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Autor Thema: Der Kontakt zur Familie meines Mannes fällt mir schwer  (Gelesen 6225 mal)
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Hummelflug39
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« am: 07. November 2009, 12:25:38 »

Will mir mal was von der Seele schreiben, aber wie soll ich anfangen?...also: Seit Februar 2007 bin ich verwitwet. Mein Mann starb an einem Hirntumor. Ein Jahr lang hat er sich gequält, ca. 8 Monate habe ich ihn gepflegt und dann mußte ich ihn in ein Hospiz geben, weil ich mit meinen Kräften ziemlich am Ende war und er so Hilfe bedürftig, dass ich es nicht mehr gepackt habe. Das Fortschreiten seiner Krankheit ging in einem laufenden Prozess monatlich bergab...Krampfanfälle, Orientierungslosigkeit, Lähmung, Kein Wasserhalten mehr, keine klaren Zusammenhänge mehr erkennen, Erblindung - um nur grob zu erklären. Kurz nach der Diagnose der Krankheit beichtete er mir, dass er mich schon seit Jahren betrogen hat (nicht nur mit Frauen!). Ich war wie gelähmt.....letztendlich habe ich alles eingekapselt und bin mit ihm den Rest des Weges gegangen - was sollte ich auch sonst machen?!- Mit den Kindern hatte ich sehr viel Hilfe durch meine Familie. Meine Schwiegerfamilie? Tja, ein supertolles Verhältnis hatte ich noch nie zu denen. Die Hilfe war mehr als dürftig. Nur das Nötigste, damit man ihnen nichts nachsagen kann. Als meine Mann dann starb hatte ich einiges natürlich zu verarbeiten - das ist mir größtenteils gelungen - Ein Thema jedoch, welches mit keine Ruhe läßt ist der Kontakt zu meiner Schwiegerfamilie. Ich will ihn nicht! Ich habe mich seit dem bei den Familienfeiern ausgeklinkt und halte auch sonst nur sehr geringen Kontakt. In größeren Abständen rufen sie mich halt an...aber sie wollen, dass ich wieder an den Familienfeiern teilnehme - sie wollen es letzendlich nur, weil die Leute ja sonst denken könnten sie hätten mich im Stich gelassen und außerdem tun sie jetzt so, als wenn ihnen ihre Enkelkinder so wichtig wären. Ich habe meinen Jungs gesagt, dass ich nichts dagegen habe, wenn sie weiter Kontakt halten möchten und ich würde sie selbstverständlich auch zu den Familienfeiern bringen. Es sind schließlich ihre Oma und Tanten. Aber sie wollen nicht. Sie haben auch noch nie eine Beziehung zu ihnen gehabt. Also um jetzt mal zum Schluss zu kommen: Ich weiß nicht wie ich es den Verwandten verständlich machen soll, dass ich nicht mehr will. Alle meine bisherigen Versuche es zu erklären, haben sie nicht verstanden, bzw. sie sind der Meinung, dass sich das schon alles wieder gibt. Ich will mich auch nicht Streiten. Sie sollen mich doch einfach in Ruhe lassen, damit ich mit einem neuen Leben auch da wieder anfangen kann.
Jetzt habe ich so viel geschrieben. Vielleicht kann mich ja einer von euch verstehen, oder meine Gedanken da wieder etwas in Ordnung bringen.
Liebe Grüße
Hummelflug39
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Nachtelf
Gast
« Antworten #1 am: 07. November 2009, 16:17:12 »

Die eigenen Gedanken kann man nur selber in Ordnung bringen.

Ich ziehe meinen Hut vor deiner Leistung. Vor der Kraft die du aufgebracht hast nach bekannt werden der Krankheit, vor der Kraft nach dem Geständnis deines Partners und vor der Kraft ihn weiterhin danach zu pflegen und zu betreuen. Das irgendwann einmal die Kraft aufgebraucht ist die man "über" hat und das man dann einsieht das es ohne fremde Hilfe nicht geht um den Rest der Familie zu schonen und zu schützen kostet meines Erachtens dann am meissten Kraft.

