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Alleinerziehend.de Forum 06. Juli 2008, 00:50:36 *
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Autor Thema: Märchen vom Auszug aller Ausländer  (Gelesen 1154 mal)
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Homicide
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« am: 04. November 2007, 23:09:42 »

" Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten...
von Helmut Wöllenstein

Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, spät abends. Über den Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen". Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Bürgerhäusern waren schnell wieder zugefallen. Niemand hatte etwas gesehen.

"Los, kommt, es reicht, wir gehen."

"Wo denkst du hin! Was sollen wir denn da unten im Süden?"

"Da unten? Das ist doch immerhin unsere Heimat. Hier wird es immer schlimmer. Wir tun, was an der Wand steht: "Ausländer raus!"

Tatsächlich, mitten in der Nacht kam Bewegung in die kleine Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen auf: Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihren Weihnachtsverpackungen. Sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann der Kaffee, palettenweise, der Deutschen Lieblingsgetränk; Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat. Ananas und Bananen räumten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf, Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne, die Gewürze in ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Christstollen zögerte. Man sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: Mischlingen wir mir geht's besonders an den Kragen. Mit ihm kamen das Lübecker Marzipan und der Nürnberger Lebkuchen.
Nicht Qualität, nur Herkunft zählte jetzt. Es war schon in der Morgendämmerung, als die Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und die Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen in teuren Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik, krochen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse nach Polen fliegen, auf ihrer Bahn gefolgt von den feinen Seidenhemden und Teppichen des fernen Asien.

Mit Krachen lösten sich die tropischen Hölzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins Amazonasbecken. Man musste sich vorsehen, um nicht auszurutschen, denn von überall her quoll Öl und Benzin hervor, floss in Rinnsalen und Bächen zusammen Richtung Naher Osten. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen. Stolz holten die großen deutschen Autofirmen ihre Krisenpläne aus den Schubladen: Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches Öl? - Aber die VWs und BMWs begannen sich aufzulösen in ihre Einzelteile, das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk
nach Zaire. Und die Straßendecke hatte mit dem ausländischen Asphalt im Verbund auch immer ein besseres Bild abgegeben als heute.

Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft, gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber Tannenbäume gab es noch, auch Äpfel und Nüsse. Und "Stille Nacht" durfte gesungen werden - zwar nur mit Extragenehmigung, das Lied kam immerhin aus Österreich. Nur eines wollte nicht ins Bild passen. Maria und Josef und das Kind waren geblieben. Drei Juden. Ausgerechnet. "Wir bleiben", sagte Maria. "Wenn wir aus diesem Land gehen - wer will ihnen dann noch den Weg zurück zeigen, den Weg zurück zur Vernunft und Menschlichkeit?"

Bemerkungen zum Autor / Urheberrecht etc.:
Aus: Martina Merckel-Braun (Hrsg.), Frohes Fest! Geschichten zur Weihnachtszeit für die ganze Familie, S. 82 - 84 © Copyright 2006 by Hänssler Verlag, D-71087 Holzgerlingen. Internet: www.haenssler.de
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Alleinerziehend.de Forum
« am: 04. November 2007, 23:09:42 »

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Joleen


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« Antworten #1 am: 05. November 2007, 22:22:17 »

Ich bin froh, dass es Menschen gibt die sich über dieses Thema Gedanken machen.
Es ist uns (Ausländer, Aussiedler), nicht immer leicht sich hier zu integrieren. Es ist leider auch für viele die es gerne zurück möchten der Rückweg ins Herkunftsland aus verschiedenen gründen für immer geschlossen. Übrigens ich bin aus dem Land wo die Weihnachtsgänse zu Hause sind Smiley. Ich freue mich auch, dass ich von Ausländerfeindlichkeit bis heute nichts zu spüren bekommen habe.

liebe grüße

Joleen

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Nachtelf
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« Antworten #2 am: 06. November 2007, 11:01:06 »

 Zwinkernd

Super Homicide...
genau die richtige Argumentation wenn hohle Köpfe mal wieder dumme Parolen skandieren.

Nachtelf
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Wenn Du überzeugt bist, etwas nicht erreichen zu können, dann ist es unerreichbar für Dich.
Glaube daran, dass alles möglich ist, solange Du nicht das Gegenteil erfahren hast.
Und wenn doch, wer hindert dich es trotzdem zu versuchen?.
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Homicide
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« Antworten #3 am: 06. November 2007, 11:35:49 »

@Nachtelf
leider werden die hohlköpfe nicht verstehen was da geschrieben steht Smiley

Homicide

P.S: wenn sich rechte Glatzenträger schon beim Griechen zum saufen treffen, erkennt man wie dumm sie wirklich sind. (wahre Begebenheit auf der Alb)
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thommy
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« Antworten #4 am: 06. November 2007, 18:11:53 »

He, Leutz

laßt uns dem Homicide mal den "undeutschen" Avatar wegnehmen.
NYPD, wo gibt's denn sowas, das gehört nicht nach .... ups, ich bin ja gar nicht in Deutschland *g*

Für Hohlköpfe: Ironie aus
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Funnybunny
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« Antworten #5 am: 06. November 2007, 19:28:00 »

...tja wenn man bedenkt das "die" die so denken ihr propagandamaterial in polen fertigen lassen...

so viel zum thema arbeitsplätze  Zwinkernd
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<< Woher soll man wissen wohin man geht, wenn man nicht weiß woher man kommt!>>
(Chinesisches Sprichwort)

...der Weg ist das Ziel...
delphin1
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« Antworten #6 am: 15. November 2007, 15:52:37 »

Homicide, danke für die schöne Weihnachtsgeschichte.

Ich schieb' sie nochmal nach oben, damit sie für die Adventszeit wieder in Erinnerung kommt.  Grinsend
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Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun. (Voltaire)
Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche! (Che Guevara)
Die Vergangenheit sollte ein Sprungbrett sein, nicht ein Sofa. (Harold Macmillan)
freiheit42
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« Antworten #7 am: 15. November 2007, 21:19:24 »

hallo,

denke so eine geschichte paßt in die weihnahcts bzw adventszeit rein , da denken viele menschen viel mehr nach...
aber solche "gedankenanstöße" sind doch immer passen zum nachdenken bzw um was zu bewegen!

habe viele "ausländische" freunde und bin froh darüber...genauso würd ich ungern darauf verzichten müssen DA urlaub machen zu können...bzw griechisch, italienisch, chinesisch usw essen zu gehen,...

-endlos thema!!-

lg
freiheit42
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die, die immer alles klein schreibt ...
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