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Trennungsangst bei Kleinkindern
 
Geschrieben von onedaydie am Montag, 11. April 2005

Wissenswertes das AEs betrifft Wenn Kindergartenkinder morgens beim Abschied von Mama großes Theater machen, ist Konsequenz angesagt. Denn meistens sind die Tränen im nächsten Moment schon wieder getrocknet. Anders sieht es aus bei Kleinkindern unter Drei. Die haben oft echte Trennungsängste und brauchen viel Unterstützung bei ihren ersten Schritten ohne Mama und Papa.


InformationKontakt:
Elternberatung Oberursel
Hospitalstrasse 9
61440 Oberursel
Tel.: 06171 / 585359

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Weil sie bald wieder arbeiten gehen möchte, bringt Frau H. ihren zweijährigen Sohn Nicki seit ein paar Wochen in einen Krabbelkreis. Bisher wurde der Kleine nur von ihrer Mutter und einer engen Freundin betreut; jetzt soll sich der Kreis der Bezugspersonen erweitern. Aber Nicki macht bis jetzt nicht mit wie geplant. Er hat immer noch Probleme mit der Trennung von seiner Mutter. Solange sie sich in Sichtweite befindet, ist für ihn die Welt noch in Ordnung. Verlässt sie den Raum, fängt er bitterlich an zu weinen. Das möchte sie ihrem Sohn nicht antun – und bleibt während des Krabbelkreises da. Der Kindergarten hat ihr zwar nahegelegt, lieber früher als später den Trennungsschritt zu gehen, aber sie hat sich Rat geholt und beschlossen, solange zu bleiben, wie ihr Sohn es einfordert.

Denn fest steht: Trennungssituationen, gerade in sehr jungem Alter, sind nicht zu unterschätzen. Die ersten eineinhalb bis zwei Jahre fühlen sich Kinder meist mit der Mutter symbiotisch verbunden und können noch nicht begreifen, dass eine Trennung nicht für immer ist. Mit zirka zwei Jahren werden sich die Kleinen einer neuen Unabhängigkeit bewusst – und brauchen erneut besonders viel Sicherheit von Seiten der nahen Bezugspersonen. Die sind ihr Schutz vor der Welt, und Trennungsängste – in bestimmten Entwicklungsphasen auch als Fremdeln bezeichnet – eine ganz normale Reaktion.

Dazu können individuell geprägte Trennungsängste kommen – Reaktionen auf Veränderungen und Spannungen in der Familie, auf schlimme Trennungserfahrungen, vielleicht auch auf versteckte Ängste der Mutter vor dem Loslassen.
Sollen Trennungen angstfrei gelingen, müssen die Kleinen deshalb sehr behutsam und geduldig an fremde Umgebungen und neue Bezugspersonen herangeführt werden – bis sie so weit Vertrauen gefasst haben, dass sie bereit sind, ihre engste Bezugsperson wenigstens zeitweise mit einer anderen zu ersetzen.

Die Familientherapeutin und Leiterin der Familienberatung Oberursel, Inken Seifert-Karb, empfiehlt Eltern:
Je jünger die Kinder, desto konstanter und regelmäßiger muss eine Fremd-Betreuung sein. Die Kinder haben nur dann eine Chance, sich an neue Bezugspersonen und ein fremdes Umfeld zu gewöhnen, wenn sie das möglichst täglich wiederfinden. Also lieber jeden Tag ein paar Stunden als ein-oder zweimal in der Woche den ganzen Tag.

Laut Kleinkindforschung für Kinder bis Zwei die beste Betreuungs-Lösung: Bezugspersonen, bei denen sie sich genauso geborgen fühlen wie zu Hause. Das können Oma und Opa, andere nahe Familienmitglieder oder auch eine Kinderfrau sein. Menschen, bei denen das Kleinkind die sichere Erfahrung gemacht hat: auch wenn Mama geht - sie sind jederzeit für es da.
Auch Tagesmütter können zu festen Bezugspersonen werden – vorausgesetzt, die Chemie stimmt und die Eingewöhnungszeit ist lang genug. Denn hier muss ein Kind sich nicht nur auf eine vorerst Fremde einlassen, es muss sie auch mit - bestenfalls nur - zwei bis drei anderen Kindern teilen. Besser ist eine Tagesbetreuung deshalb für etwas ältere Kleinkinder, die nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Erwachsenen brauchen.