Das der Kontakt zur Familie des Partners weniger intensiv ist geht wohl den meissten so, es sei denn man bekommt von der eigenen Familie nicht viel entgegengebracht oder von der zugeheirateten Familie jede Menge zugetragen.

Das du keinen Kontakt zu deinen Schwiegerleuten halten möchtest ist hierbei eine Sache aber du nimmst meiner Überlegung nach deinen Kindern die Möglichkeit auf die Familie ihres verstorbenen Vaters einzugehen.
Da du kein Verhältnis zu ihnen aufbaust und auch die wenigen Berührungspunkte die es gibt (Familienfeiern) meidest wird deinen Kindern das Kennenlernen unmöglich und durch das Vorleben der "Aversion" auch ein Stück weit in sie hineingepflanzt.

Ich meine damit nicht das du jetzt bei deiner Schwiegerfamilie einschleimen sollst, allerdings werden deine Kinder kein "normales" Verhältnis zu Oma und Opa und Anhang bekommen wenn du selber ihnen nicht vorlebst was dies bedeutet. Überlege ob es dir nicht möglich ist für deine Kinder den Kontakt soweiit aufzubauen das sie irgendwann selber entscheiden wollen ob sie gerne hin gehen.

So wie du es nicht schaffst deinen Verwandten verständlich zu machen das du den Kontakt nicht willst, gelingt es ihnen vielleicht nicht dir klar zu machen wie sehr sie den Kontakt zu dir und deinen Kindern möchten.

Was genau zutrifft und welches der richtigere Weg ist für Dich und Deine Kinder vermag niemand zu sagen. Dies nur als Gedankenanstoß damit man darüber nachdenkt denn der Kopf ist absichtlich rund, damit man seine Gedanken auch einmal in eine andere Richtung kreisen lassen kann.

Lieben Gruß und ein schönes WE

Nachtelf
« Letzte Änderung: 07. November 2009, 16:19:23 von Nachtelf » Gespeichert
giftzwergin
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« Antworten #2 am: 09. November 2009, 20:43:10 »

Nachtelf, ich finde, dass du Hummelflug etwas viel abverlangst.

Wieso soll sich Hummelflug verbiegen und den Kontakt aufrechterhalten (es kostet schließlich ihre Kräfte, die sie anderswo gewinnbringender einsetzen könnte)?

Warum stellst du das Kindeswohl so sehr über das Mutterwohl? (Schließlich sind die drei wohl alt genug)

Den richtigen Weg, werden Dir, Hummelflug, wohl in 20 bis 30 Jahren deine Kinder verraten. Ich bin der Meinung, dass man als Mutter ausreichend macht, indem man den Kontakt ermöglicht. Wieso sich selbst so reinhängern, schließlich hat man den Mann geliebt.

2 Beispiele:
1. Meine Großmutter väterlicherseits - eine richtige Schreckschraube - immer sollten wir Enkel Kontakt halten und freundlich sein  - wieso, nur weil wir zufällig etwas Blut von ihr abbekommen haben? Klingt vielleicht etwas hart, aber dass Familienbande sprich Blutsbande zum engen und/oder freundschaftlichen Kontakt zwingt, finde ich nicht richtig. Ich konnte mit meiner Großmutter erst in dem Moment wieder umgehen, als ich in ihr das gesehen habe, was sie war: eine alte, einsame und kranke Frau und eben dieser habe ich hin und wieder ein Briefchen geschrieben oder sie angerufen.

2. Der Vater von meinem Kind lebt und so ist er - meines Erachtens - für den Kontakt seines Sohnes mit seiner Familie zuständig. Doch aufgrund der plötzlichen Trennung und den jungen Monaten des Kindes, bin ich in die Vermittlerrolle reingeschlüpft. Ich sah es als meine Pflicht an, aber ehrlich gesagt, sehe ich das heute etwas anders. Und dennoch, der Großvater väterlicherseits (zu dem der KV selbst erst seit knappen 6 Jahren sehr sporadischen Kontakt hat) "darf" weiterhin seinen Enkel bei mir besuchen.

