Kinder alleine großzuziehen, ist ein täglicher Kraftakt. Auf die Dauer zerrüttet der psychische Druck die körperliche und seelische Gesundheit der Frauen.Einsamer Job: Wenn Frauen Kinder alleine erziehen
Im Grunde kommt die Nachricht nicht überraschend: Singlemütter sind gesundheitlich stärker angeschlagen, als Frauen, die Ihre Kinder gemeinsam mit einem Partner erziehen. Dies ist die Kernaussage eines aktuellen Informationsheftes des Robert Koch-Instituts in Berlin. Singlemütter sind heute keine Einzelfälle mehr. Immer mehr Menschen stecken in einer solchen Lebenssituation, weil sie sich vom Partner nach getrennt haben: Rund 1,4 Millionen Elternteile in Deutschland erziehen ihre Kinder ohne einen Partner - fast 90 Prozent von ihnen sind Frauen. Ein einsamer Job ist das, der auf Dauer krank machen kann.
Täglicher Kraftakt
Denn Kinder machen nicht nur Freude, sie bringen auch allerlei Trubel und Sorgen ins Haus: vom aufgeschrammten Knie über die verlorene Puppe bis hin zum täglichen Terror vor dem Schlafengehen. Den Alltag mit den kleinen Chaoten alleine zu stemmen, frisst enorm viel Nervenkraft. Hinzu kommen finanziellen Sorgen, mit denen sich vor allem alleinerziehende Frauen herumschlagen. In der Folge fühlen sie sich häufig überfordert, leiden unter Zukunftsängsten und haben ein geringeres Selbstwertgefühl als verheiratete Mütter. Wie Erkenntnisse aus der Stressforschung belegen, zerrütten diese Belastungen auf Dauer die physische und psychische Gesundheit eines Menschen.
Mangelware Glücksgefühle
Dies spiegelt sich auch in der gesundheitlichen Situation der Singlemütter wider. Ein Vergleich von 89 alleinerziehenden und 728 verheirateten Frauen ergab, dass die Singlemütter häufiger unter Nieren- und Lebererkrankungen, chronischer Bronchitis, Migräne und Schmerzen litten. Fast ein Viertel von ihnen zeigte darüber hinaus psychische Krankheitssymptome - mehr als doppelt so viele, wie bei den Frauen in der Vergleichsgruppe. Momente von Gelassenheit, Glück und Energie sind bei Singlemüttern Mangelware: Alleinerziehende Frauen fühlen sich häufiger schwach und unruhig, sie grübeln viel und leiden unter Schlaflosigkeit. All das sind erste Anzeichen für eine Depression.
Geld entlastet
Es zeigte sich jedoch auch, dass man nicht alle Alleinerziehenden über einen Kamm scheren kann. Vor allem wer über finanzielle Sicherheit und ein gutes soziales Netz verfügt, ist auch gesundheitlich entlastet. Das trifft auf die meisten alleinerziehenden Väter zu, bei denen sich die Rolle des Alleinerziehenden daher nicht negativ auf die Gesundheit auswirkt. Aber auch rund die Hälfte der Singlemütter empfand ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut.
Politik gefordert
Die Lehren, die sich aus diesen Ergebnissen ziehen lassen, liegen auf der Hand: Die Autorinnen des Informationsblattes fordern wirksame sozialpolitische Maßnahmen, die die gesundheitlichen Lage der Alleinerziehenden verbessern. Angesichts der ständig wachsenden Zahl von Singleeltern ist das eine dringende gesellschaftliche Aufgabe. Das Informationsheft "Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter" kann kostenlos schriftlich angefordert werden: Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung, Seestrasse 10, 13353 Berlin, Fax 01888 - 754-3513, E-Mail gbe@rki.de.
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