Anfängliche Trennungsschwierigkeiten sind normal und müssen respektiert werden. Eltern sollten sich Zeit nehmen und solange in der Nähe ihres Kindes bleiben, bis es sie nicht mehr braucht – auch wenn manche Tagesmutter die Trennungsphase lieber abkürzt.
Auch bei der Tagesbetreuung gilt: Regelmäßigkeit und Kontinuierlichkeit gibt den Kindern Sicherheit. Manchmal tauchen Trennungsängste nach längeren Pausen wie Ferien oder Krankheit noch einmal auf - aber mit genug Geduld von Seiten der Eltern wie der Tagesmutter wird sie das Kind schnell wieder überwinden.

Anders ist es, wenn Ängste andauern, wenn das Kind vor der Betreuung weint, sich weigert, hinzugehen oder dortzubleiben, zu Hause schlecht schläft oder andere Veränderungen zeigt. Dann heißt es, mit der Tagesmutter zu reden und nach Gründen zu suchen. Gibt es Streit zwischen den Kindern, verstehen sich Kind und Tagesmutter nicht, oder haben die Eltern irgendwelche Vorbehalte, die sich aufs Kind übertragen? Vielleicht lassen sich die Ursachen beseitigen, vielleicht muss aber auch eine andere Betreuung gefunden werden, denn wie die Therapeutin Inken Seifert-Karb weiß:
"Wenn eine Trennung forciert wird, kann keine Bindung zu der neuen Bezugsperson aufgebaut werden, das Kind steht, auch wenn es bei der Tagesmutter bleiben muss, unter hohem Stress."

Je anonymer das Umfeld, desto problematischer ist für Kleinkinder eine Trennung. Deshalb stellen beispielsweise betreute Spielplätze für die unter Dreijährigen eine schwierige Herausforderung dar. Auch wenn sie bei Eltern sehr im Trend liegen – als vermeintliche Möglichkeit, die Kinder an frühe Selbständigkeit und Sozialkontakte zu gewöhnen und als Weg, mal ein paar kinderfreie Stunden zu verbringen – für Kleinkinder sind sie nur bedingt geeignet.
Je jünger die Kleinen, desto vorrangiger ist ihr Bedürfnis nach greifbaren Bezugspersonen. Viele Kinder, wenige Erwachsene wie auf den betreuten Spielplätzen – das können nur Kinder genießen, die weit genug sind für eine so große Selbständigkeit. Deshalb sollten Eltern genau hinschauen, ob ihr Nachwuchs mit der Situation wirklich gut zurechtkommt. Und ihn keinesfalls nötigen, zu bleiben, wenn er Ängste zeigt.

Für kleine Kinder ist jede Trennung ein großer Schritt. Um ihn zu gehen, brauchen sie Sicherheit, Selbstvertrauen und ihren eigenen Rhythmus. Der Wunsch und Anspruch vieler Eltern, ihre Kleinen möglichst früh "in die Fremde" zu schicken, ist nicht unbedingt im Sinne der Kinder. Wer kann, sollte ihnen Zeit lassen, um sich abzunabeln. Wer auf Fremdbetreuung angewiesen ist, sollte sie langsam daran gewöhnen und genug Zeit mitbringen, um ihnen beizustehen.

Bei Nicki wird es vielleicht noch ein paar Wochen dauern, bis er seine Mutter wirklich loslassen kann. Am Besten wird die Trennung schließlich klappen, wenn sie ganz von selbst und ohne Angst geschieht ...

Unsere Expertin für Trennungsängste und den Umgang mit ihnen war die Familien- und Paartherapeutin Inken Seifert-Karb von der Elternberatung Oberursel. Die Beratungsstelle hat sich auf die Information rund um psychologische, pädagogische und medizinische Fragen der frühkindlichen Entwicklung spezialisiert und berät Familien in allen Fragen, die im Leben mit Kleinkindern auftauchen.


Autorin: Katja Devaux

Quelle: www.hr-online.de
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