Für Kinder unter drei Jahren fehlen in Deutschland nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mehr als 1,2 Millionen BetreuungsplätzeVor allem Westdeutschland habe gewaltigen Nachholbedarf, wenn die Nachfrage von Müttern, die gern erwerbstätig wären, befriedigt werden solle, schreibt das Institut in seinem aktuellen Wochenbericht.
Für Kinder bereits erwerbstätiger Frauen würden rund 235.000 Plätze benötigt. Dieser Bedarf könne mit dem von der Bundesregierung geplanten Ausbau annähernd gedeckt werden. Darüber hinaus besteht jedoch ein Bedarf für Kinder von Müttern mit einem starken Erwerbswunsch. Insgesamt könnten in ganz Deutschland über 1,2 Mill. Kinderbetreuungsplätze tatsächlich nachgefragt werden.
Das DIW hat nach eigenen Angaben neue Berechnungen auf Grund repräsentativer Befragungen angestellt. In Westdeutschland stünden durchschnittlich nur 2,5 Plätze für 100 Kinder unter drei Jahren zur Verfügung, in Ostdeutschland 35 Plätze. Insgesamt nehme Deutschland im europäischen Vergleich einen der hinteren Plätze ein. Gleichzeitig sei die Erwerbstätigkeitsquote der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren niedriger als im europäischen Ausland. In Dänemark und Frankreich seien beispielsweise 74 beziehungsweise 59 Prozent der betreffenden Frauen erwerbstätig.
Bei der Finanzierung eines bedarfsgerechten Ausbaus der Kinderbetreuung sehen viele Kommunen aufgrund ihrer schlechten Haushaltslage häufig wenig Spielraum. Der Gemeindefinanzausgleich sollte deshalb kurz- bis mittelfristig so umgestaltet werden, dass dabei die Zahl der Kinder im vorschulischen Alter berücksichtigt wird. Ferner sollte auch an mittel- bis langfristigen Reformen weitergearbeitet werden, die eine nachhaltige Finanzierung der Betreuungsinfrastruktur für Kinder sicherstellen, indem diese Infrastrukturleistungen z. B. über eine Familienkasse finanziert werden.
dpa
