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Beschnittene Frauen können nach der Geburt wieder zugenäht werden
 
Geschrieben von tomtom am Donnerstag, 14. April 2005

Nachrichten und Aktuelles Die UN-Sonderbotschafterin gegen Genitalverstümmelung, Waris Dirie, fordert ein Verbot der in Deutschland gelegentlich belegten Praxis, dass beschnittene Frauen nach der Geburt eines Kindes, wieder zugenäht werden.

"Ich halte das für einen Skandal", sagte das frühere Top-Model aus Somalia, dem Tagesspiegel.
Die 39-Jährige sieht darüberhinaus weitere Gesetzeslücken in Deutschland.
Wenn hier geborene Mädchen im Heimatland ihrer Eltern beschnitten werden,
können die Eltern in Deutschland nicht belangt werden. Dagegen sind solche
"Beschneidungs-Ferien" in Frankreich und die Großbritannien längst verboten.
Auch eine Reihe von Bundestagsabgeordneten kritisiert die Praxis. Die SPD-Bundestagsabgeordnete
Angelika Graf findet: „Es kommt gar nicht darauf an, ob sich die Betroffene das wünscht.“
Wenn ein Arzt wieder zunähe, „muss auch über dessen Approbation geredet werden“. Ihre Kollegin
Birgitt Bender (Grüne) sagt: „Das halte ich für unethisch. Das kann einfach nicht sein, dass
Frauen wieder so zugerichtet werden.“
Sibylle Laurischk (FDP) sieht darin einen „schwer wiegenden Fall von Körperverletzung“.
Während Antje Blumenthal (CDU) eher zurückhaltend von einer „ethischen Entscheidung der Ärzte“
spricht. Ein solcher Fall soll sich vor einiger Zeit an der Frauenklinik der Universität München
zugetragen haben. „Das haben die zugegeben“, sagt die Autorin Fadumo Korn („Geboren im großen
Regen“). Auf eine entsprechende Frage der Münchner Stadtverwaltung antwortete die Klinik:
„Wir empfehlen nicht das Vernähen der Schamlippen, wenn die Patientin jedoch darauf besteht, und
sie dies dezidiert wünsche (ohne dass der Mann hier insistiert), würden wir dem Wunsch auch
entsprechen.“
Ganz so will das der Leiter der Klinik, Professor Klaus Friese, dann doch nicht verstanden wissen.
„Das waren ein paar Stiche eher im Rahmen der Wundversorgung“, sagte er dem Tagesspiegel.

Die Berliner Ärztin Sabine Müller, die viel mit beschnittenen Frauen zu tun hat, kann gar nicht
verstehen, warum sich jemand darüber aufregen kann. Sie findet sogar, dass es dann, wenn eine
Frau zur Geburt geöffnet werden muss, die „heilige Pflicht des Arztes“ sei, diese wieder zuzunähen.
„Außerdem blutet es sehr“, sagte sie.

Quelle: Der Tagesspiegel 07.04.2005
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