In NRW werden 23 Richterstellen neu eingerichtet
Drei Monate nachdem die Arbeitsmarktreformen in Kraft getreten sind, stapeln sich bei den Sozialgerichten in NRW bereits die Akten in Sachen Hartz IV. Viele Betroffene wehren sich gerichtlich dagegen, dass sie jetzt weniger Geld vom Staat erhalten.
Auf ein Urteil muss die Duisburgerin jedoch noch Monate warten. Durchschnittlich ein Jahr dauert es, bis am Sozialgericht ihrer Stadt ein Fall entschieden wird, wenn er nicht als eilbedürftig eingestuft wird. Allein der Anwalt von Angelika Niebel vertritt vier weitere so genannte Stiefkinderfälle. Und er sieht gute Chancen für seine Mandantin. "In vergleichbaren Fällen haben Sozialrichter den Klägern bereits Recht gegeben", sagt Wolfgang Conradis.
Von den Klagen überrollt
Und auch in Düsseldorf hatte man mit dem Ansturm nicht gerechnet. "Schon im März mussten wir eine dritte Kammer aufmachen, die Hartz IV-Fälle bearbeitet. Auch die wird nicht ausreichen. Wir werden in diesem Jahr noch weitere Kammern aufmachen müssen", sagt der Pressesprecher des Düsseldorfer Sozialgerichts, Volker Schwarz.
Mehr Richter für die Hartz IV-Fälle
Dabei rollt die große Klagewelle erst in den nächsten Monaten richtig an, wenn die Verfahren bei den Arbeitsagenturen abgeschlossen sind. In vielen Städten Nordrhein Westfalens wurden die Bewilligungsbescheide ungeprüft erteilt und bis zum 31. März oder zum 30 April befristet. Dann erst entscheidet sich zum Beispiel, wer in einer zu großen Wohnung wohnt und daher umziehen muss.
Egal ob es um Stiefkinderfälle, die Anrechnung des Partnereinkommens oder die Größe des zulässigen Wohnraums geht - viele der Hartz IV-Verfahren sind für die Juristen nicht einfach zu lösen. "Wir betreten in etlichen Fällen juristisches Neuland und da sind einige Klagen dabei, die ein hohes Konfliktpotential haben", so der Duisburger Gerichtssprecher Otterbach. Immerhin ahnt man im Justizministerium, was in den nächsten Monaten noch auf die Sozialgerichte des Landes zukommt und hat daher die Zahl der Richterstellen deutlich aufgestockt. "Wir haben insgesamt 23 neue Stellen in NRW erhalten. Die werden jetzt sukzessive besetzt, um Schritt zu halten mit dem Anwachsen der Fälle", sagt der Sprecher des Landessozialgerichts, Jan-Robert von Renesse. Soviel steht nach drei Monaten Hartz IV wohl fest: An Arbeit wird es auch den neuen Kollegen mit Sicherheit nicht mangeln.
Quelle: www.wdr.de
