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Billig-Bahn-Tickets bei Lidl
 
Geschrieben von Redwood am Donnerstag, 19. Mai 2005

Verbraucherinformationen

Für 49,90 Euro verkauft Lidl Tickets für Reisen quer durch Deutschland. Doch die Fahrkarten gelten nicht unbegrenzt - und es gibt sie nur, solange der Vorrat reicht.












Vom 19. Mai an bieten die Lidl-Märkte mit der Deutschen Bahn in den rund 2600 Lidl-Filialen einen neuen Service: Zwei Fahrkarten für insgesamt nur 49,90 Euro. Die Tickets gelten für eine beliebig weite Bahnreise innerhalb Deutschlands. Der Käufer muss einfach Namen, Strecke, Datum eintragen, einsteigen und losfahren. Das günstige Angebot rechnet sich nach Angaben der Bahn bereits für eine Strecke ab etwa 160 Kilometern, beispielsweise von Hamburg nach Berlin. Die Fahrkarten werden verkauft, solange der Vorrat reicht, sie sind in allen Lidl-Filialen direkt an der Kasse erhältlich.

Gültigkeit bis Oktober 2005




Die Aktion dauert bis zum 28. Mai, die beiden Fahrkarten behalten aber bis zum 3. Oktober 2005 ihre Gültigkeit. Mit dem Bahnticket kann man eine einfache Fahrt in der 2. Klasse antreten, und zwar in allen Zügen der Deutschen Bahn. Mit den entsprechenden Aufpreisen können auch die ICE-Sprinter und die Züge von DB NachtZug sowie CityNightLine genutzt werden. Kinder unter sechs Jahren fahren wie immer kostenlos mit. Laut Deutscher Bahn sind aber ein Umtausch und die Rückerstattung für Karten aus diesem Kontingent nicht möglich.







Mit der Aktion und dem ungewöhnlichen Vertriebsweg will die Bahn zeigen, wie attraktiv Bahnfahren ist. "Wir wollen mit diesem Angebot neue Kunden gewinnen", so Jürgen Büchy, Vertriebschef Personenverkehr der Deutschen Bahn. Deshalb werden die Tickets auch bewusst außerhalb der Bahnhöfe angeboten und soll Menschen erreichen, für die bisher Bahnfahren nicht in Frage kam. 

Zum Verkaufsstart erwartet Lidl einen Kundenansturm - und auch die Bahn erhofft sich von dem 50-Euro-Angebot beim Discounter neue Kunden. Doch die Stiftung Warentest dämpft jetzt die Erwartungen.

In Lidl-Supermärkten gibt es ab 19. Mai zwei deutschlandweit gültige Fahrkarten für 49,90 Euro. Doch nach Ansicht der Stiftung Warentest rechneten sich die Discount-Bahntickets "längst nicht für jeden". Vor allem für kurze und mittlere Strecken gebe es oft günstigere Angebote, so die Stiftung. Zugleich warf sie der Deutschen Bahn vor, sie mache den Tarifdschungel immer undurchschaubarer. Bahn-Sprecher Achim Stauß zeigte sich über die Kritik verwundert. "Man kann mit dem Ticket nichts falsch machen", sagte er.




Oft geht es auch preiswerter




Nach Angaben der Bahn rechne sich das Angebot bereits ab einer Strecke von etwa 160 Kilometern, so die Warentester. Tatsächlich aber gelangten viele Kunden auch bei längeren Reisen mit anderen Fahrkarten preiswerter ans Ziel. Vor allem wenn mehrere Personen gemeinsam führen, seien zum Beispiel Wochenend- imd Ländertickets oder die Sparpreise oft günstiger.







Den beliebten Mitfahrerrabatt gebe es beim Lidl-Ticket nicht. Auch für viele Familien lohne sich das Billigangebot nicht: Während andere Bahntickets häufig die kostenlose Mitnahme von Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren ermöglichten, würden diese Sprösslinge beim Lidl-Ticket wie Erwachsene zur Kasse gebeten. Außerdem kritisierten die Verbraucherschützer, dass an einer Discounter-Kasse Preisvergleiche und Kundeninformation nicht zu erwarten seien.







Bahn-Sprecher Stauß erwiderte, das Angebot sei außerordentlich preiswert und in der Handhabung einfach. Es richte sich an Neukunden und Impulskäufer. "Die, die es kaufen, werden schon die richtige Wahl treffen."




Allerdings soll dies nicht für diejenigen gelten, die die Billigbillets über Wiederverkäufer erwerben. "Der Weiterverkauf der Tickets ist nicht erlaubt", sagte ein Bahnsprecher dem "Tagesspiegel". Man stehe unter anderem mit dem Internet-Auktionsanbieter Ebay in Kontakt. "Entdecken wir dort Angebote, sprechen wir Ebay an. Diese Angebote werden dann von Ebay runtergenommen." Schon nach den ersten Berichten über die neuen Tickets habe es Versuche gegeben, Billigtickets im Voraus zu versteigern. Die Bahn werde auch den Verkauf bei anderen Anbietern von Internet-Auktionen unterbinden, so der Sprecher.




Reisebüros wollen einstweilige Verfügung erwirken




Dass die Aktion bei Lidl noch in letzter Minute von den Gerichten gestoppt werden könnte, hält die Bahn für unwahrscheinlich. Der Reisebüro-Verband versucht derzeit, eine einstweilige Verfügung dagegen zu erwirken. "Wir gehen davon aus, dass wir planmäßig mit dem Verkauf starten können", sagte der Bahnsprecher. Er versicherte, dass man den Reisebüros mit der Aktion auch keine Konkurrenz machen wolle. Ob es künftig wieder Billigtickets bei Lidl oder einem anderen Einzelhändler geben werde, hänge auch davon ab, wie viele Neukunden die Bahn jetzt gewinnen könne. Das werde nach der Aktion zunächst analysiert. "Die überwiegend sehr positiven Reaktionen bisher ermutigen uns aber", sagte der Sprecher.

Quelle: stern.de

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