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Datenschützer will Moratorium für biometrische Pässe
 
Geschrieben von sylvie am Donnerstag, 21. April 2005

Nachrichten und Aktuelles

Der Bundesbeauftrage für den Datenschutz, Peter Schaar, hat sich gegen Pläne der Regierung gewandt, im Herbst Pässe mit gespeicherten Körpermerkmalen einzuführen.


Peter Schaar (Foto: dpa)Dies sei "vorschnell", sagte Schaar bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts in Berlin.

Man könne nicht "unausgereifte Techniken und unsichere Verfahren" einführen, nur weil die USA ansonsten mit verschärften Einreisebestimmungen drohten. Angesichts ungeklärter Fragen forderte Schaar ein Moratorium bis Sommer nächsten Jahres. Sorgfalt müsse vor Schnelligkeit gehen.

Schaar warnte, dass moderne Technologien es immer besser ermöglichten, den Einzelnen heimlich zu überwachen. "Die kommenden Jahre werden entscheidende Weichenstellungen bringen, ob angesichts dieser qualitativ neuen Möglichkeiten das Persönlichkeitsrecht bewahrt werden kann", heißt es in dem Bericht. Schaar beklagte, dass die Modernisierung des Datenschutzes keine Fortschritte macht.

Schaar forderte von der Bundesregierung auch ein Gesetz zur Begrenzung der Telekommunikationsüberwachung. Besonders kritisch bewertete er eine auf EU-Ebene diskutierte Initiative zur Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten für zwölf bis 36 Monate.

Als Alternative beschrieb Schaar die US-Strafverfolgungspraxis. Auf Ersuchen der Behörden müssten dort die elektronischen Daten von den Dienstanbietern zwar weiter gespeichert werden. Sie könnten aber nur auf Grund eines richterlichen Beschlusses innerhalb von 90 Tagen herausgegeben werden.

Bei ALG II zu viele Daten erfasst

Vor einer Einschränkung des Richtervorbehaltes bei der DNA-Analyse von Straftätern, wie sie in der rot-grünen Koalition diskutiert wird, warnte Schaar. Er machte auch keinen Hehl aus seinen verfassungsrechtlichen Zweifeln an der Kontenabfrage zur Fahndung nach Steuerhinterziehern, die die Finanzämter seit 1. April veranlassen können.

Auch bei der Einführung des Arbeitslosengeldes II seien in den ersten Formularen zu viele Daten erfasst worden, die noch immer in den Akten vorhanden seien, bemängelte Schaar.

Außerdem hätten zu viele Mitarbeiter der Arbeitsagenturen Zugriff auf die Daten. Die Zugriffe würden noch nicht einmal protokolliert.

(N24.de, Netzeitung)

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