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"Jedes Wort muss ich aus ihm herausziehen"
 
Geschrieben von sylvie am Freitag, 25. März 2005

Was man dringend mal lesen sollte Warum Kinder oft verschlossen sind

Eine Mutter klagte mir neulich: "Mein Junge ist immer so verschlossen. Jedes Wort muss ich aus ihm herausziehen."


Das setzte mich in Erstaunen, denn der blonde Jonathan hatte auf mich immer einen offenen und fröhlichen Eindruck gemacht.

Zufällig war ich einmal auf Besuch, als Jonathan aus der Schule kam. "Mutti," sprudelte er schon an der Türe heraus, "denk doch mal...". Weiter kam er nicht. "Sag erst mal manierlich guten Tag! - Nein, gib nicht die Hand, die ist ja wieder dermaßen schmutzig! Wie kommen denn die Dreckspritzer auf deine Jacke? Marsch, ins Badezimmer, man muss sich ja deinetwegen schämen!"

Kinder wollen sich mitteilen

Jonathan schlich betrübt ins Bad. Der fröhliche Glanz in den Augen des Jungen war nach diesem wenig herzlichen "Willkommen" erloschen. Alle Lust, seiner Mutti etwas zu erzählen, war verschwunden. Wahrscheinlich wird er mit der Zeit seine kleinen, aber so wichtigen Freuden, Wünsche und Kümmernisse nicht mehr mit der Mutter teilen.

Wie unüberlegt gehen wir oft mit unseren Kindern um. Immer wieder müssen sie in unserer hektischen Zeit hören: "Ich habe jetzt keine Zeit für dich! Du siehst doch, dass ich im Stress bin." Für ein Kind ist das "keine Zeit haben" ein Vorwurf, ein Zurückgestoßenwerden.

Ein Kind soll unbedingt das innere Erlebnis aussprechen dürfen, auch wenn es "nur" etwas kindlich Belangloses ist. Vielleicht wollte es ja gerade etwas "Wichtiges" erzählen, eine Zeichnung zeigen oder den selbstgebauten Turm. Wer einem Kind das Sprechen verbietet, braucht sich nicht zu wundern, wenn es sich verschließt.

Wenn sich Eltern Zeit nehmen und ihrem Kind deutlich machen: "Du bist mir wichtig mit deinen Vorstellungen und Plänen, aber aucvh mit deinen Ängsten und Sorgen", dann lässt sich ein Kind auch in kritischen Situationen eher etwas sagen, als wenn es den Eindruck hat: "Meine Eltern verstehen mich ja doch nicht".

Echtes Interesse zeigen

Kinder erleben so viel und müssen eine Menge verarbeiten. Wohin sollen sie mit ihren Fragen und Ängsten gehen? Kinder brauchen mehr denn je Verlässliches, an dem sie sich orientieren können. Erzieher und Lehrer werden bei aller Mühe niemals das Leisten können, was ein Elternpaar seinen Kindern mitgeben kann.

Leider ist zu beobachten, dass viele Kinder in ihrer Familie immer weniger Geborgenheit, Zusammenhalt und Förderung erfahren. Vielmehr wird die Familie zunehmend zu einem Ort großer Enttäuschungen und Verletzungen. Einerseits sagen wir: "Natürlich lieben wir unsere Kinder!" Dann, im gleichen Atemzug beschweren wir uns über sie und sie sind mehr Last als Freude.

Doch Kinder sind uns gegeben, um sie so zu erziehen, damit sie im Leben bestehen können. Es gibt keine verantwortungsvollere Aufgabe!
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