Hallo zusammen
Ich habe vielleicht gerade meine philosphischen fünf Minuten, aber ich denke gerade über "das Leben das Weltall und alles" nach.
Für den einen oder anderen mag es vielleicht auch sarkastisch klingen. Ich habe nun bald die ersten beiden Lehrjahre als AE voll. Das ist doch anlass genug das alles mal revue passieren zu lassen.
Wir gingen vor dem Tod meiner Frau durch tiefe Täler und danach hatte ich nicht das Gefühl dass irgendetwas leichter geworden wäre. Auch wenn es eine lange Vorgeschichte hatte und zwei Jahre vor ihrem Tod klar war dass es keine Heilung mehr gab konnte sich doch keiner von uns eine Vorstellung davon machen wie ein Leben als/mit einem AE vater sein könnnte. UNd so war es eine Situation die sich plötzlich so ganz anders anfühlte als alles bisherige.
Zuerst versuchte ich das altbewährte festzuhalten. Machte mir unglaublich viel Stress damit hier alles einigermaßen in Ordnung zu halten. Dazu kam noch ein Unfall der mich auch noch einmal gewaltig Lebensenergie gekostet hat und der mich zwang einige Dinge anders zu sehen.
Dazu kam eine ungewohnte Rolle als AE gegeüber den Kindern. Früher hatte ich die klassische Ernährerrolle und meine Frau liß sich nicht gerne reinreden ;-)was nicht heißt dass ich nix mit den Kindern gemacht hätte oder nicht im Haushalt geholfen hätte.
Aber das war dann doch etwas ganz anderes.
Ich würde auch behaupten dass ich das erste Jeahr nicht wirklich "gestaltet" habe sondern eher weiter funktioniert wie die Jahre mit der Krankheit. Erst im Lauf des letzten Jahres habe ich begonnen wieder ein Gefühl für mich selbst zu entwickeln. Dinge entdeckt die ich vor oder am Anfang meiner Ehe gerne gemacht habe.
Eine tolle erfahrung war für mich auch die wiederentdeckung des eigenen Geschmacks beim Kleiderkauf, ja lacht nur.... darum hatte ich mich Jahrelang nicht wirklich gekümmert. Nun macht es mir (zum Leidwesen meines sohnes) durchaus Spaß mir Klamotten zu kaufen.
Die Beziehung zu meinen Kindernhat sich in den letzten beiden Jahren Grundlegend geändert, und ich glaube nicht dass dies nur ein Gefühl von mir ist. Wobei es uns auch heute nochg schwer fällt die wenige Zeit die wir gemeinsam haben auch so zu nutzen dass sie uns gut tut. Da müssen dann eben auch die üblichen Erziehungsscharmützel ausgetragen werden
Im Moment entwickelt sich das zusammensein äußerst positiv, wobei mir bewußt ist dass der Anspruch den ich an meine Kinder stellen (muss) sehr hoch ist. Sie müssen so viel SelbstVerantwortung für ihre Entwicklung tragen dass mir manchmal schon mulmig wird. Und ich habe auch immer wieder Zweifel ob mein weg der richtige ist. Klar gibt es nicht "den richtigen weg" aber ich meine einfach einen der die Kinder ins Leben bringt ohne dass sie weiteren seelischen Schaden erleiden.
Beruflich muss ich mir gerade überlegen ob ich noch einmal richtig loslege oder ob ich es dabei belasse wie es ist. Aber meine Entscheidung ist eigentlich auch hier klar, und nur eine Frage der Zeit. von der ich allerdings nicht so viel vertrödeln möchte. Die Begrenzungen sind meine Kinder und mein Gefühl für uns als Einheit.
Klar macht mich meine Beziehung die ich seit doch schon acht Monaten habe sehr glücklich. Mit all den Konsequenzen die so ein Patchwork mit sich bringt die, wie einige von euch ja auch aus eigener Erfahrung wissen, nicht einfach sind.
Seit etwa einem halben jahr gestalte ich so nach und nach das Haus um. Ich dachte eigentlich vor zwei Jahren dass ich irgendwann alles anders haben wollen..muss. Aber dem ist nicht so. Ich bin in der Lage mir Gedanken zu machen was mir wie gefällt und das so nach und nach zu realisieren. Ich verspüre überhaupt keinen Druck "irgendwelche Erinnerungen weg zu pinseln" was mich durchaus erstaunt.
Alles in allem finde ich dass wir in den letzten beiden Jahren eine ziemliches Stück Weg zurückgelegt haben...und ein hoffentlich noch größeres vor uns liegt....
Und auch wenn ich in letzter zeit nicht so sehr aktiv hier dabei bin helft auch ihr mir immer mal wieder ein Stück weiter
Die nächste große Hürde wird sein unsere Familie im Somer so stabil zu haben dass ich mit einigermaßen ruhigem Gewissen meine Tochter zum Austauschjahr nach Australien gehen lassen kann. Emotional bekomme ich so langsam etwas Bammel vor meiner eigenen Courage, aber glücklicherweise gibt es kein Zurück mehr.
nun hab ich euch aber genug eurer zeit gestohlen

und meine philosophischen fünf Minuten hab ich auch etwas überzogen...
also danke für eure Begleitung in meinen ersten beiden Lehrjahren und ich bin gespannt auf mein drittes....
späte Grüße vor einer wieder mal langen Arbeitswoche
Wolfgang