Hummelflug, ein Patentrezept gibt es wohl einfach nicht. Doch befürchte ich, wenn du deine "Ruhe" haben willst, wirst du um eine definitive Aussprache (evtl. in Briefform) nicht herumkommen. Es könnte natürlich zum kompletten Bruch kommen, weshalb du einen solchen Schritt vorher mit deinen Kindern besprichst und diese Aussprache auch explizit nur auf dich und deinen Kontakt zur Schwiegerfamilie beziehst - deine Kinder müssen es irgendwann selbst regeln.

Aber ob du diesen Bruch oder eventuellen "Kampf" dir in deiner Situation auch noch aufbürden möchtest.....

Jetzt, wo ich den Text geschrieben habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn einschreiben soll. Aber vielleicht findest du ja doch die ein oder andere Anregung und wenn nicht - na dann eben nicht.

Die Giftzwergin
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wowin
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« Antworten #3 am: 09. November 2009, 21:12:48 »

Hallo Hummelflug

Ich bin seit fast fünf Jahren verwitwet und kann deine Probleme mit der Verwandschaft gut nachvollziehen.
Ich hatte zwar kein schlechtes Verhältnis zu meinen schwiegereltern, aber nach dem Tod meiner Frau stellte ich mir trotzdem die Frage was ich da denn nun noch soll....und ob es gut ist ein "neues" Leben anzufangen mit dieser Bürde zu beginnen.
Meine Erfahrung war die dass ich ehrlich zu mir selbst und zu meinen Kindern sein musste und dass ich mir die Zeit nehmen bzw. geben muss um mich in mein "neues" Leben einzufühlen und mir klar zu werden was ich eigentlich will.
Erst dann war ich in der Lage mir Gedanken darüber Zu machen ob und wie meine Schwiegereltern darin Platz haben.
Ich denke wichtig ist den Kindern nichts zu "verbauen". auch nicht durch "eigene emotionale Haltungen" die man mehr oder weniger bewußt und meist zwischen den zeilen vor sich her trägt.
Du hast eine schwere Zeit hinter dir und als Erholung würde ich es meist auch nicht bezeichnen Kinder alleine groß zu ziehen, aber das ist in diesem Forum eine "Binsenweisheit".
Ich mag Lyrik ganz gerne ud habe was gefunden das vielleicht ganz passend sein könnte

viele Grüße

wowin

Zeit

Wenn Du nur aufbrichst,
wird sich dein Planen
schon fügen und erfüllen.

Gib dem Werden deines Glücks
die geduldige Zeit,
die der Bauer dem Samen schenkt.

Eines Tages wirst du dich aufmachen,
den reifen Duft von Körnern riechen
und die Ernte einfahren.

Vera Simon
   

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Maja
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« Antworten #4 am: 09. November 2009, 21:56:23 »

Irgendwie kann ich mich meinen Vorrednern nur anschliessen und zwar irgendwie allen... Das ist in der Tat eine sehr verzwickte, komplizierte und auch emotionale Sache, die man nicht schnell in schwarz oder weiß abhandeln kann.

Auch ich ziehe meinen Hut vor dir und deiner Stärke bezüglich dessen was hinter dir liegt. Ich verstehe auch absolut deinen Widerwillen, was die Kontaktfreude zu deinen Schwiegereltern anbelangt. Vorher war nicht viel, warum sollte es jetzt anders sein?

