Die deutschen Ärzte haben vor den gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit und Armut gewarnt. Sie ließen Menschen früher altern und förderten ungesunde Verhaltensweisen.Auch aus medizinischer Sicht ist die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit wichtig. Das betonten Ärzte am Mittwoch auf dem Deutschen Ärztetag in Berlin. «Wer arbeitslos ist, lebt deutlich ungesünder», sagte Rudolf Henke, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheitsförderung der Bundesärztekammer. «Arbeitslosigkeit und Armut machen krank – bis in die folgende Generation», so Henke.
Arbeitslose seien wegen ihrer Probleme weit weniger als Berufstätige motiviert, zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen und würden deshalb öfter krank. Außerdem ließen Erwerbslosigkeit und Armut früher altern und beförderten ungesunde Verhaltensweisen.
Nicht nur soziale Schicht und Einkommen seien von Bedeutung, hieß es. Auch die Wohnsituation und die Erwerbstätigkeit seien wichtig. Schlechte Arbeitsbedingungen verbunden mit Angst um den Job bedeuteten im Einzelfall ein noch größeres Gesundheitsrisiko als Phasen der Arbeitslosigkeit.
Die Ärztekammer schlug vor, sozial Schwache von der Praxisgebühr zu komplett zu befreien. Außerdem sollten nur von Erwachsenen Zuzahlungen bei Arzneimitteln verlang werden. Bislang sind nur Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren von der Zuzahlung befreit. Ärzte sollten in den «unterprivilegierten Lebenswelten» öfter zu den Patienten gehen, regte die Kammer an. Doch unter dem Strich könnten nur mehr Arbeitsplätze dazu führen, «die gesundheitlich katastrophalen Folgen» der Beschäftigungslosigkeit zu verhindern. «Wir Ärzte können Deutschland nicht mit dem Skalpell in eine Insel der Glückseligen verwandeln», sagte Henke.
