Pausenlos Geld abheben. Jugendliche haben zunehmend Probleme im Umgang mit Geld. Kinder sind lukrative Kunden: Rund zehn Milliarden Euro gibt der Nachwuchs pro Jahr in Deutschland aus. Trotzdem (oder gerade deshalb) reicht bei den meisten das Taschengeld vorne und hinten nicht. Mehr noch: Die Zahl der verschuldeten Kids steigt rapide. Wie können Eltern gegensteuern?
Verschuldung unter Kindern und Jugendlichen ist heute keine Seltenheit mehr. Selbst Grundschüler leihen sich Geld bei den Eltern oder Klassenkameraden. Werden die Kinder älter, steigen die Ansprüche – und auch die Schulden: Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen haben zwölf Prozent der 13 bis 24 Jährigen Schulden, im Durchschnitt sind es 1.800 Euro.
Für einen Erwachsenen mag diese Summe überschaubar sein, für Jugendliche ist sie es nicht. Wie zahlt man 1.800 Euro zurück, wenn man zur Schule geht und kein Einkommen hat?
Das größte Manko: Vielen Jugendlichen fehlt jegliches Verständnis für den Wert des Geldes. Wer cool sein will, braucht ein modernes Handy mit den neuesten Klingeltönen genauso wie sündhaft teure Markenklamotten – so schreiben es die ungeschriebenen Gesetze des Schulhofes vor. Kaum ein Schüler kann ermessen, wie lange Papa für die 200 Euro teuren Sportschuhe arbeiten musste.
Tipps für die angemessene Höhe des Taschengeldes und wie Ihr Nachwuchs den Umgang mit dem Geld lernt:
Wie viel Taschengeld soll mein Kind bekommen?
Die Höhe der Geldes hängt in erster Linie von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und dem Entwicklungsstand des Kindes ab. Allerdings sollten Eltern darauf achten, dass die Höhe nicht allzu sehr von den Orientierungswerten abweicht. Wichtig ist, dass die Zahlung regelmäßig erfolgt, ohne dass Eltern daran erinnert werden müssen. Nur so kann das Taschengeld zu einer planbaren Größe für den Nachwuchs werden.
Orientierungswerte für die Höhe des Taschengeldes:
| Alter | Betrag | Auszahlung |
|---|---|---|
| unter 6 Jahren | 0.50 Euro | wöchentlich |
| 6-7 Jahre | 1-2 Euro | wöchentlich |
| 8-9 Jahre | 2-3 Euro | wöchentlich |
| 10-11 Jahre | 15 Euro | monatlich |
| 12-13 Jahre | 20 Euro | monatlich |
| 14-15 Jahre | 25 Euro | monatlich |
| 16-17 Jahre | 30-50 Euro | monatlich |
Kinder sollen frei über ihr Geld verfügen
Manchmal kommen Eltern aus dem Staunen nicht heraus, für welchen „Unsinn“ Kinder Geld ausgeben. Genau für diesen "Unsinn" ist das Geld gedacht. Kinder sollen sich kaufen, was sie möchten. Das heißt nicht, dass Eltern nicht hin und wieder Ratschläge geben sollten, dass zu viele Süßigkeiten ungesund sind oder manches Spielzeug nach anfänglichem Gebrauch in der Ecke herumliegt.
Wenn das Geld nicht reicht ...
Das Problem eines leeren Geldbeutels kennt fast jeder und gerade Kinder können dadurch wichtige Erfahrungen sammeln. Erst wenn das Problem häufiger auftritt, sollten Eltern mit dem Kind nach einer Lösung suchen.
Zur kurzfristigen Lösung bieten sich folgende Möglichkeiten an:
• Prüfen Sie, ob Ihr Kind genug Taschengeld bekommt. Heben Sie den Betrag bei Bedarf an.
• Zahlen Sie das Geld vorrübergehend wieder wöchentlich oder vierzehntägig statt monatlich aus.
• Gewähren Sie einen Vorschuss und ziehen Sie diesen von der nächsten Zahlung ab.
• Setzen Sie mit Ihrem Kind Sparziele. Den Betrag können Sie einbehalten, bis der gewünschte Betrag erreicht ist.
Taschengeld nicht als Druckmittel verwenden
Das Taschengeld sollte nicht dazu verwendet werden, die Erziehung zu steuern. Taschengeldkürzungen aufgrund schlechter Zensuren etc. sind für Eltern tabu. Taschengeld dient nur einem Zweck: Das Kind soll den Umgang mit dem Geld lernen.
Sprechen Sie offen über Geld
Unterhalten Sie sich auch im Beisein Ihres Kindes über Geld. So lernen Kinder, dass den Eltern nicht alles in den Schoß fällt und dass auch die Erwachsenen mit ihrem Geld haushalten müssen.
Konten
Richten Sie Ihrem Nachwuchs ein Sparbuch oder ein Girokonto ein, auf das höhere Beträge (beispielsweise Geldgeschenke zu Weihnachten) eingezahlt werden. So bekommt Ihr Kind ein Gefühl dafür, wie das eigene „Vermögen“ anwachsen kann, wenn es Geld spart. Gleichzeitig lernen sie die Kontoführung und die Bedeutung von Zinsen.
Allerdings sollten Kinder erst dann mit der Verwaltung ihres Kontos beginnen, wenn in der Schule mit Geldbeträgen gerechnet wird. Für die Kleinsten ist ein Konto zu abstrakt, da ist der Umgang mit dem guten alten Sparschwein leichter verständlich.
Der Umgang mit dem Handy
Das Handy ist gerade für Jugendliche eine reine Geldvernichtungsmaschine. Bereits 50 Prozent der Elf- bis Zwölfjährigen nutzen ein Handy, ohne die Kosten beurteilen zu können. Daher ist für den Nachwuchs ein Prepaid-Handy nach wie vor die erste Wahl. Geeignet zur Finanzierung der Gesprächs-Guthaben ist beispielsweise folgende Lösung: Die erste Guthaben bezahlen die Eltern, alle weiteren muss das Kind vom Taschengeld oder sogar von Nebenjobs finanzieren.
Wenn Ihr Kind unbedingt einen Handy-Vertrag haben muss, achten Sie darauf, dass nur ein bestimmtes Limit abtelefoniert werden kann und die teuren 0190er-Nummern gesperrt werden.
Ouellen: Deutscher Kinderschutzbund und AOL
