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Psychologische Schlüsselbegriffe: Idealisierung
 
Geschrieben von onedaydie am Montag, 18. April 2005

Was man dringend mal lesen sollte

Psychologische Schlüsselbegriffe: Idealisierung

Wenn man verliebt ist, wie leicht wird der Liebespartner oder die Angebetete durch eine rosarote Brille gesehen, verklärt und bewundernd auf einen Sockel gehoben.

Dem Kind dient die Idealisierung als Orientierungshilfe

Eine unrealistische Übertreibung der positiven Eigenschaften eines Menschen bezeichnet man als Idealisierung.
Wenn ein kleines Kind seine Eltern als vollkommen erlebt und bewundert, dann dient diese Idealisierung zunächst dem seelischen Wachstum, weil sie das kleine Wesen davor bewahrt, sich hilflos und ohnmächtig zu fühlen.

Es ist wichtig, dass Eltern diese Idealisierung auch annehmen, ohne zu glauben, sie seien tatsächlich so ideal. Die Entidealisierung kommt irgendwann von alleine und beginnt normalerweise mit der Schulzeit. Allmählich werden die Eltern dann unwichtiger und Freunde immer wichtiger.
Wenn Kinder schließlich merken, dass die Eltern vieles doch nicht können und gar nicht so vollkommen sind wie sie geglaubt haben, ist das für beide Seiten häufig schwierig. Selbstbewussten Eltern fällt es jedoch meist leichter, sich auch mit ihren Schwächen zu zeigen.

Idealisierung als Ausdruck von Aggression

Wenn der oder die Angebetete vom Sockel herunterfällt, ist die Enttäuschung groß. Vielleicht merkt man dann, dass die bewunderte Person bestimmte Qualitäten hat, die man selbst auch gerne hätte oder gut gebrauchen könnte. Hinter dem Bedürfnis zu idealisieren, verbirgt sich häufig die Sehnsucht nach Sicherheit und Orientierung.

Hinter Idealisierungen können sich aber auch aggressive und stark abwertende Impulse verbergen. Die Psychoanalytikerin Anna Freud erkannte, dass Idealisierungen auch der Versuch sind, mit negativen Gefühlen fertig zu werden. Eine Entidealisierung ist Voraussetzung für gelingende Ablösungsprozesse nicht nur in der Eltern Kind-Beziehung, damit man den anderen lieben kann, so wie er oder sie wirklich ist.

Oft können übertriebene Idealisierungen auch krank machen: Etwa Essstörungen gehen häufig einher mit einer Idealisierung der Mutter. Sie zu idealisieren hilft, bedrohliche Gefühle im eigenen Inneren abzuwehren. Auf der bewussten Ebene wird sie für die beste Mutter auf Erden gehalten, aber tief unbewusst versucht man mit aller Macht, sie aus dem Körper heraus zu drängen.

Hinter einer Idealisierung können sich also höchst zornige Gefühle verbergen. Ein Mechanismus, der oft nicht leicht zu durchschauen ist. Die Idealisierung spielt zum Beispiel auch eine Rolle, wenn in Scheidungsfamilien besonders die Töchter dazu neigen, den abwesenden Vater anzuhimmeln.

Von Lisa Laurenz
Manuskript-Nr. 05-037
Quelle:www.hr-online.de
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