Die Zeit kann da viel geben, aber das kann halt dauern Traurig. Ich denke nicht, dass du dich deinen Kinder zuliebe zwingen solltest, an deren Familienfeierlichkeiten teilzunehmen teilzunehmen, wenn es für dich nur ein Spießrutenlauf bzw. eine Qual ist. Aber was du auf jeden Fall ziemlich schnell versuchen solltest ist, eine relativ neutrale Rolle einzunehmen. Deinen Kindern wohl zu vermitteln, dass du dort nicht so gerne sein möchtest, du aber kein Problem damit hast, wenn sie dort hingehen. Es kann ja für die Kinder auch eine Chance und Möglichkeit sein, den Kontakt zu ihren Wurzeln väterlicherseits zu halten und zu vertiefen? Vielleicht ist es ihnen ja irgendwann nicht mehr genug, was du ihnen über ihren Vater und seine Herkunft vermitteln kannst? Vielleicht können ihnen ihre Grosseltern Dinge beibringen oder ermöglichen, die ohne sie nicht möglich wären?

Kinder spüren ganz genau WIE man über jemand redet und welche Wellen unterwegs sind. Man muss sowas auch nicht sofort im Griff haben, aber ich denke mit etwas Abstand kann man es lernen, Vorkommnisse und Gegebenheiten so rüberzubringen, dass man keiner Seite auf Dauer etwas verbaut.

Deine Kinder sind allesamt nicht mehr so klein, als das sie nicht selber Kontakt halten könnten. Das kleinste muss vielleicht etwas angschubst werden hin und wieder und die grossen muss man trotz ihrer Pubertät, in der alles andere wichtiger ist, mal ab und zu erinnern.

Ich bin irgendwie überzeugt davon, sie werden es irgendwann gut finden, wenn du sie zwar zu nichts gezwungen, aber auch von nichts ferngehalten hast. Und fernhalten kann eben manchmal auch das sein, wenn Kinder spüren, dass Mama bestimmte Personen ablehnt.

Lass die Zeit ein wenig für euch alle arbeiten, vielleicht hilfts Smiley.

LG Maja
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Kein Geist ist in Ordnung, dem der Sinn für Humor fehlt.

(Samuel Coleridge)
Hummelflug39
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« Antworten #5 am: 10. November 2009, 12:05:18 »

Vielen Dank ihr Lieben für Eure lieben Antworten. Ich versuche ja mein Möglichstes, den Kindern die Chance zu geben den Kontakt zur Schwiegerfamilie zu halten, aber es war eben noch nie eine emotionale Bindung zur Schwiegerfamilie da, also woher soll die kommen. Ich habe meine Kindern immer gesagt, dass sie selbstverständlich zu ihrer Oma gehen können und ich sie auch hinbringen würde wenn sie das wünsche. Ich gehe mit Ihnen auch zum Grab meines Mannes, obwohl das für mich sehr schwer ist. Da wo andere trauern ist bei mir Wut. Trotzdem weiß ich ja, das die Kinder ihren Papa lieben und das dürfen sie auch!
Lieber wowin vielen Dank auch für Dein Gedicht. Es ist sehr schön.
In der Tat werde ich wohl etwas mehr Geduld haben müssen. Ich habe halt immer gerne klare Linien und da fällt mir das schwer. Meine jetztige gesundheitliche Situation spielt da sicher auch rein.
Also vielen Dank nochmal
Hummelflug39
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Mucki
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« Antworten #6 am: 10. November 2009, 13:17:00 »

Hallo hummelflug
ich denke niemand hier kann wirklich nachvollziehen wie du dich fühlst.
Jeder leibe mensch schreibt dir wie er darüber denkt und ich hoffe die beiträge helfen dir bei deinen entscheidungen.
du musst für dich selbst und für deine kinder einen weg finden, nur solltest du vielleicht auch die evtl. vorteile sehen und nicht nur die schmerzhafte vergangenheit. Aber das musst du auch für dich entscheiden, wenn du denkst du hast keine kraft mehr, dann handle. Da ja sonst deine kinder dich verlieren und das wäre schlimmer.
schön das du hier bist
sende dir eine ganz große portion kraft
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