Hallo allesamt,
nachdem es hier in den letzten Wochen ein bissel Aufregung mit Töchterchens Internetaktivitäten gab, dachte ich mir ich lasse euch mal an unseren Erfahrungen teilhaben –vielleicht erspart es ja dem einen oder anderen eine schlaflose Nacht.
Los ging es damit, dass meine Tochter mitsamt ihrer besten Freundin zur Tür rauswollte um „ein bissel ins Dorf zu gehen“. An der Tür wandte sie sich dann noch mal fragend zu mir um und wollte wissen ob sie von ihrem Teenager-Girokonto auch per Automat Überweisungen tätigen könnte.
Jeder mit Kindern im Teenager-Alter wird wissen wie hellhörig gewisse Untertöne machen können, besonders wenn solch Fragen betont „nebenbei und zwischen Tür und Angel“ gestellt werden…

Nach kurzen Verhör was sie denn plante (ich hatte den Verdacht, dass sie sich ein bestimmtes Paar Schuhe online bestellen wollte welches wir uns ein paar Tage vorher gemeinsam in einem Online-Shop angeschaut hatten) rückte sie dann -sichtbar verlegen- mit der Sprache raus:
Sie und einige Mitschüler hatten einen Online-Intelligenztest mitgemacht und ihr Alter beim Ausfüllen der notwendigen Formulare ein wenig nach oben „korrigiert“.
Ein paar Wochen später bekamen sie dann eine Rechnung über 30 Euro mit dem Vermerk, dass in den AGB´s auf diese Kosten hingewiesen worden war und der ausstehende Betrag notfalls eingeklagt werden würde…..

Gleiche Geschichte dann auch noch mit einem Test über die Höhe der Lebenserwartung….wobei hier die Kosten sogar bei über 80 Euro lagen.

Durch den offiziellen Ton, das sich meldende Unrechtbewusstsein und den angedrohten Ärger verunsichert hatten einige Freundinnen dann auch prompt das Geld überwiesen und meine Tochter wollte nun ebenfalls ihr Lehrgeld zahlen.
Ich habe mich dann mit ihr ans Internet gesetzt, gegoogelt und einer Verbraucherschutzseite die beruhigende Information entnommen, dass solch Zahlungsaufforderungen zwar immer eine erste und zweite Mahnung folgen würden, es aber –soweit bekannt- nie zu Rechtsklagen gekommen wäre. Die Anzahl der Jugendlichen die auf diesen Seiten Hilfe suchten fand ich erschreckend –mag mir gar nicht vorstellen, wie viele eingeschüchterte Teenies ihre Kohle in diesen Nepp gesteckt haben…
Wir haben uns dann auf jedem Fall dazu entschlossen die Mahnungen zu ignorieren und haben dann wenige Tage später im Radio mit Freuden von folgendem aktuellen Urteil gehört: diese Art von Rechnung bei der nur in den (verdeckten) AGB´s der Preis erwähnt wird sind nicht rechtmäßig und etwaig folgende Mahnungen kann man getrost entsorgen.

Klar habe ich meine Tochter daraufhin gebrieft, dass sie in meinen Augen den Intelligenztest beim Eingeben ihrer Daten bereits nicht bestanden hätte und das sie hinsichtlich ihrer Lebenserwartung eventuell drastische Einbußen hinnehmen müsste wenn sie noch mal Internetformulare ausfüllt ohne sich ALLES GENAU durchzulesen….

Aber allein durch das Erlebte hat sie eine wertvolle Lektion gelernt, mehr noch als jegliche "Mama-Predigten" bewirken könnten.
Meist hat man die üblichen Sex-, Porno- und Gewaltseiten gesperrt und die Kinder entsprechend geimpft bevor man sie an die PC´s lässt. Aber mit Ärger dieser Art hatte ich selber ehrlich gesagt nicht gerechnet...
Naja, wir sind wie berichtet ja noch mal mit einem blauen Auge davongekommen. Meine Tochter hat unsere Erfahrung dann auch auf meine Anregung hin in der Klasse angesprochen. Ob die Mädels, die bezahlt haben ihr Geld wiederbekommen können weiß ich nicht –leider haben ja auch nicht alle den Mut sich ihren Eltern anzuvertrauen...
Ich hoffe euch und euren Kids bleiben vergleichbare Erlebnisse erspart,
lg Nicole