Ende 2004 waren in Deutschland nach Angaben des Frankfurter Finanzdienstleisters ConCardis 22 Millionen Kreditkarten im Umlauf - 1,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor.Gleichzeitig ist die Kreditkarte aber eines der kompliziertesten Produkte überhaupt. Das liegt an der Vielfalt an Varianten: «Es gibt so viele Kreditkarten, wie es Banken gibt, und das sind mehrere tausend», sagt der Kreditkarten-Experte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest in Berlin.
Anbieter: In Deutschland teilen sich vier Systeme den Markt. Nach Angaben von ConCardis erreichen die Marktführer Mastercard und Visa Marktanteile von 49 beziehungsweise 43 Prozent. Nur die beiden kleineren Anbieter American Express und Diners, die auf Anteile von 7 und 1 Prozent kommen, geben ihre Karten auch selbst aus. Dagegen sind Mastercard und Visa Lizenzgeber. Ihre Karten erhält man nur durch Vermittlung einer Bank.
Co-Branding: Wenn es mehrere tausend Varianten von Kreditkarten gibt, so hängt das auch mit dem Trend zum Co-Branding zusammen. Dabei kommt ein weiterer Partner dazu, etwa ein Automobilclub, der die Kreditkarte auch als Kundenkarte nutzt. Da es dabei um Kundenbindung geht, wird die Jahresgebühr nicht selten erlassen.
V.I.P.-Karten: Das Gros der Verbraucher besitzt Standardkarten ohne besondere Zusatzleistungen. Doch die Anbieter nehmen zunehmend «Edelkunden» ins Visier. Für sie gibt es Premiumkarten mit noblem Design, zusätzlichem Versicherungsschutz und anderen Extras. «Immer mehr Wettbewerber drängen in diesen Markt», sagt Ursula Hellstern vom Unternehmen American Express in Frankfurt, das mit der Centurion Card die wohl exklusivste Karte anbietet. Sie kostet 1000 Euro im Jahr, wird nur auf Einladung vergeben und umfasst auch einen Concièrge-Service «für ausgefallene Wünsche».
Debit-Karten: So genannte Debit-Karten funktionieren ähnlich wie EC-Karten und wie diese nur in Verbindung mit einem Girokonto. Auch hier wird der Betrag wenige Tage nach dem Einkauf abgebucht.
Charge-Karte: Bei der Charge-Karte - dem Regelfall - erhält der Kunde einmal im Monat eine Rechnung, die per Lastschrift vom Konto eingezogen wird. Das durchschnittliche Zahlungsziel beträgt auf diese Weise mindestens zwei Wochen, eine Spanne, in der die Kunden über einen zinslosen Kredit verfügen. «Der Vorteil wirkt sich gegenüber einer Debit-Karte aber nur aus, wenn auf dem Girokonto Guthabenzinsen gezahlt werden», gibt Marcus Schoene von Visa in Frankfurt zu bedenken.
Echte Kreditkarten: Im strengen Sinne sind weder Debit- noch Charge-Karten echte Kreditkarten. Doch solche gibt es auch - sie erfreuen sich sogar wachsender Beliebtheit. Echte Kreditkarten räumen einen eigenen Kreditrahmen ein. Der Betrag kann wahlweise in einer Summe oder in Raten zurückgezahlt werden. «Die Zinsen sind aber meist ein paar Prozentpunkte höher als bei der Bank», warnt Döhler.
Prepaid-Karten: Aufladbare Kreditkarten gab es in Deutschland bislang nicht. Jetzt geht American Express mit der Travelers Cheque Card an den Start. Die mit bis zu 2500 Euro aufladbare Karte eignet sich, auch wegen vergleichsweise geringer Gebühren beim Auslandseinsatz, vor allem für den Urlaub.
dpa
31.03.2005
