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Wenn der Vater fehlt ...
 
Geschrieben von onedaydie am Sonntag, 10. April 2005

Nachrichten und Aktuelles Wenn der Vater fehlt ...
Viele Kinder wachsen heute ohne Vater auf. Und das nicht nur, weil die Eltern getrennt leben, sondern auch, weil sich manche Väter einfach aus dem Familienleben und der Kindererziehung raus halten.


Die Bedeutung von anwesenden Vätern
Für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls und einen eigenen sexuellen Identität bei Jungen und Mädchen sind Väter von entscheidender Bedeutung. Zum einen als Vorbild, als Bezugsperson, als jemand, der das Kind bestätigt, ohne ihm zu nahe zu treten.


Der Vater hilft dem Kind aus dem sehr engen Abhängigkeitsverhältnis zur Mutter herauszukommen und so einen eigenen Standpunkt im Leben zu finden.

Der Vater ist wichtig für das Rollenspiel. In der Mini-Gruppe „Vater, Mutter, Kind“ können Kinder lernen, mit den verschiedenen Geschlechtern umzugehen, die eigene Identität finden, soziale Kompetenz entwickeln. Diese Erfahrung ist wichtig für alle späteren sozialen Beziehungen.

Väter gehen mit Kindern anders um als Mütter, sie können auf Aggressionen anders reagieren, sind für Jungen Vorbilder.

Die Wirkung der abwesenden Väter
InformationKontaktadresse:
Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. - Bundesvorstand
Hasenheide 70
10967 Berlin
Tel.: 030 / 6959786
Fax: 030 / 69597877
www.vamv.de
kontakt@vamv-bundesverband.de
Väter, die nicht in der Familie leben und ihre Kinder nur wenig oder nie sehen, hinterlassen bei den Kindern ein großes Defizit. Aber auch Väter, die in der Familie leben aber durch Berufstätigkeit oder andere Umstände selten Zeit mit ihren Kindern verbringen oder kein Interesse an den Kindern zeigen, beeinflussen die Entwicklung ihrer Kinder durch ihre Abwesenheit nicht immer zum Guten.

Gefahren:
Rechtsradikalismus: Studien zeigen, dass rechtsradikalen Jugendlichen überproportional häufig eine männliche Bezugsperson fehlte.

Mediale Ersatzvorbilder: Ob Superman oder Star Wars-Helden, in ihnen erfüllt sich die kindliche Sehnsucht nach einem idealisierten Vater, einem Mann ohne Schwächen – einem unrealistischen Vorbild.

Psychische Störungen: Die Mannheimer Langzeitstudie über die Geburtenjahrgänge 1935-1945 zeigt: Kriegskinder, die bis zum sechsten Lebensjahr ihren Vater nicht kannten, haben noch 50 Jahre später ein deutlich höheres Risiko für psychische Störungen.

Schulleistungsstörungen, Depressionen, Aggressivität, und Essstörungen können im Zusammenhang mit einem abwesenden Vater stehen.

Tipps für Mütter
InformationBuchtipps:
Psychologie heute: "Wenn der Vater fehlt" (Heft 3/2004)

Karl Bebauer:
"Väter gesucht. 16 exemplarische Geschichten"
Patmos Verlag

Wolfgang Bergmann:
"Kleine Jungs – große Not. Wie wir ihnen Halt geben"
Patmos Verlag

Markus Hofer:
"Kinder brauchen Väter. Söhne und Töchter über ihre Väter"
Topos Verlag

Lothar Schon:
"Sehnsucht nach dem Vater. Die Dynamik der Vater-Sohn-Beziehung"
Klett-Cotta Verlag
Auch wenn es manchmal schwer fallen mag: Mütter sollten ihren Kindern den Vater nicht schlecht reden, denn Kinder lieben den Papa erst einmal - egal, wie der ist.
Andrerseits sollten Mütter den abwesenden Vater auch nicht ständig in Schutz nehmen, verteidigen oder entschuldigen. Wenn der Vater mit Abwesenheit glänzt, zu einem vereinbarten Termin nicht kommt, gilt es das Kind darin zu unterstützen, mit dieser Enttäuschung fertig zu werden und das Verhalten des Vaters selbst einzuordnen.

Mütter sollten ihre Kinder unterstützen, ein möglichst realistisches Vaterbild zu entwickeln: durch Erzählungen, durch Fotos und - wenn es die Sicherheit des Kindes nicht gefährdet - durch Kontaktmöglichkeiten zum Vater. Sonst kann es schnell passieren, dass das Kind sich einen idealen Phantasievater ausmalt, der gut, lieb und zum Beispiel wenig streng ist. Das ist gerade für Mütter schwer, die im Alltag aber auch mal streng und energisch sein müssen, sie stehen dann im Vergleich zum Phantasievater immer schlecht da.
Mädchen und Jungen brauchen den Kontakt zu erwachsenen männlichen Bezugspersonen. Kann ein Großvater, Patenonkel oder der neue Freund der Mutter für die Kinder eine männliche Bezugsperson werden? Gibt es einen Kindergarten mit Kindergärtnern? Gibt es verantwortungsbewusste Jugendliche, die mal mit den eigenen Jungen toben, Fußballspielen könnten?

Ein Vater ist zwar nicht zu ersetzen, aber das Vaterdefizit kann durch eine starke Mutter und männliche Bezugspersonen verkleinert werden. Für Mütter kann es sehr hilfreich sein, ein Beratungsgespräch zum Beispiel bei einem Kinderpsychologen beziehungsweise Psychotherapeuten wahrzunehmen, um Tipps für die Unterstützung der Kinder ohne Vater zu erhalten. Helfen kann auch der Verband alleinerziehender Mütter und Väter.


Autorin: Nathaly Parker


Quelle: www.hr-online.de
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