäftigungspolitik finanziert werden.

